Viele Paare heiraten an Tagen mit einem Schnapszahl-Datum. dpa/Klose

Morgen ist wieder einer dieser Tage: Ein Tag mit einem Schnapszahl-Datum, an dem besonders gerne geheiratet wird. Der 2.2.2022. Warum? Der Mann soll den Hochzeitstag nicht vergessen: Das ist wohl ein großer Wunsch vieler Ehepartner. Damit dieser Fauxpas nicht passiert, heiraten viele Paare an einem besonderen Datum - wie dem 2.2.2022 oder dem 22.2.2022. Aber die 2 bedeutet noch mehr. Die Ziffer 2 ist zwar ein Symbol für romantische Liebe, aber auch für Gegensätze. Und: Besonders viele Ehen, die an solchen tagen geschlossen werden, werden auch wieder geschieden.

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Klaus Holub, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Standesbeamten, bestätigt, dass an besonderen Daten besonders gern geheiratet wird. „Es ist schon mehr los als gewöhnlich“, erklärt er. Und das obwohl der Februar eigentlich nicht der klassische Hochzeitsmonat sei. „Und dann fällt der 2.2. auch noch auf einen Mittwoch. Das ist eigentlich nicht unbedingt der Tag, an dem Eheschließungen sind.“ In Berlin ruckelt diesmal allerdings, wir wir schon berichteten. Corona verleidet vielen die Lust aufs Heiraten: keine vernünftige Feier, keine Hochzeit. Vor 14 Tagen waren noch viele Termine beim Standesamt frei.

Frauen wählen so ein Schnapszahl-Datum, damit Männer den Hochzeitstag nicht vergessen

Warum aber heiraten dennoch viele Paare gern an einem Tag mit besonderem Datum? Darauf weiß Wolfgang Krüger, Paartherapeut und Buchautor, die Antwort. Er erklärt, dass es zwei Gründe gebe, warum sich Paare entscheiden, an einem besonderen Datum zu heiraten. Der eine sei eher banal: „Die Frauen heutzutage sind sehr nüchtern: Sie wählen einen solchen Hochzeitstag, damit Männer den Tag nicht vergessen.“

Zum anderen habe ein Tag mit einer Schnapszahl im Datum für viele eine große Symbolkraft. „Man spricht dem eine bestimmte Glückswirkung zu. (...) Das entspricht auch unserer Haltung zum Heiraten, was symbolisch sehr aufgeladen ist.“ Krüger spricht von einer „großen Inszenierung“, über die hinaus Paare jedoch den eigentlichen Grund der Hochzeit vergessen können.

„Eine Hochzeit ist das größte Drama, die größte Inszenierung unseres Lebens. Wo man sich ein halbes Jahr vorher schon genau vorbereitet: Welche Frisur trägt die Braut? Die Braut beginnt dann abzunehmen. Man hat feste Redner. Und man will dafür nicht nur einen besonderen Ort haben. Dazu gehört natürlich eben auch ein besonderer Tag. Dass ich das Gefühl habe, dass alle, die da kommen, sagen „Oh, das ist aber etwas ganz Besonderes“.“ Das Heiraten werde dadurch aufgewertet, erklärt der Psychotherapeut aus Berlin. „Das mag alles wunderschön sein. Aber das alles spielt, was die Qualität der Ehe angeht, nur eine unerhebliche Rolle.“

Tatsächlich: Wissenschaftler der Universität Melbourne haben 2016 die Ehe- und Scheidungsregister in den Niederlanden über einen Zeitraum von 14 Jahren vergleichen. Sie fanden heraus, dass Ehen, die an einem speziellen Tag geschlossen wurden, ein deutlich höheres Scheidungsrisiko hatten. So war die Gefahr, dass die Ehe in die Brüche geht, elf Prozent höher, wenn die Hochzeit am Valentinstag stattgefunden hatte.

Und ein Scheitern war sogar um 18 Prozent wahrscheinlicher, wenn der vermeintliche Bund fürs Leben an einem Tag mit einer Schnapszahl, wie der 9.9.1999 oder eben der 22.2.2022, geschlossen wurde. Auch aufpassen sollte man übrigens, wenn der Termin eine aufsteigende Zahlenfolge hat, wie etwa der 11.12.2013 - dann lag die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns 13 Prozent höher.

Die 2 steht in vielen Kulturen für Zwietracht oder Zweifel

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Warum ist das so? „Also ich glaube, dass Menschen dann vor allem heiraten, denen es auf Äußerliches drauf ankommen, die auf bestimmte Symbole Wert legen“, erklärt Krüger. Der Paartherapeut weiß aber auch: „Ehen sind besonders gut, wenn ich eine eher bodenständige Auffassung von Liebe habe. Wenn ich also weiß, dass eine Beziehung auch mal schwierig werden könnte, wenn ich eine gewisse Gutmütigkeit habe, eine gewisse Gelassenheit. Und die Leute, die quasi heiraten, die so sehr darauf angewiesen sind innerlich auf diese großen Symbole von Liebe, denen fehlt letztendlich nachher der lange Atem und auch die innere Verbindung, die ich brauche, um Krisen zu überstehen.“

Spielt bei unserem besonderen Fall - 2.2.2022 beziehungsweise 22.2.2022 – etwa auch die Zahl zwei eine Rolle? In der Mathematik gilt sie jedenfalls als „superperfekte Zahl“. Jedoch kann die Zwei auch ganz anders als superperfekt sein.

