Das Sony Center wird 20 Jahre alt. Foto: BNEW/Markus Wächter

Ercan Yildiz steht hinter einer Eiskühltheke im Sony Center am Potsdamer Platz. „Jetzt ist es ein bisschen ruhiger als sonst“, sagt der 34-jährige Kellner des Restaurant-Cafés Josty. „Aber es wird schon.“ Wo sich früher Touristen und Berliner unter dem riesigen Zeltdach drängten, sind jetzt, in der Corona-Krise, trotz erster Lockerungen nur wenige Besucher unterwegs. Einige sitzen auf Abstand in den wieder geöffneten Restaurants, andere machen Schnappschüsse vor der Kulisse des Centers.

Mitten in die Corona-Krise fällt der 20. Jahrestag der Eröffnung des Sony Centers. Am 14. Juni 2000 hatte der japanische Elektronikkonzern die Fertigstellung des Bau-Komplexes gefeiert, zu dem Büros, Wohnungen, Restaurants und Kinos gehören.

Viele Türen zu trotz Lockerungen

Das Jubiläum wird coronabedingt zurückhaltend gewürdigt. So präsentiert das Sony Center ab 16. Juni einen Podcast mit dem Titel „What’s next, Berlin?“, in dem kluge Köpfe der Frage nachgehen, in welche Richtung sich Berlin entwickeln muss, um innovativ zu bleiben.

Im Sony Center sind trotz erster Lockerungen in der Corona-Krise noch immer etliche Türen ganz oder zeitweise verschlossen. So im Kino Arsenal, das erst ab 30. Juni wieder öffnen darf.  Wer ins Legoland will, erfährt, dass es nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet ist. Nicht jede verschlossene Tür des Centers ist jedoch eine Folge von Corona.

Schon Ende 2019 verabschiedete sich das Premierenkino Cinestar samt Imax-Kino vom Potsdamer Platz, nachdem der Vertrag ausgelaufen war. Die kürzlich verbreitete Nachricht, dass auch der Pharmakonzern Sanofi im nächsten Jahr seine Büros am Potsdamer Platz verlässt, zeigt, dass das Center vor einem Umbruch steht.

Sony ist schon lange nicht mehr Eigentümer des nach ihm benannten Centers. Der Elektronikkonzern hatte die Immobilie 2008 an ein internationales Konsortium verkauft. Nach einem weiteren Verkauf im Jahr 2010 übernahm 2017 die kanadische Immobiliengesellschaft Oxford Properties, eine Tochter des Pensionsfonds für kommunale Angestellte der Provinz Ontario, zusammen mit der Investmentgesellschaft Madison International Realty das Center.

Eigentümer wollen Sony Center „weiterentwickeln“

Eines der berühmtesten Stadtquartiere Berlins ist seitdem Teil der Altersvorsorge für öffentlich Bedienstete in Ontario, also für Lehrer und Feuerwehrleute. Verkauft wurde das Sony Center zuletzt für 1,1 Milliarden Euro im Rahmen eines Share-Deals, bei dem die Grunderwerbssteuer gespart wurde.

Die jetzigen Eigentümer wollen das Sony Center „weiterentwickeln“, wie sie in einer Mitteilung erklären. „Wir sind stolz, diese architektonische Ikone in unserem Portfolio zu haben“, sagt Abigail Shapiro, Deutschlandchefin der Oxford Properties Group.

Notwendige Veränderungen wolle man in Angriff nehmen und „in die Zukunft und Nachhaltigkeit dieser erstklassigen Immobilie investieren“. Was genau geplant ist, bleibt unklar, aber Shapiro legt die Messlatte schon mal hoch: „Wir möchten das Sony Center zur attraktivsten Immobilie Deutschlands machen, die alle Anforderungen der modernen Arbeitswelt erfüllt und für internationale Talente, innovative Unternehmen, Berliner und andere neugierige Besucher gleichermaßen anziehend ist“, sagt sie.

Eisverkäufer Ercan Yildiz aus dem Sony Center.
Foto: Paul

Gespräche gibt es nach Angaben von Oxford Properties beispielsweise über ein innovatives Gastronomiekonzept für die historischen Räume des einstigen Grand Hotels Esplanade. Am Kinostandort im Sony Center will Oxford Properties festhalten. Das Unternehmen teilte mit, es hoffe, die geschlossenen Kinos „bald wiederbeleben“ zu können.

Der Architekt des Centers, der Deutsch-Amerikaner Helmut Jahn, zeigt sich offen für Veränderungen. Auch eine gut genutzte Immobilie müsse „sich entwickeln und an veränderte Bedürfnisse anpassen“, sagt er – das umfasse „neben der neuen Arbeitswelt auch Bereiche wie Gastronomie, Kunst oder Kultur“. Er höre nie auf, über die „mögliche Weiterentwicklung seiner Architektur nachzudenken – das gilt auch für das Sony Center“, so Jahn.

Umgestaltung der Potsdamer Platz Arkaden bis 2020

Auf der anderen Seite des Potsdamer Platzes, in der ehemaligen Daimler-City, wird bereits investiert. Der Eigentümer des Stadtviertels, das kanadische Unternehmen Brookfield Properties, gestaltet bis 2022 die Potsdamer Platz Arkaden um. Nur einige Geschäfte haben weiter geöffnet, darunter ein Supermarkt und eine Apotheke.

„Wichtige Ankermieter“ für die Zeit nach dem Umbau habe man schon, sagt Karl L. Wambach von Brookfield Properties. Einer ist das 2015 in Mailand als Gegenpol zu den großen Gastronomieketten gegründete Unternehmen Mercato Metropolitano, das auf über 4000 Quadratmetern ein neues Markthallen-Konzept verwirklichen will.

Wenn dieses Unternehmen den Weg in die Zukunft weist, stehen die Zeichen am Potsdamer Platz auf Grün. „Wir verwenden ausschließlich recyclebare und kompostierbare Materialien“, sagt Unternehmensgründer Andrea Rasca. „Wir bieten eine bestmögliche Vielfalt an Bio-Lebensmitteln an, die sowohl den Geschmacksnerv befriedigen als auch gut für unsere Gesundheit und unsere Erde sind.“