Vom James-Simon-Park in den Mauerpark: Auf dem Areal in Pankow feierten 1600 junge Menschen lautstark, bis die Polizei kam.

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Nun soll also Ruhe herrschen. Im James-Simon-Park nahe der Museumsinsel in Mitte, den Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) ab diesem Freitag für Besucher ab 20 Uhr sperren ließ. Er will dort keine wilden Partys und keine Krawalle mit der Polizei wie an den vergangenen Tagen und Wochenenden mehr sehen. Doch nun droht es in anderen Parks noch lauter zu werden. Denn das wilde Party-Volk ist schon weiter gezogen – zum Mauerpark in Pankow.

Bereits in der Nacht zum Freitag ist es im James-Simon-Park fast ungewöhnlich ruhig. Obwohl einige Hundert Menschen zum vorerst letzten Mal zu sehr später Stunde auf der Anlage unterwegs gewesen sind, wie ein Polizeisprecher erklärt. Die Beamten seien Streife gelaufen, hätten Kontrollen durchgeführt und die Menschen zu ruhigem Verhalten aufgefordert. „So ruhig wie jetzt war es im James-Simon-Park in der Vergangenheit noch nie“, sagt der KURIER-Fotograf, der vor Ort war.

Nur noch wenige Besucher waren in der Nacht zum Freitag zum letzten Mal zu dieser Zeit im James-Simon-Park. Laut waren nur die Dieselaggregate für die Flutlichtanlage, mit der die Polizei das Gelände ausleuchtete.  Pudwell

Allerdings ist die Ruhe im Park nicht von Dauer. Plötzlich rattern Diesel-Aggregate mitten in der Nacht mit ohrenbetäubendem Lärm los. Nicht gerade umweltfreundliche dicke Abgaswolken steigen aus den Geräten empor, die die von der Polizei errichteten Flutlichtmasten mit Strom versorgen. Mit der modernen LED-Technik soll künftig der Park ausgeleuchtet werden, um so unbefugte Besucher besser ausfindig machen zu können.

Der Polizei-Einsatz erfolgt als Amtshilfe für den Bezirk. Die Beamten sollen Besucher in den kommenden Tagen darauf hinweisen, dass der abendliche Zutritt des James-Simon-Parkes untersagt ist. Wer dennoch nach 20 Uhr auf dem Areal angetroffen wird, dem droht ein Bußgeld ab 25 Euro.

Es herrscht Ruhe am James-Simon-Park . Die Polizei hat mit Absperrgittern das Areal umzäunt. Dabei wollte Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel den Park nicht einzäunen lassen.

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Wirte sind von der Sperrung des James-Simon-Parks nicht begeistert

Eine Umzäunung der großen Wiese, die an die Spree grenzt, lehnte Bezirksbürgermeister Dassel ab. Dies sei zunächst nicht geplant, erklärte er. Umzäunt wurde der Park zur Straßenseite dennoch. Nicht mit meterhohen Gitter-Elementen, aber mit hüfthohen Absperrgittern, mit deren Aufstellen die Polizei schon am Donnerstag begonnen hatte.

Auch wenn im James-Simon-Park nun endlich Ruhe einkehren sollte: Die Anwohner sind von den Absperrmaßnahmen nicht begeistert. Es sind die Gastronomen, die von dem Publikumsverkehr am Park leben.

So wie Jonas Müller (26) und Ingo Schällig (23) von Shave Ice Berlin, die dort bis 21 Uhr den vorbeiziehenden Berlinern und Touristen Eis und Getränke anbieten. Dass der Park nun ab 20 Uhr zu ist, sei „nahezu ein Genickbruch für die Gastronomie“, sagen sie. „Die Attraktivität des Parks wird durch die Absperrungen leiden, würde dann wie ein Getto-Park wirken und das wohlwollende Publikum muss es ausbaden.“

Jonas Müller (26) und Ingo Schällig (23) von Shave Ice Berlin verkaufen leckeres Eis nahe des James-Simon-Park. Dass der Park nun ab 20 Uhr dicht ist, sei „ein Genickbruch für die Gastronomie“, sagen sie. Sabine Gudath

Richard Essing (35), Gastronom im nahen Monbijou-Theater, findet sowohl die Ausschreitungen als auch die Maßnahmen traurig. Er plädiert sogar für einen richtigen Zaun, allerdings als Mittel, um den Zugang der Besucher besser kontrollieren zu können. „Es wäre besser, eine Umzäunung mit Security zu haben, damit nur ausgewähltes Publikum im Park feiern kann“, sagt er. „Die Schließung des Parks ab 20 Uhr ist für die Gastronomie geschäftsschädigend, wo es nun gerade wieder losgeht.“ Essing befürchtet, dass das wilde Party-Volk nun im Monbijoupark laut feiern und so den Theater-Betrieb stören wird.