Ina Prinz, Direktorin des Arithmeums im Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik in Bonn, weiß um die Symbolkraft der Zahl. „Bei allen Religionen, die sich auf einen einzigen Gott geeinigt haben, bedeutet die Zwei eher eine Abspaltung. Man kann sie als Zwietracht oder Zweifel deuten.“ In anderen Kulturen könne die Zahl Zwei jedoch auch für das genaue Gegenteil stehen. So gebe es in der persischen Literatur beispielsweise für die Zwei einen Vergleich mit einer Schnur aus zwei Fäden, in der sich zwei Gegensätze wieder vereinen würden.

Bringt die Zahl 2 Glück oder ist der 2.2.2022 ein schlechtes Datum zum Heiraten? dpa/Riedl

„Wer am 22.2.22 heiratet, der hat natürlich das Trennende und zum anderen das Verbindende als Element in der Zwei – das ist sicherlich als Termin ganz nett“, sagt Prinz. Aber die Mathematik-Professorin weiß auch: „Es ist für den Menschen wichtig, sich zu orientieren in der Welt. Und da spielen Zahlen eine ganz große Rolle. Und es hat auch immer eine Rolle gespielt, Zahlen eine Bedeutung zu geben, die über die eigentlichen Zahlenwerte hinausgehen.“

Paartherapeut Krüger jedenfalls rät: „An einem x-beliebigen Tag heiraten. Und wenn Corona es zulässt: viele Freunde einladen. Dann halten Ehen viel länger.“

Wer dennoch an einem besonderen Datum heiratet, muss aber nicht zwangsläufig mit Zwietracht und Scheidung rechnen. Krüger selbst hat seine Frau am 17.7.2017 geheiratet – und die beiden sind bis heute ein glückliches Ehepaar.

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„Wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden?“

Die „2“ ist ein Symbol für Gegensätze, aber auch für romantische Liebe. Für manche ist sie Glückszahl, für andere nur eine beliebige von zehn Ziffern. Sie ist allgegenwärtig. Das müssen Sie wissen.

Mathematisch: Zwei ist die kleinste der Primzahlen, kann also nur durch eins und sich selbst geteilt werden. Außer ihr gibt es keine andere gerade Primzahl. Sie ist zudem die einzige, auf die direkt eine weitere (die drei) folgt.

Gesellig: Anfang des 16. Jahrhunderts beschreibt der Universalgelehrte Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim die Zwei als „Zahl der christlichen Liebe und gegenseitigen Zuneigung, der Heiraten und des geselligen Lebens“. Die genannten Begründungen sind heute noch nachvollziehbar: „Wehe dem, der allein ist; wenn er fällt, so ist kein anderer da, der ihm aufhelfe“, heißt es in seiner Schrift „De occulta philosophia“. Und besonders anschaulich: „Wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden?“

Verliebt: Zwei, die sich lieben. Zwei, die als Paar durchs Leben gehen wollen. Wenn diese Zweisamkeit vor einem Standesbeamten offiziell zur Ehe wird, ist das ein denkwürdiger Tag. Gut, wenn das Datum auch nach Jahrzehnten noch in Erinnerung bleibt. Also: Ein Tag mit möglichst wenig verschiedenen Ziffern. Im Jahr 2022 bietet sich der Februar an, der zweite Monat des Jahres. Und wenn es dann noch mit der Trauung am 2. oder am 22. klappt – dann wird der Hochzeitstag garantiert nicht vergessen.

Mythisch: In den Schöpfungserzählungen vieler Völker finden sich zwei, die als Menschen oder Götter am Anfang aller Dinge stehen. Ob nun Adam und Eva aus der jüdisch-christlichen Bibel, das japanische Götterpaar Izanagi und Izanami oder Mutter Erde und Vater Himmel, wie amerikanische Ureinwohner oder neuseeländische Maori sie verstehen – es braucht eben oft zwei, um die Sache voranzubringen.

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Zwieträchtig: Nicht immer ziehen zwei an einem Strang. Streit und Hader unter Brüdern – in Literatur und Mythologie ist dieses Motiv weit verbreitet. Neid und Missgunst lassen im Alten Testament der Bibel Kain seinen Bruder Abel töten. Auch die mythischen Gründerväter der Stadt Rom fanden keinen gemeinsamen Weg: Remus wird von seinem Zwillingsbruder Romulus erschlagen.

Rückwärts: „22.02.2022“ – das liest sich von vorn wie von hinten genau gleich. Kenner sprechen von einem kalendarischen Palindrom. Wenn man das in Europa übliche Format „TT.MM.JJJJ“ zugrunde legt, gibt es im 21. Jahrhundert insgesamt 29 dieser Palindromtage – der letzte war am 12.02.2021, also vor knapp einem Jahr. Auf den nächsten muss man länger warten: Erst am 03.02.2030 ist es wieder so weit.