Berliner Polizisten gehen bewaffnet bei einer Razzia gegen mutmaßliche, international operierende Drogenhändler über ein Gelände in Lichtenberg.  dpa

Vor allem sind es Drogenhändler, Autodiebe und Schleuser, die sich für ihre Geschäfte zu kriminellen Banden zusammenschließen. Zudem geht es um Zwangsprostitution, Menschenhandel, Waffenschmuggel, Geldwäsche und Rocker, wenn die Polizei in der organisierten Kriminalität ermittelt. 64 dieser größeren Ermittlungsverfahren gegen die organisierte Kriminalität (OK) sind im vergangenen Jahr in Berlin geführt worden, vor allem vom Berliner Landeskriminalamt (LKA), aber auch von der Bundespolizei, dem Bundeskriminalamt (BKA) und dem Zoll. Das geht aus dem Lagebild der Polizei zur organisierten Kriminalität für 2020 hervor, das am Freitag veröffentlicht wurde.

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60 Millionen Schaden durch Banden in Berlin

Die organisierten Verbrecherbanden verursachten demnach in Berlin einen bekannt gewordenen Schaden von knapp 60 Millionen Euro. Als Schaden wird der Wert des „rechtswidrig erlangten Guts“ definiert. Die Polizei beschlagnahmte den Angaben zufolge Vermögen in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro.

In ganz Deutschland gab es im vergangenen Jahr 594 große OK-Ermittlungskomplexe. Berlin steht bei der Häufigkeit an vierter Stelle hinter den großen Flächenländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. Bei den Zahlen gab es jeweils leichte Steigerungen im Vergleich zu 2019.

Von knapp 500 Verdächtigen hatten 38 deutsche Staatsangehörigkeit 

498 Verdächtige gerieten in Berlin in den OK-Ermittlungsverfahren ins Visier der Polizei. Knapp 38 davon hatten eine deutsche Staatsangehörigkeit. Ansonsten seien viele Banden dominiert von Türken, Polen, Tschetschenen, Ukrainern, Serben und Libanesen. In mehr als 70 Prozent der Verfahren ging es auch um internationale Kontakte. Die Polizei stellte Verbindungen in 37 andere Staaten fest.

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Zehn Ermittlungsverfahren galten der sogenannten Clankriminalität von Mitgliedern arabischstämmiger Großfamilien. Ein weiterer Fokus lag auf Banden, deren Mitglieder aus Russland und anderen Ländern der früheren Sowjetunion stammen. Besonders wurden tschetschenische Täter genannt, weil sie mit einer hohen Gewaltbereitschaft auffielen.

Autodiebstahl in Grenznähe zu Polen 

Der Autodiebstahl geht laut Polizei vor allem auf das Konto von ausländischen Banden, vor allem aus Polen. „Die geografische Lage Berlins, insbesondere die schnelle Anbindung an die ins Ausland führenden Autobahnen, spielt hierbei eine tatbegünstigende Rolle“, schreibt die Polizei. Wegen der vielen teuren Autos, die in der Metropole Berlin an Straßen parkten, gebe es „eine Vielzahl an Gelegenheiten“. Nach Einschätzung der polnischen Polizei werde der große Teil der gestohlenen Autos zerlegt und in Einzelteilen bis nach Russland, Afrika und Asien verkauft.

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Drogenhandel floriert trotz Pandemie

Beim organisierten Rauschgifthandel stellte die Polizei eine „erhebliche“ Zunahme fest. „Die weltweite Pandemie scheint den internationalen Rauschgiftschmuggel im Jahr 2020 nicht nachhaltig beeinträchtigt zu haben.“ Trotz weniger Flugverkehr und verstärkten Grenzkontrollen „bleiben Rauschgifthandel und -schmuggel für die organisierte Kriminalität weltweit die lukrativste Einnahmequelle“.

Handys mit Encrochat-Messenger

Eine immer größere Rolle spielten dabei die Planung über verschlüsselte Kommunikation und der Verkauf über das Internet und Messengerdienste. Handys mit dem verschlüsselten Encrochat-Messenger wurden in Berlin im vergangenen Jahr von mindestens 732 Menschen genutzt. Die Polizei wertet 1,64 Millionen abgeschöpfte Datensätze wie Text- und Sprachnachrichten, Fotos und Videos aus.

Die Kryptierungssoftware galt zunächst als nicht entschlüsselbar und war deshalb bei Kriminellen sehr beliebt. Die Polizei in den Niederlanden und Frankreich hatte im Frühjahr 2020 die Software geknackt und einige Monate lang Millionen geheimer Daten abgeschöpft. Erste Prozesse wegen Drogen- und Waffenhandels laufen bereits.

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Die Auswertung verschlüsselter Kommunikation der Kriminellen werde künftig „eine herausragende Bedeutung“ für die Arbeit der Polizei haben. Die Kriminellen seien inzwischen international vernetzt und kommunizierten intensiv über alle Ländergrenzen hinweg. Die Arbeit der Polizei werde dadurch immer schwieriger, weil sie technisch hinterherhinke: die Nachrüstung von Computern und Software sei „nicht immer realisierbar“.