Feuerwehrmänner löschen an der Sonnenallee einen Reisebus, der von Unbekannten angezündet worden war.
Feuerwehrmänner löschen an der Sonnenallee einen Reisebus, der von Unbekannten angezündet worden war. dpa/Paul Zinken

Ganz Deutschland diskutiert über die Zustände in Neukölln in der Silvesternacht. Die Bilder schockieren selbst eingefleischte Silvester-Fans: Menschen nutzen Pyrotechnik als Waffe, schießen auf Rettungskräfte, Fenster, Balkone. Barrikaden werden errichtet und angezündet, Passanten und Autofahrer mit Schreckschusswaffen bedroht. Mittendrin: Zahlreiche Feuerwehrleute und Polizisten, die im wahrsten Sinne des Wortes ihre Leben riskierten, um die Situation zu kontrollieren. Nun packt ein Feuerwehrmann aus.

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Auf dem News-Portal rbb24 berichtet einer der Feuerwehrmänner, die in jener Nacht im Einsatz waren, über die Zeit in Neukölln. Unter anderem seien er und sein Team seien auf dem Weg zu einem Einsatz von einer brennenden Barrikade aufgehalten worden. „Feuerwehr wie wir sind, haben wir also angehalten, sind ausgestiegen und wollten das löschen und irgendwie beiseiteräumen, damit wir weiter zu unserem Einsatzort können. Wohlgemerkt: Es ging dort um Menschenleben“, sagt er.

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Plötzlich kamen Hunderte Jugendliche aus allen Richtungen angerannt

Als sie das Fahrzeug verließen, seien Hunderte Jugendliche aus allen Richtungen gerannt gekommen. Sie hätten mit Steinen geworfen, mit Flaschen und Pyrotechnik. „Neben uns sind die Flaschen zerdeppert. Die Jugendlichen sind auf uns zugerannt gekommen, um uns wirklich gezielt ins Gesicht zu schießen.“ Zum ersten Mal habe er richtige Angst gehabt, wie er sie zuvor nicht kannte. Den Feuerwehrleuten blieb nichts anderes übrig als die brenzlige Situation zu verlassen.

Ein Mann in Neukölln startet eine Silvesterrakete aus der Hand.
Ein Mann in Neukölln startet eine Silvesterrakete aus der Hand. Volkmar Otto

Doch als sie wieder im Fahrzeug saßen, sei Pyrotechnik auf den Feuerwehrwagen eingeprasselt. Die Situation sei wirklich an die Substanz gegangen. „Ich bin Vater von drei Kindern, Feuerwehrmann. Was habe ich diesen Leuten getan? Ich stehe da, mach einfach nur meinen Job. Und die gehen mich persönlich an. Und das macht was mit einem.“

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Die Täter seien hauptsächlich Jugendliche gewesen im Alter zwischen 16 und 25, schätzt er. Und: „größtenteils mit Migrationshintergrund. Und ich sage Ihnen das als selber einer mit einem Migrationshintergrund. Ich bin türkischer Herkunft“, sagt er gegenüber rbb24. Dass viel Alkohol im Spiel war, glaubt er nicht. Viel mehr habe die Gruppendynamik eine große Rolle gespielt.

Hinweise erbeten

Die Polizei bittet die Bevölkerung, ihr über das Portal https://be.hinweisportal.de/ selbst gemachte Fotos oder Videos zu schicken, die Angriffe auf Feuerwehrleute und Polizisten in der Silvesternacht dokumentieren. Genannt werden sollten Zeit und Ort der Aufnahmen.

Helfen Knallverbotszonen gegen das Böller-Chaos an Silvester?

Was kann man tun? „Ich weiß nicht, ob Knallverbotszonen da irgendetwas ändern werden – da verlagert sich diese ganze Sache nur“, sagt der Feuerwehrmann. Viel mehr müsse man versuchen, das Problem präventiv zu lösen, auch durch mehr Videoüberwachung in der Öffentlichkeit. „An gewissen Hotspots, da müssen Kameras hängen. Wir haben jetzt seit kurzem diese Bodycams im Rettungsdienst. Die gehören auch auf Löschfahrzeuge, die gehören auch an unsere Einsatzuniform.“

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat sich inzwischen für eine schnelle Bestrafung der Täter ausgesprochen. Zugleich verurteilte sie im RBB-Inforadio erneut die Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte. Weiter kündigte sie einen Gipfel gegen Jugendgewalt an. Giffey sagte, als Antwort auf die „massive Respektlosigkeit“ und die Gewalt brauche es einen „Mix aus ausgestreckter Hand und Stopp-Signal“. Taten müssten konsequent und schnell bestraft werden.

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Verdächtige aus 18 Nationalitäten

Laut Polizeiangaben wurden in der Silvesternacht 145 Tatverdächtige vorübergehend festgenommen, davon sind 139 männlich und 27 minderjährig. Erfasst wurden 18 Nationalitäten: 45 Verdächtige haben beispielsweise eine deutsche Staatsangehörigkeit, 27 sind Afghanen und 21 Syrer. Alle sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Polizei und Staatsanwaltschaft meldeten am Mittwochnachmittag 281 Ermittlungsverfahren, die von den in der Silvesternacht eingesetzten Einheiten eingeleitet wurden. Alle sind noch bei der Polizei anhängig und noch nicht an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Es würden voraussichtlich weitere Verfahren dazukommen, insbesondere würden noch Anzeigen der Feuerwehr erwartet. 

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Die 281 Verfahren umfassen unter anderem 21 Fälle besonders schweren Landfriedensbruchs, 47 gefährliche Körperverletzungen, 89 Verstöße gegen das Waffengesetz, 22 tätliche Angriffe auf „Vollstreckungsbeamte“ (Polizisten) und 26 Fälle von„ Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel“  (Polizeifahrzeuge).

Insgesamt gibt es bislang 355 Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen der Vorkommnisse in der Nacht zum 1. Januar.

Extra-Ermittlungszentrale bei der Polizei

Um das alles zu bewältigen, hat die Polizei eine Zentralstelle zur Koordinierung und  Auswertung aller Verfahren im Zusammenhang mit den Krawallen eingerichtet. Bei der Staatsanwaltschaft wird sich die Abteilung mit den Verfahren befassen, die sonst Hooligans verfolgen, die bei Sportveranstaltungen gewalttätig werden.

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