Helga Hahnemann so wie wir sie liebten. Kaum einer weiß, dass sie einem Kobold-Verwandten von Pittiplatsch ihre Stimme lieh. dpa-Zentralbild

Da kiekste! Jetzt wird der 60. Geburtstag von Pittiplatsch ganz groß gefeiert. Die Mega-Party findet am Sonnabend im Tierpark Berlin statt. Zur Einstimmung der Festlichkeiten verrät der KURIER Pittis  große Geheimnisse. Oder wussten Sie, dass Helga Hahnemann eine „Cousine“ des frechen Kobolds war?

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Unsere „Henne“ (1937–1991) gehörte tatsächlich zu Pittis Familie. Wie es dazu kam, verriet Puppenspielerin Christine Neißner (78) dem KURIER. Die Schauspielerin war von 1972 bis 1982 beim DDR-Kinderfernsehen, spielte und sprach die Puppe vom Mischka-Bären. „In den 70er- und 80er-Jahren wurden Extra-Abenteuer mit Pittiplatsch gedreht, in denen er in seine ursprüngliche Heimat, das Koboldland reiste“, erklärt Neißner. Dort trifft er auf seine Oma, die in einem Kaffeekannenhaus wohnt und auf die „103 Cousinchen“, wie Pitti im ersten Film (erschien 1974) am Anfang singt. Und Nickeneck ist eine von ihnen.

Pittiplatsch feiert mit seinen Freunden seinen ersten TV-Auftritt am 17. Juni 1962. Schnatterinchen hatte 1959 ihre Fernsehpremiere, Moppi kam in den 70er-Jahren dazu. RBB/rbb media GmbH/Manfred Müller

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Helga Hahnemann war die Stimme von Pittis Cousine Nickeneck

„Ich spielte und führte damals die Puppe von Nickeneck“, sagt Neißner. „Aber gesprochen wurde die Figur von Helga Hahnemann. Sie saß im Studio vor einem Monitor, sah, wie ich die Kobold-Figur führte und Big Helga sprach den Text dazu.“ Und so kamen die lustigen Sprüche des Pitti-Familienmitgliedes wie „Nickeneck, du lieber Schreck“ aus dem Mund der legendären Helga Hahnemann.

1975 hat es Pitti mit seinen Kobold-Verwandten auf die Titelseite der DDR-Zeitschrift FF dabei geschafft. FF Dabei

Wer aber Pittis berühmtesten Spruch „Ach du meine Nase“ erfand, bleibt bis heute ein ungeklärtes Geheimnis. So wird berichtet, dass er vom Schriftsteller Walter Krumbach (1917–1985, Texter des Sandmann-Liedes) stammte. Pitti-Mama und Autorin Inge Trisch (88) meint, dass der Spruch im Team erfunden wurde, das 1962 die Einführung von Pittiplatsch beim DDR-Kinderfernsehen betreute. Puppenspielerin Christine Neißner glaubt, dass Pitti-Papa Heinz Schröder (1928–2009) den Satz erfand, der Pittiplatsch spielte und sprach. „Er war mit dieser Puppe ein Herz und eine Seele, improvisierte oft beim Sprechen. Ich denke, er war es.“

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Pitti-Papa Heinz Schröder: Erfand er den Kult-Spruch „Ach du meine Nase“?

Heinz Schröder war nicht nur die markante Stimme von Pittiplatsch, er sprach auch den Bären Bummi und Herrn Fuchs. „So mancher glaubte, er sei recht mürrisch, weil Schröder auf den Fotos immer so streng aussah. Dabei war er gar nicht so, sondern hatte ein sehr weiches Herz“, sagt Neißner.

Ursprünglich war die Pittiplatsch-Figur auf „Meister Nadelöhr“ ausgerichtet, wie Autorin Inge Trisch erzählt. Dargestellt wurde Meister Nadelöhr vom Theaterschauspieler Eckart Friedrichson (1930–1976), seine Sendung lief von 1956 bis 1975. „Keiner passte so gut als Meister Nadelöhr und zu Pittiplatsch wie Friedrichson. Das war für den Schauspieler Segen und Fluch zugleich. Denn da er als Meister Nadelöhr im ganzen Land bekannt war, bekam er keine anderen Rollen mehr“, sagt Trisch.

