Grundschule in der Köllnischen Heide – in der Klasse 2c. Wer zu Hause deutsch spricht, ist erstmal nicht ausschlaggebend. Wichtiger werden weitere soziale Faktoren.  Benjamin Pritzkuleit

Wie hoch der Anteil von Kindern „nichtdeutscher Herkunftssprache“ an einzelnen Schulen ist, lässt sich in Berlin wohl künftig nicht mehr so einfach wie bisher herausfinden. Bislang wird die Zahl online im Schulverzeichnis der Senatsverwaltung für Bildung veröffentlicht. Das soll nach dem Willen der rot-grün-roten Koalition anders werden, wie die „Berliner Morgenpost“ berichtete. Geplant sei, die Daten dort nicht mehr auszuweisen. Der Sprecher der Bildungsverwaltung, Martin Klesmann, begründete das damit, dass die Angabe wenig aussagekräftig sei.

Statt Herkunftssprache sollen Berliner Schulen typisiert werden 

Andererseits sei eine sogenannte Berliner Schultypisierung geplant. „Da werden dann viel mehr soziale Faktoren berücksichtigt, damit man eine Schule stärker in einen Kontext stellen kann“, sagte Klesmann der Zeitung. Unter anderem soll erfasst werden, wie viele Schülerinnen und Schüler von Lernmitteln befreit sind, wie viele eine Jahrgangsstufe wiederholen, wie viele Förderbedarf haben – und auch, wie viele eine andere Sprache als Deutsch zu Hause im Alltag benutzen. Solche Daten sollen es erleichtern, Schulen bedarfsgerecht auszustatten. Ob sie künftig dann auch im Schulverzeichnis ausgewiesen werden, sei noch nicht geklärt. „Das muss noch diskutiert werden“, sagte Klesmann.

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Eltern suchen Schulen auch nach dem Kriterium Sprache aus

Der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, Timur Husein, kritisierte die Pläne: Der Anteil der Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache könne für Eltern bei der Suche nach der richtigen Schule für ihr Kind durchaus relevant sein, sagte er der Zeitung. „Das kann man doch nicht einfach verschweigen.“

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, zeigte Verständnis für das Argument: Der Faktor nichtdeutsche Herkunftssprache allein habe eine begrenzte Aussagekraft. „Die Abschlussquoten und Durchschnittsnoten finde ich zum Beispiel viel wichtiger“, sagte Heise. „Daran lässt sich die soziale Mischung in einer Schule ja auch sehr gut erkennen.“

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Laut einer im Dezember veröffentlichten Antwort des Senats auf eine Anfrage der AfD-Fraktion haben an 158 Berliner Grundschulen mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eine andere Herkunftssprache als Deutsch. An 50 der insgesamt angeführten 368 Grundschulen sind es mehr als 75 Prozent, an 19 sogar mehr als 90 Prozent.