Renate Krößner mit Lederjacke und Wuschelhaar. Ihre Fans liebten sie dafür. Foto: imago images/Michael Handelmann

"Möge Ihre Freude an der Schauspielerei nicht aufhören!“ Das wünschte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) der großen Renate Krößner Mitte Mai. Es war kurz vor dem 75. Geburtstag der Film- und Theaterschauspielerin, und auch wenn sie bereits zu schwach für eine große Feier war – kein Außenstehender konnte ahnen, dass ihr nicht einmal mehr zwei Wochen bleiben sollten. Krößner starb am Montag nach kurzer schwerer Krankheit. Ihr Mann Bernd Stegemann unterrichtete am Dienstag die Presse.

Der Schauspieler hatte seine langjährige Lebensgefährtin 2005 geheiratet. Das Paar lebte in Mahlow, südlich von Berlin. Nicht weil es zuletzt still um Krößner geworden wäre, das war es nicht. Die Ost-Schauspielerin, die mit dem Konrad-Wolf-Film „Solo Sunny“ (1980) auch in Westkreisen große Erfolge feierte, liebte das Leben auf dem Land – auch wenn die funkelnde Großstadt direkt vor der Haustür liegen musste. Ohne die Nähe zu Berlin ging es für sie nicht. Dabei war Krößner, nachdem sie die Staatliche Schauspielschule in Berlin besucht hatte, dem Land früh verbunden. Ihre Theaterstationen in den 60ern und 70ern hießen Parchim, Stendal, Senftenberg und Brandenburg an der Havel, bevor sie schließlich im Kino durchstartete.

Schon in den 60er-Jahren hat Krößner Auftritte im DDR-Fernsehen. Sie debütiert 1965 bei der DEFA im Film „Tiefe Furchen“ unter der Regie von Lutz Köhlert. Doch dauert es weitere zehn Jahre, bis sie wieder im Kino zu sehen ist („Eine Pyramide für mich“). In „Feuer unter Deck“ (1977) von Herrmann Zschoche spielt sie eine größere Hauptrolle neben Manfred Krug – als Restaurantschiff-Besitzerin. Den Film bekommen Zuschauer allerdings erst 1979 im DDR-Fernsehen präsentiert. Später kommt er mit „einigen wenigen Kopien“, so die DEFA, in die Kinos.

Unvergessen bleibt Krößners Auftritt in „Solo Sunny“. Die Darstellung der Fabrikarbeiterin Ingrid Sommer, die als Rock- und Schlagersängerin Sunny mit Knackpopo, kraftvoll-spröder Stimme und mit trotziger Melancholie die Werksbühnen der Provinz erobert, um schließlich als sture Solistin am ebenso sturen Kollektiv zu scheitern, ist einfach zu gut, um nicht auch im Westen wahrgenommen zu werden. Krößner wird für „Sunny“ zurecht mit einem Silbernen Berlinale-Bären ausgezeichnet.

So richtig aufdrehen kann sie danach allerdings nicht mehr. „Einer vom Rummel“ (1983) von Lothar Großmann ist der letzte DEFA-Film, in dem die Schauspielerin zu sehen ist. Es folgen Ausreiseanträge und, 1985, die Übersiedlung nach West-Berlin.

Schnell fasst Krößner Fuß am Theater, spielt Rollen in Basel, am Residenztheater in München und an der legendären Berliner Schaubühne. Ihren früheren DDR-Kollegen Manne Krug trifft sie in der TV-Serie „Liebling Kreuzberg“ wieder. Weitere Film- und Fernsehrollen folgen. Die Zuschauer lieben sie.

Renate Krößner hinterlässt neben ihrem Mann Bernd Stegemann ihren Sohn Eugen, der ebenfalls als Schauspieler arbeitet.