Das Hauptgebäude mit Haupteingang vom Strandbad Müggelsee: mit einem Bauzaun seit Tagen abgesperrt. Im Juli beginnen die Sanierungsarbeiten. Foto: Koch-Klaucke

Es sind Ferien, die Temperaturen in Berlin liegen um die 30 Grad. Also Badesachen einpacken und nichts wie ab ins Strandbad. Etwa zu dem am Müggelsee, das bei den Berlinern sehr beliebt ist, weil hier bis 21 Uhr geöffnet und der Eintritt frei ist. Doch ab nächster Woche wird dort einiges anders. Dann wird im Strandbad nicht nur lange und gratis gebadet, sondern auch drei Jahre lang gebaut.

Gleich hinter dem Strand beginnt die Baustelle. Das marode Hauptgebäude ist bereits eingezäunt. Foto: Gerd Engelsmann

Ausgerechnet mitten in den Ferien beginnt die seit Jahren geplante Sanierung des maroden Haupt- und Mehrzweckgebäudes für 12,6 Millionen Euro. Da brauchen die Badegäste sehr starke Nerven. Die Bagger stehen schon im Hinterland bereit.

Aber noch herrscht Ruhe. Auch an diesem Dienstag, als das Strandbad um 9 Uhr öffnet, die ersten 50 Besucher hineingelassen werden. Doch anders als sonst müssen sie nun durch einen Nebeneingang, der sich an einem kleinen Parkplatz befindet. Denn das 500 Meter entfernte Haupttor ist wegen der kommenden Baumaßnahmen bereits seit Tagen geschlossen. Wachleute zählen am Nebeneingang ganz genau die Besucher. Wegen Corona und nun auch wegen der Sanierungsarbeiten dürfen nur bis zu 2000 Badegäste auf das Gelände.

Die Bagger für die Sanierung stehen schon bereit. Foto: Engelsmann

Dass bald am Strand nicht nur Sandburgen gebaut werden, verraten Schilder und die Bauzäune, mit denen das mit Graffiti beschmierte und einer Ruine ähnelnde Strandbadgebäude schon abgeriegelt wurde. Imbiss und  Badeartikel-Kiosk, die sich einst in dem Haus befanden, sind nun in einem Bungalow am Beginn der Strandzone. „Mal sehen, was unsere Gäste sagen werden, wenn hier die Sanierung mit viel Krach losgeht“, sagt ein Verkäufer. Er befürchtet, dass die Bauarbeiten bei laufendem Badebetrieb die Besucher aus dem Strandbad vergraulen könnten.

Badegast Claudia Silberborth (42): „Auch wenn laute Bagger nun das Geschehen bestimmen, finde ich es gut, dass  nun endlich angefangen wird, unser Strandbad zu sanieren.“ Foto: Gerd Engelsmann

Baustelle Strandbad: „Der Lärm wird uns garantiert nicht stören.“

Doch die Berliner, die aus allen Teilen der Stadt gerne in das Strandbad Müggelsee kommen, haben offenbar starke Nerven. Wie Angela Mauritz (34) aus Biesdorf, die sogar einige Urlaubstage mit ihrem kleinen Sohn hier verbringen will. „Wo findet man derzeit in Berlin ein Strandbad, wo man nichts bezahlen muss und ohne Zeitfenster hinein darf . Das Wasser ist hier so schön klar und flach, ideal für Kinder“, sagt sie. „Der Baulärm wird uns garantiert beim Badevergnügen nicht stören. Und an den Wochenenden werden die Arbeiten bestimmt nicht stattfinden.“

Badegast Andy-Pitt Hoffmann (34): „Jetzt mit der Sanierung zu beginnen ist besser, als das Gebäude weiter verfallen zu lassen.“ Foto: Gerd Engelsmann

Der Lärm, der von der Straße kommt, sei viel schlimmer, meint Michael Meikler (57), der mit seinem Sohn Aron (4) gerade ein Sonnenzelt auf der Wiese aufbaut. „Ich finde die Idee des Bezirks gut, das alte Strandbad wieder im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Es ist ein Schatz, der unbedingt bewahrt werden muss“, sagt der Köpenicker.

