Mike Petschelies und Hannelore Rich auf ihrem weihnachtlich geschmückten Grundstück in Mahlsdorf.
Foto: Thomas Uhlemann

Zu keiner anderen Zeit im Jahr werden so viele Lichter angezündet wie in der Weihnachtszeit. Ob die vier Kerzen auf dem Adventskranz, ein einzelnes Teelicht für die kalten Hände unter einer Brücke oder gleich ein ganzes Lichtermeer im Vorgarten. Das Licht ist der Kontrast zur dunklen Jahreszeit mit ihren langen, kalten Nächten, das Licht signalisiert Wärme, Anteilnahme, Nähe - gerade wegen des aktuellen Abstandsgebotes. Vermutlich bleiben deswegen dieses Jahr besonders viele Menschen vor dem Gartenzaun von Hannelore Rich und Mike Petschelies in Mahlsdorf stehen.

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Hunderte Lichter erhellen ihren Garten, sobald das letzte Abendrot am Himmel verglüht ist: Engel, Weihnachtsmänner, Pinguine, Schlitten, Sterne und noch mehr weihnachtliches Getier stehen in ihrem Garten. Seit vielen Jahren schon schmückt Hannelore Rich ihr kleines Reich so. Anfang November nimmt ihr Mann dafür sogar extra eine Woche Urlaub. Alle Figuren müssen vom Dachboden geholt, ausgepackt, sorgfältig platziert und verkabelt werden. Und wenn dann endlich der letzte Stecker sitzt, kann die Weihnachtszeit beginnen.

„In diesem Jahr haben die Menschen Sehnsucht und bleiben besonders oft vor dem Gartenzaun stehen“, sagt Hannelore Rich. Kinder, Alte und sogar der Busfahrer der Linie 395 fährt langsamer vorbei, hält sogar für einen Moment an. Einige Passanten klingeln sogar und wollen sich mit Hannelore Rich vor der bunten Kulisse fotografieren lassen. Sie macht das gern mit.

Auf der Suche nach Besinnlichkeit

So viel musste in diesem Jahr ausfallen, die Weihnachtsmärkte, der geschäftige Trubel vor den Festtagen, die Weihnachtsfeier mit den Kollegen, der Duft von Glühwein, Zimtsternen und Lebkuchen. Aber es gibt sie, die kleinen Lichter des Alltags, nicht nur vor dem Weihnachtshaus in Mahlsdorf: Das ist der Lkw-Fahrer, der bremst, um Mutter und Kind in der Pankower Mühlenstraße über die Straße zu lassen.

Da sind die Menschen, die sich in Wilhelmsruh um einen Obdachlosen aus Litauen kümmern. Da sind die, die Tütchen mit Sanitärartikeln für bedürftige Frauen für den Obdachlosenverein Evas Haltestelle und das Franziskanerkloster in der Wollankstraße packen und selbstgebackene Plätzchen dazutun. Ein Licht sind die Musiker, die vor den Altenheimen spielen und die, die sich auch am Heiligen Abend auf den Weg zur Nachtschicht machen, um sich auf den Stationen der Krankenhäuser um die Patienten zu kümmern.

Wie tröstlich, dass da immer wieder Menschen sind, die die Dunkelheit für andere ein wenig erhellen.

Es anderen schön machen, so begann die Leidenschaft fürs Schmücken auch im Weihnachtshaus an der Mahlsdorfer Lemkestraße: Hannelore Rich pflegte ihren kranken Vater und wollte ihm mit den Lichtern eine Freude machen. Heute ist es ihr größtes Geschenk, wenn die dreijährige Enkelin die Lichter sieht und mit leuchtenden Augen „Oh“ sagt. „Das Leben ist oft traurig genug“, sagt Hannelore Rich, die ihren Sohn mit nur 36 Jahren an den Krebs verlor. Es helfe, wenn man anderen eine Freude machen könne.

Eine einzige Kerze kann einen ganzen Raum verändern. Und wer viele weitere an ihr entzündet, sorgt dafür, dass Licht und Hoffnung weiter getragen werden und heller strahlen. „Unter jedem Dach ein Ach“, sagt Hannelore Rich. Noch so ein Spruch, den man in diesen Tagen öfter hört. Jeder hat mit Schicksalsschlägen, großen und kleinen, zu tun. Doch dass sich die Menschen oft so gleich sind, das kann auch Mut machen. 

Wintersonnenwende: die Tage werden länger

Wie alle um uns herum wollen wir uns in diesen unsicheren Zeiten soviel Normalität wie möglich bewahren. Wir buchen die Karten für den Gottesdienst an Heiligabend, auch wenn wir sonst das ganze Jahr über nicht in die Kirche gehen. Und wenn es keinen Weihnachtmarkt gibt, dann wenigsten einen Glühwein aus der Thermoskanne im Wald und ein Spaziergang entlang der leuchtenden Stadtmauer in Bernau, der illuminierten Friedrichstraße oder vorbei an festlich  dekorierten Schaufenstern. Wo Licht ist, da kann man Kraft schöpfen. Das gilt für das Lagerfeuer  genauso wie für die Kerzen, die Omas alte Pyramide ihre Runden drehen lassen. 

An diesem Montag zwei Minuten nach 11 Uhr hat die Sonne ihren tiefsten Stand in diesem Jahr erreicht, nun geht es wieder aufwärts. Die Tage werden länger, erst unmerklich, irgendwann sieht und spürt man es. Bis dahin helfen Kerzenschein und die Lichterketten im Vorgarten.