Der Friedrichstadt-Palast als TV-Serie: Svenja Jung spielt in der Hauptrolle die Zwillingsschwestern Chris und Marlene. ZDF/Mathias Bothor

Trotz Pandemie-Einschränkungen: Für Berndt Schmidt, dem Intendanten des Friedrichstadt-Palastes, fängt das neue Jahr sehr gut an. Denn das ZDF hat den „Palast“ zum Serien-Star gemacht, ab 3. Januar geht es mit dem Dreiteiler los (20.15 Uhr). Schmidt hat ihn vorab schon gesehen und ist überglücklich. „Die Serie ist eine große Ehre für uns, sie ist einfach brillant“, sagt er dem KURIER.

Telegen war der Friedrichstadt-Palast schon immer. Denken wir nur an die vielen „Ein Kessel Buntes“-Shows des DDR-Fernsehens. Nun hat das Westfernsehen Europas größte Revue-Bühne für sich entdeckt, die nun in der Mini-Serie „Der Palast“ im ZDF zu sehen ist.

Sie führt den Zuschauer in das geteilte Berlin von 1988 bis zum Mauerfall am 9. November 1989. Vor der glamourösen Kulisse des Friedrichstadt-Palastes wird eine deutsch-deutsche Familiengeschichte erzählt. Die Solotänzerin Chris steht plötzlich ihrer bis dahin unbekannten Zwillingsschwester Marlene aus Westdeutschland gegenüber (Svenja Jung in einer Doppelrolle). Beide versuchen, hinter das Familiengeheimnis zu kommen, das zu ihrer Trennung kurz vor dem Mauerbau 1961 führte.

Friedrichstadt-Palast-Intendant Berndt Schmidt Friedrichstadt-Palast/Viviane Wild

„Eine großartige Ost-West-Geschichte ohne Klischees “

„Die Geschichte ist einfach großartig, auch wenn sie einem zunächst an das ,Doppelte Lottchen‘ von Erich Kästner erinnert“, sagt Palast-Chef Schmidt. „Sie zeigt auch die Entwicklung der beiden deutschen Staaten, die trotz ihrer Trennung und den Unterschieden einfach zusammen gehören – so wie die getrennten Zwillingsschwestern in der Handlung.“

Was Schmidt besonders brillant an der Ost-West-Story findet: „Mit viel Respekt und liebevoll werden die Geschehnisse in den beiden Teilen Deutschlands erzählt, ganz ohne die plumpen Klischees“, sagt Schmidt. Der Osten sei nicht nur Stasi gewesen, im Westen war auch nicht alles Gold was glänzt, so der Intendant. „In beiden Teilen des damals geteilten Landes gab es gute und schlechte Seiten. Das zeigt auch die Serie. Als Zuschauer lernt man sehr viel über das Leben in der DDR und in der damaligen Bundesrepublik.“ Das sei auch ein großer Pluspunkt der Serie „Der Palast“, die die „Constantin Film“ für das ZDF produzierte.

Szene aus Der Palast: Als Solotänzerin schafft es Chris (Svenja Jung), das Publikum zu begeistern. Julia Terjung/ZDF/dpa

Im Palast wurde die Serie während des Corona-Lockdowns gedreht

Die Dreharbeiten im Serien-Hauptdarsteller Friedrichstadt-Palast fanden vom Herbst 2020 bis zum April 2021 statt. „Als es losging, fing im November vor einem Jahr gerade der nächste Lockdown an, der bis zum Frühjahr dauerte“, sagt Schmidt. „So gesehen hatte Corona auch etwas Gutes. Im Friedrichstadt-Palast fanden keine Vorstellungen statt, es konnte also ganz in Ruhe gedreht werden. Das Team um Regisseur Uli Edel hatte so viel Zeit, die Revue-Szenen und die Abläufe einer Show umfangreich aufzunehmen. Damit erhält der Zuschauer einen recht authentischen Blick hinter den Kulissen des Friedrichstadt-Palastes.“

Chris (Svenja Jung) macht sich fertig für den Auftritt. Die Serie gewährt einen authentischen Blick hinter den Kulissen des Friedrichstadt-Palastes. Julia Terjung/ZDF

Für die Show-Aufnahmen wurden Teile von Choreografien aus den Erfolgsrevuen „The Wyld“ (2014) und „The One Grand Show“ (2016) neu zusammengestellt. Die Musik dazu ist ebenfalls  neu. „Für Auftritte wurden auch extra Kostüme gefertigt“, sagt Schmidt. „Das zeigt, wie viel Geld und Aufwand in diese Serie gesteckt wurde, was uns stolz macht.“

Natürlich darf auch in der TV-Serie die berühmte Girl-Reihe nicht fehlen. Julia Terjung/ZDF

Die Mini-Serie „Der Palast“, in der neben Svenja Jung auch Anja Kling und Heino Ferch mitspielen, ist schon jetzt ein großer Erfolg. Sie gehört zu den im Ausland meistverkauften Produktionen des ZDF in diesem Jahr, hat Intendant Schmidt gehört. „Gut gemachte Produktionen über die deutsch-deutsche Geschichte sind weltweit sehr gefragt“, sagt er. Das dürfte den ohnehin schon hohen internationalen Bekanntheitsgrad des Friedrichstadt-Palastes noch mehr steigern.

Glanzvoll, nun auch als Serien-Star - der Friedrichstadt-Palast. Während des Lockdowns wurde dort der TV-Event „Der Palast“ gedreht. Imago

Allerdings wird sich dies wegen der derzeitigen Pandemiemaßnahmen noch nicht in höheren Ticketverkäufen auszahlen, so der Palast-Chef. Aber vielleicht später, wenn die Menschen, die diese Serie gesehen haben, nach Berlin reisen, um den wahren Friedrichstadt-Palast zu erleben. „Irgendwann wird es mit Corona ja auch zu Ende gehen“, hofft Schmidt.

Die dreiteilige Serie „Der Palast“ zeigt das ZDF am 3., 4. und 5. Januar 2022 jeweils um 20.15 Uhr. In der Mediathek gibt es bereits die Serie in sechs Folgen (jeweils 45 Minuten) zu sehen.