Puppenspieler Heinz Schröder mit seinem Pittiplatsch dpa

Wie Pittiplatsch zur Virenschleuder wurde

Pittiplatsch ist zwar ein kerngesunder Kobold-Kerl, dennoch war er ein paarmal bei Frau Puppendoktor Pille zu Gast. Darstellerin Urte Blankenstein (78), die noch heute diese Rolle auf der Bühne spielt, erinnert sich. „Er kam mit einer anderen Puppe zu mir und wusste wie immer alles besser. Dabei lag mir Pitti beim Drehen quasi zu Füßen: Die Puppe saß bei mir auf dem Tisch, darunter lag sein Puppenspieler Heinz Schröder.“ Was Frau Puppendoktor Pille Pitti neben viel Gesundheit zum Geburtstag wünscht? „Dass er niemals Kummer oder Sorgen hat, sondern weiter so lustig und übermütig bleibt.“

Frau Puppendoktor Pille (Urte Blankensteinh) hatte in ihrer Praxis Pittiplatsch zu Gast. imago/Sabine Gudath

Apropos Gesundheit: Pittiplatsch galt Mitte der 60er-Jahre als Virenverbreiter. Denn damals gab es Kindertaschentücher aus Stoff, auf denen die Sandmännchen-Stars abgebildet waren. Eltern sahen darin eine große Ansteckungsgefahr, wie die DDR-Illustrierte Für Dich im März 1966 berichtete. „Die bunten Bilder verleiten unsere Kinder, die Taschentücher wie ein Bilderbuch herumzureichen, und damit wandern natürlich Bakterien und Viren von einem zum anderen“, hieß es. Der Hersteller reagierte sofort und stellte die Produktion der Taschentücher mit Pitti & Co. ein.

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Pitti sollte sogar 2016 Stadionverbot bekommen – weil die „Ultras“ von Dynamo Dresden den Kobold auf ihren Fan-Fahnen zeigten. Für den MDR, Inhaber der Markenrechte an den Sandmännchen-Figuren, ein Grund, die Fußball-Fans abzumahnen. Angeblich hätte Pitti auf den Fan-Fahnen böse und aggressiv geguckt. Die „Ultras“ protestierten, das Mahnverfahren wurde eingestellt.

Pitti und Schnatterinchen gehörten zu den Puppen-Stars von Meister Nadelöhr, den der Schauspieler Eckart Friedrichson darstellte. Berliner Verlag

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Wie groß ist eigentlich Pittiplatsch der Liebe?

Unser Pittiplatsch ist ein ganz großer Kinder-Star. Doch wie groß ist er wirklich? Der RBB verriet es dem KURIER: Die alte Pitti-Figur des DDR-Fernsehens war um die 25 Zentimeter groß. Nach seiner „Verschönerungskur“, die 2019 stattfand, ist Pittiplatsch gewachsen. Die Handpuppe, mit denen nun auch die neuen Folgen gedreht werden, ist 40 Zentimeter groß.

Die neue Pitti-Puppe wurde in der Werkstatt von Norman Schneider gefertigt und ist 40 Zentimeter groß. RBB/rbb media GmbH/Manfred Müller

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Ganz groß wird nun sein 60. Geburtstag am Sonnabend (18. Juni) gefeiert. Der RBB hat dafür den Tierpark Berlin ausgesucht. Los geht es um 10.30 Uhr. Für kleine und große Tierpark-Besucher gibt es eine  Rätselrallye, Torwandschießen, Glücksrad oder Pittiplatsch-Lesungen. Höhepunkt ist die Bühnenshow auf der Tierpark-Bühne, die um 14 und 16 Uhr stattfindet und von Bürger Lars Dietrich moderiert wird. Der Entertainer wird dort auch Pittis Geburtstagssong präsentieren.

Die Tierpark-Tageskarte kostet 16 Euro (erm. 9,50 Euro), 8 Euro für Kinder zwischen 4 bis 15 Jahre. Für Kinder unter 4 Jahren ist der Eintritt frei.

Pitti feiert seinen 60. Geburtstag. Im Tierpark findet die große Geburtstagssause statt. Der RBB zeigt am 18. Juni, ab 0.10 Uhr, in einer langen „Kobold-Nacht“ seine schönsten Geschichten. RBB/rbb media/Michael Handelmann