Russische Flaggen wehen an Autos vor dem Berliner Olympiastadion dpa

Wer steckt hinter dem „Auto-Corso der Schande“? Nur wenige Stunden nachdem die fürchterlichen Bilder aus dem von russischen Truppen verlassenen Ort Butscha in der Nähe von Kiew eintrafen, zeigten Hunderte Menschen in Berlin in einem Autokorso Solidarität nicht etwa mit den Opfern, sondern mit den Tätern der tödlichen Aggression in der Ukraine. Offiziell leben in Berlin rund 80.000 Menschen aus der früheren Sowjetunion, etwa 33.000 davon aus Russland.

Diese russischstämmige Community ist gespalten in der Haltung zur Invasion Russlands in der Ukraine. Nur wenige stellen sich offen gegen die Position Russlands, das den Krieg mit absurden Vorwürfen gegen die Ukraine rechtfertigt. Viele billigen das brutale Vorgehen der Armee, die nicht davor zurückscheut, Zivilisten gezielt zu ermorden. Und einige zeigen ihre Solidarität mit Russland sogar offen, mit wehenden Flaggen.

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So am Sonntag in Berlin. Organisiert wurde der vielfach kritisierte Autokorso laut Berliner Zeitung von einem Mann aus der russischsprachigen Gemeinschaft in Berlin, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte. Er stamme aus der Sowjetunion und lebe seit 2001 in Berlin, sagte der Mann der Zeitung. Den Autokorso habe er kurzfristig alleine organisiert, aber angeblich nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet. Er betreibt demnach eigenen Angaben zufolge eine Autowerkstatt und wollte seinen Namen nicht nennen.

Der Polizei zufolge waren am Sonntag rund 900 Menschen mit 450 Autos von Ahrensfelde im Osten bis nach Spandau im Westen Berlins gefahren. Der Titel der Demonstration lautete: „Keine Propaganda in der Schule – Schutz für russischsprechende Leute, keine Diskriminierung“.

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hatte die Demonstration scharf kritisiert und bei Twitter von einem „Auto-Corso der Schande“ gesprochen. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) teilte mit, sie verstehe den Ärger. Die Polizei erklärte, auch eine solche Demonstration sei Bestandteil der Demokratie, im Rechtsstaat könne man sie nicht verbieten.

Fragen zum Angriff Russlands auf die Ukraine und zum Vorwurf von Kriegsverbrechen beantwortete der Organisator laut dem Zeitungsbericht nicht, auch Beispiele für Fälle von Diskriminierungen von Russen in Berlin nannte er nicht. Eine weitere derartige Demonstration wolle er nicht organisieren.