Nachts am S-Bahnhof Plänterwald: Ein Polizist leuchtet unter die S-Bahn, spricht mit dem Überfahrenen.
Nachts am S-Bahnhof Plänterwald: Ein Polizist leuchtet unter die S-Bahn, spricht mit dem Überfahrenen. Morris Pudwell

Betrunkene und Kinder schützt der liebe Gott. Eine Redensart, die wohl nie besser als auf die diese Nacht zugetroffen hat. Denn gegen 23 Uhr  in der Nacht zu Sonnabend stürzte ein Betrunkener vor eine einfahrende S-Bahn am S-Bahnhof Plänterwald - und überlebte dank des klugen Einsatzes der Retter fast unverletzt. Lesen Sie das Protokoll einer spektakulären Rettungsaktion.

Der Mann kam aus dem „S-Bahn-Stübchen“, einer Kneipe am S-Bahnhof Plänterwald. Betrunken, bis gegen 22.50 Uhr soll er hier laut Zeugen ordentlich „getankt“ haben. Er wollte mit der S-Bahn nach Hause zu fahren, kam auf dem Bahnsteig noch mit mehreren Personen ins Gespräch. Doch plötzlich verlor er das Gleichgewicht – und stürzte ins Gleisbett.

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Fatal: Die Zeugen konnten den Mann nicht mehr rechtzeitig aus dem Gleis helfen, da fast gleichzeitig eine S-Bahn in den Bahnhof  einfuhr. Auch die vom Zugführer sofort eingeleitete Notbremsung konnte nicht verhindern, dass der Mann bis zur Hälfte der S-Bahnlänge überfahren (aber zum Glück nicht überrollt) wurde.

Die S-Bahn wurde mit Muskelkraft vorwärtsgeschoben, der Mann kann von den Gleisen geborgen werden.
Die S-Bahn wurde mit Muskelkraft vorwärtsgeschoben, der Mann kann von den Gleisen geborgen werden. Morris Pudwell

Der Triebfahrzeugführer reagierte blitzschnell. Er verließ sofort den Führerstand, begab sich ins Gleis und installierte einen Kurzschließer für den Stromabgriff. Somit konnte die Gefahr eines Stromschlags durch die Stromschiene für den Verletzten und Rettungskräfte gebannt werden.

Kurz darauf trafen Dutzende Rettungskräfte ein, erst von der Polizei, dann von der Feuerwehr. Erstes Aufatmen. Ein Polizist fand die Stelle, an der der Überfahrene lag, leuchtete mit einer Taschenlampe die Stelle unter dem Zug aus und konnte mit dem Mann sprechen.

Die Rettungskräfte schoben die S-Bahn mit Muskelkraft aus dem Bahnhof

Was dann passierte, war unglaublich. Denn da war die Frage: Wie bekommt man den Mann wieder frei, den Zug von den Gleisen, ohne den Mann weiter zu verletzen? Mit Muskelkraft!

Alarmiertes Personal der S-Bahn löste aufwändig manuell alle Bremsen der S-Bahn. Anschließend schoben alle Anwesenden, auch der KURIER-Fotograf, die Bahn mit „Muskelkraft“ aus dem Bahnhof heraus. „Ich stellte mein Equipment ab und schob am letzten Waggon selbst mit“, erzählt KURIER-Fotograf Morris Pudwell. „Wirklich beeindruckend, wie ein tonnenschwerer Zug einfach mal so aus dem Bahnhof gerollt werden kann.“ In der Tat: Denn ein Doppeltriebwagen der Berliner S-Bahn wiegt rund 59 Tonnen.

Der Gerettete wird von Sanitätern zum Rettungswagen gebracht.
Der Gerettete wird von Sanitätern zum Rettungswagen gebracht. Morris Pudwell

Die Retter schrien: „Bleib liegen, beweg deine Arme nicht nicht!“

Beim Herausschieben der S-Bahn wurde es kurz noch einmal brenzlig, denn der Verletzte begann plötzlich damit, seine Arme unkontrolliert zu bewegen. Es bestand die Gefahr, dass er auch noch überrollt wird. Doch die Feuerwehrmänner brüllten ihn lautstark an: „Bleib liegen, beweg deine Arme nicht nicht!“ Niemand hätte den Zug auf die Schnelle stoppen noch können.

Doch großes Aufatmen: Alles klappte und der Mann konnte aus seiner beängstigenden Lage befreit und in ein Krankenhaus gebracht werden. Nach ersten Erkenntnissen vor Ort soll der Mann den Sturz beinahe ohne ernsthafte Verletzungen überlebt haben. Sein Glück im Unglück: Der Mann lag genau im sogenannten „Bahnsteig-Sicherheitsraum“ .