Badegast Michael Meikler (57): „Das Strandbad ist ein Schatz, der unbedingt bewahrt werden muss.“ Foto: Gerd Engelsmann

Viele Badegäste kommen schon seit ihrer Kindheit zum Baden an den Müggelsee. „Das Strandbad gehört einfach zum Leben der Menschen dazu, die im Ostteil Berlins aufgewachsen sind“, sagt die Köpenickerin Claudia Silberborth (42). „Auch wenn laute Bagger nun das Geschehen bestimmen, finde ich es gut, dass  nun endlich angefangen wird, unser Strandbad zu sanieren.“

Kritik an den Maßnahmen kommt unter den Badegästen an diesem Wochentag kaum auf. Und wenn, dann heißt es bei einigen nur: Die Bauarbeiten mitten in der Saison zu starten, sei nicht gerade ideal. „Doch leider nehmen Bauplanungen nun einmal keine Rücksicht auf Ferien“, sagt Andy-Pitt Hoffmann (34). Der Mann, der sich am Strand in Sichtweite des Bauzauns mit der dahinterliegenden Hauptgebäude-Ruine sonnt, kennt sich als Projektleiter in der Baubranche gut aus. „Jetzt mit der Sanierung zu beginnen ist besser, als das Gebäude weiter verfallen zu lassen“, sagt er.

Das Foto zeigt das Strandbad Müggelsee in den 30er Jahren. Nach diesem historischen Vorbild soll es bis 2024 saniert werden.  Foto: Heimatmuseum Köpenick

Strandbad Müggelsee: Sanierung kostet 12,6 Millionen Euro

So sieht es auch Oliver Igel (SPD), der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick. Sein Bezirksamt ist seit 2006 Betreiber des Strandbades, das gern auch als „Riviera des Ostens“ bezeichnet wird. Jahrelang haben die Planungsverfahren gedauert, um den Verfall des unter Denkmalsschutz stehenden Strandbadgebäudes zu stoppen. „Wir können alle froh sein, dass jetzt endlich die Sanierungsarbeiten beginnen. Alles ist so geplant, dass wir dafür den Badebetrieb nicht schließen müssen“, sagt Igel.

1930 wurde das 2500 Quadratmeter große Terrassengebäude mit Umkleiden, Läden und einem Restaurant errichtet. Zu DDR-Zeiten fanden einige Umbauten statt, die denkmalgeschützte Anlage wurde in den 70er-Jahren letztmalig modernisiert.

Der Zahn der Zeit hat kräftig an dem Gebäudekomplex genagt. Die Fassaden und Terrassentreppen bröckeln. Die Innenräume sind nicht mehr nutzbar.

Strandbad Müggelsee: So soll das sanierte Terrassengebäude mit der Original-Treppe aussehen. Foto: Bezirksamt Treptow-Köpenick/Alexandra-Restaurierungen

Seit fast fünf Jahren will der Bezirk das Strandbad wieder in seine ursprüngliche Schönheit zurückversetzen. So soll das Terrassengebäude mit Kiosken, Läden und Restaurant wieder ein touristischer Anziehungspunkt werden. Ein Aufzug wird eingebaut, damit Rollstuhlfahrer problemlos vom Hauptgebäude zum Strand kommen.

Die noch blau-weißen Außenfassaden bekommen ihren gelben, historischen  Farbton zurück. Die zu DDR-Zeiten entstandene Freitreppe wird durch eine neue, kleinere ersetzt, so wie sie ursprünglich einmal war. Auch die einstige Sauna entsteht neu, die für Erholungszwecke genutzt werden könnte - und das ganzjährig und nicht nur in der Badesaison. Denkbar ist ein Restaurant, das für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Die Sanierungskosten von 12,6 Millionen Euro übernehmen der Bund und das Land Berlin. Das Ende der Sanierung sei für 2024 geplant. Der Bezirk wolle das Strandbad Müggelsee dann einem neuen Betreiber überlassen. „Allerdings unter der Bedingung, dass der Eintritt für den Badebetrieb weiter kostenlos bleibt“, sagt Igel.