Ein Mann träufelt eine Lösung auf eine Selbsttestkassette, die von Covid-19 verursachte Antigene nachweisen kann. Foto: dpa

Der Discounter Aldi prescht vor. Ab Sonnabend will die Billigsupermarkt-Kette bundesweit Corona Selbsttest für Laien für 5 Euro pro Stück verkaufen. Nach einem einfachen Abstrich im Nasenraum sollen diese Produkte bereits nach 15 Minuten ein Ergebnis liefern. Auch die Bundesregierung und die Länder wollen in ihrem aktuellen Lockerungs-Szenarium auf die schnellen Tests setzen. Doch führen diese die Deutschen auch wirklich aus dem Lockdown?

Was bringen die Selbsttests?

Im Gegensatz zu den bisherigen Schnelltest, die in speziellen Stationen, in Kliniken oder Altenheimen durchgeführt wurden, bedarf es hier kein extra dafür geschultes medizinisches Personal. Durch die einfache Handhabung sollen sie für jedermann anwendbar sein. Die Bundesregierung sieht in den Selbsttest ein zusätzliches Instrument im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

Bringen Selbsttest mehr Sicherheit?

Selbsttests könnten mehr Sicherheit geben, heißt es in einem Diskussionspapier des Gesundheitsministeriums. Etwa im privaten Umwelt, wenn Familientreffen geplant sind. Die Selbsttests könnten beispielsweise auch Voraussetzung für das Besuchen von Restaurants, Theater, Kinos oder Konzerte werden. Veranstalter könnten etwa vor Ort die Selbsttest an den Besuchern durchführen lassen.

Was sagen Mediziner?

Die Meinung der Fachleute ist kritisch. „Selbsttests geben eine Sicherheit, die nicht da ist“, sagt die Spandauer Amtsärztin Gudrun Widders dem Berliner KURIER. „Zeigt dieser Test ein negatives Ergebnis an, muss man damit  sehr vorsichtig umgehen. Das Ergebnis ist nur eine Momentaufnahme. Es bedeutet nicht, dass derjenige auch an weiteren Tagen coronafrei ist.“ Für die Medizinerin ist es auch wichtig, dass Verbraucher auch verantwortungsvoll mit dem Ergebnis des Selbsttestes umgehen. „Jedem muss bei einem positiven Ergebnis klar sein, dass er sich sofort in Quarantäne begibt und sich beim Gesundheitsamt meldet.“ Denn wie bei den bisherigen Schnelltests ist es auch bei den Selbsttests Vorschrift, dass im nächsten Schritt ein genauer PCR-Test durchgeführt werden muss, der das positive Ergebnis bestätigt und sich in diesem Fall der Betroffene in ärztliche Behandlung begibt.

Die Bundesregierung sieht dies ähnlich. Denn auch ein negatives Ergebnis befreit niemanden, sich künftig nicht mehr an Abstands-, Hygiene- und Maskenregeln zu halten. Das Robert Koch-Institut (RKI) und das Paul-Ehrlich-Institut halten Schnelltests vor allem dann für sinnvoll, wenn Infizierte eine hohe Viruslast haben. So könne man Infizierte und enge Kontaktpersonen gezielt schneller isolieren.

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Was plant der Bund?

Der Ministerpräsidentenrunde mit der Kanzlerin war es am Mittwoch wichtig, dass eine Teststrategie mit zu Lockdown-Lockerungen führen können.  So sollen Kita-Erzieher, Lehrer und Schüler in jeder Präsenzwoche „das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest erhalten“. Überlegt wird auch, allen Bürgern wöchentlich einen Gratistest anzubieten – etwa in kommunalen Testzentren oder bei den Hausärzten. Dies soll bundesweit voraussichtlich erst ab April geschehen, da die bisherigen Mengen an Schnelltests dafür noch nicht ausreichen.

Gibt es überhaupt genug Selbsttests?

Bei den Selbsttests haben aktuell sechs Produkte eine Sonderzulassung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erhalten. Die ersten Tests soll es demnächst in Apotheken geben. Der Discounter Aldi startet am Wochenende mit dem Verkauf, die Drogerieketten dm und Rossmann wollen nachziehen. Das Bundesgesundheitsministerium steht nach eigenen Angaben mit Herstellern in Kontakt, um Kontingente von bis zu 208 Millionen Stück zu sichern. Es werde über eine Taskforce gesprochen, die die Bestellung für Deutschland organisieren solle. Im März werde aber eine flächendeckende Versorgung noch nicht möglich sein. Der Berliner Senat hat insgesamt zwölf Millionen Selbsttests geordert. Davon sind drei Millionen bereits in der Stadt eingetroffen. In Kürze sollen weitere zwei Millionen folgen. Diese werden vor allem für die Schulen und Kitas genutzt werden.