Über Facebook und WhatsApp werden immer mehr Gruppen gegründet, in denen eifrige Berliner ihre Hilfsangebote bündeln. ZB

Berlin - Egal, wie schlimm eine Krise ist – bei den Berlinern kann man sich auf eine Sache verlassen: Sie stehen jede furchtbare Situation gemeinsam durch. Und halten zusammen! Seit bekannt ist, dass die Corona-Welle nun auch die Hauptstadt überrollt, entsteht eine Welle der Solidarität. Im Internet organisieren sich bereits erste Hilfs-Trupps.

Eines der bisher größten Netzwerke ist die Facebook-Gruppe „Corona Help Team Berlin“, die der Berliner Mario Demski (57) vor ein paar Tagen gründete. „Die Idee kam mir spontan. Ich lag im Bett und dachte: Wenn das Internet für etwas gut ist, dann dafür, in dieser Krisen-Zeit Menschen zu helfen“, sagt er dem KURIER. „Also stand ich in der Nacht auf und rief die Gruppe ins Leben“. Die Idee: Hier können Hilfsangebote und -gesuche gebündelt werden.

Wer zu einer der Corona-Risikogruppen gehört, betroffene Menschen kennt oder gar selbst in Quarantäne sitzt, soll in der Gemeinschaft unbürokratisch Hilfe finden. Man könne Einkäufe beispielsweise vor die Tür stellen, sagt Demski, der auch vor der Corona-Pandemie gern Freunden beim Einkaufen half. „Man muss ja keine Angst haben, dass das Virus durchs Schlüsselloch springt. Berlin ist groß – und helfen wollen viele. Ich bin schon jetzt überrascht, wie groß das Interesse an der Gruppe ist.“

Knapp 1500 Menschen sind mittlerweile beigetreten, bieten ihre Hilfe in verschiedenen Bezirken an. Auch erste Gesuche tauchten bereits auf. „Gibt es jemanden, der in 10369 meinen Eltern, 80 Jahre, bei Einkäufen behilflich sein kann?“, fragte eine Nutzerin gestern. „ Beide können und sollten nicht mehr vor die Tür. Bin selbst in NRW, weit ab vom Schuss.“ Sofort antworteten mehre Menschen aus dem gleichen Kiez, boten ihre Hilfe an. „Genau so soll es sein“, sagt Demski, der die einzelnen Beiträge koordiniert. Er gehe davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Tagen steigen wird.

Mario Demski (hier mit seiner Frau Silke) gründete die Facebook-Gruppe "Corona Help Team Berlin". privat

Auch anderswo läuft die Nachbarschaftshilfe an, etwa auf der Plattform „nebenan.de“. Der Aushang, den auch der KURIER für Wohnhäuser mit mehreren Mietern anbot, ist bereits in einigen Kiezen zu finden – und auch im Netz formieren sich Gruppen. In Karlshorst gründeten eifrige Anwohner über die Plattform beispielsweise eine eigene Gruppe auf Whatsapp – und vernetzten sich, um Betroffene mit Einkäufen oder Gassi-Runden zu unterstützen.

„Auf der Nachbarschaftsplattform nebenan.de ist der Umgang mit dem Coronavirus seit den letzten Tagen verstärkt Thema“, heißt es in einer Mitteilung des Portals. „Viele Nachbarn tauschen sich zum aktuellen Stand aus und bieten bereits ihre Hilfe an.“ Das Portal animiert dazu, will beim Netzwerken unterstützen. „Bestimmt gibt es auch in deiner Nachbarschaft Menschen, die nun ungerne vor die Tür, in den Supermarkt oder zur Apotheke gehen möchten“, heißt es. „Ermutige Nachbarn, dass sie sich in einer persönlichen Nachricht bei dir melden.“

KURIER steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite

Berliner halten zusammen, vor allem in diesen schwierigen Zeiten, wenn wir auf Abstand gehen müssen. Also, liebe Nachbarn: Kopfhörer runter, Augen auf und immer einen Gedanken mehr darauf verwenden, ob in Ihrer Umgebung jemand sein könnte, der vielleicht Hilfe benötigt. Denn wir alle werden in den kommenden Tagen und Wochen auf Hilfe angewiesen sein: auf Kollegen, die eine Schicht übernehmen, weil man die Kinder betreuen muss, auf Nachbarn, die einem beim Einkauf helfen, auf Menschen, die einem zuhören, wenn man mit seinen Sorgen nicht mehr weiter weiß. Zusammen sind wir stärker. Der KURIER wird dabei Ihr Partner sein, Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Brauchen Sie Hilfe, haben Sie tolle Nachbarschaftsideen – melden Sie sich per Mail unter:  leser-bk@berlinerverlag.com