Richard Essing (35), Gastronom im Theater im nahen Monbijoupark, befürchtet, dass das wilde Party-Volk vom James-Simon-Park nun dorthin zieht. Sabine Gudath

Das Party-Volk vom James-Simon-Park feiert jetzt im Mauerpark

Doch das Party-Volk ist längst weitergezogen. Im Mauerpark in Prenzlauer Berg war es bereits am Donnerstagabend deutlich lauter als sonst. Die Polizei spricht von über 1000 Menschen, Augenzeugen berichten von 1600 jungen Leuten, die dort kräftig gefeiert haben sollen. Viele von ihnen seien alkoholisiert gewesen, so ein Polizeisprecher. Vor Ort sei die „Stimmung schlecht“ gewesen, als die Menschen von der Polizei zum Verlassen des Parks aufgefordert wurden. „Dennoch kam es nicht zu Auseinandersetzungen“, sagt der Polizeisprecher.

Intern befürchtet man im Bezirksamt Pankow, dass der Mauerpark nun bereits an diesem Wochenende zur Party-Alternative zum gesperrten James-Simon-Park wird. Dennoch wolle man den Mauerpark abends nicht absperren, heißt es aus Bezirksamtskreisen. Offiziell gibt es dazu keine Kommentare. Der zuständige Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) ist derzeit noch im Urlaub. Bezirksbürgermeister Benn Sören (Linke) hatte aufgrund von Terminen keine Zeit für eine Stellungnahme, als der KURIER am Freitag zu dem Thema anfragte.

Der Mauerpark: Tagsüber wirkt er so ruhig. Doch wenn es Abend und Nacht wird, könnte er nun zum Ausweichplatz für das laute Party-Volk aus Mitte werden.  Sabine Gudath

Neukölln glaubt nicht, dass das Party-Volk aus Mitte in der Hasenheide feiert 

Die Hasenheide in Neukölln könnte ebenfalls zum Tummelplatz für das wilde Party-Volk werden. Auch hier fanden in der Vergangenheit immer wieder illegale Feten statt, bei denen es  Ausschreitungen mit der Polizei gab. Dennoch will Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) den Park nicht sperren lassen, sollte das Party-Volk vom James-Simon-Platz zur Hasenheide ziehen.

Mit dem Thema Parksperrung habe man sich bereits befasst, erklärt Bezirksamtssprecher Christian Berg dem KURIER. Es wäre auch eine teure Angelegenheit, die Hasenheide abzuriegeln, die mit einer Größe von 47 Hektar wesentlich größer als der James-Simon-Park ist, der 1,2 Hektar misst. Das Umzäunen und die Bewachung durch einen externen Wachschutz  würde den Bezirk etwa eine Million Euro im Jahr kosten.

Auch die Hasenheide in Neukölln ist bereits ein Ort für illegale Partys, gegen die die Polizei einschreiten muss. Dennoch soll der Volkspark abends nicht abgesperrt werden.

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„Bei den Sperrungen von Drogenplätzen wissen wir bereits aus Erfahrung, dass dann das Volk, wenn es verdrängt wird, zu anderen Orten zieht“, sagt Berg. „Allerdings glauben wir nicht, dass das Party-Volk von Mitte in das weiter entfernte Neukölln kommen wird.“

Die Hasenheide sei nicht nur ein Ort, in dem es Probleme mit Müll, Drogendealern und illegalen Partys gebe. „Die 150 Jahre alte Grünanlage ist auch ein Erholungs- und Kulturort, hier gibt es etwa ein Freilichtkino“, sagt Berg. So einen Volkspark könne man abends nicht so einfach dichtmachen.