Wiedehopf zurück in Berlin. Gleich zwei Paare brüten am Flughafensee.
Wiedehopf zurück in Berlin. Gleich zwei Paare brüten am Flughafensee. www.imago-images.de / Thomas Hinsche

Er ist wieder da: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten brütet der Wiedehopf nachweislich wieder in Berlin. Gleich zwei Paare haben sich in den beiden Spezial-Nistkästen eingerichtet, die die NABU-Arbeitsgruppe Flughafensee Anfang März im dortigen Vogelschutzreservat aufgestellt hatte. „Schon Mitte April konnten wir einen rufenden Wiedehopf feststellen, zehn Tage später waren es zwei, und Mitte Mai lagen dann sieben Eier in einem der Nistkästen“, berichtet Frank Sieste, Leiter der AG Flughafensee des NABU Berlin. „Wir freuen uns unglaublich, dass wir den ‚Vogel des Jahres 2022‘ bei uns ansiedeln konnten.“

Schon im letzten Jahr wurden erstmals in Tegel Wiedehopfe gesichtet

Ganz überraschend kam der Erfolg nicht, denn im letzten Jahr hatten die NABU-Aktiven mehrmals Wiedehopfe am Flughafensee beobachtet. Einmal trug ein Vogel Insekten im Schnabel – ein Hinweis auf eine Brut. „Wir vermuten, dass der Wiedehopf letztes Jahr auf dem Gelände des Tegeler Wasserwerks gebrütet hat, sind uns aber nicht sicher“, sagt Sieste.

Jungvögel in Berlin. Der Wiedehopf ist zurück.
Jungvögel in Berlin. Der Wiedehopf ist zurück. Frank Sieste/NABU Berlin.

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Trotzdem war es eine Riesenüberraschung für die NABU-Gruppe, dass nicht nur einer der beiden Nistkästen, sondern gleich beide von Wiedehopf-Paaren bezogen wurden. Insgesamt neun Jungtiere sind bereits ausgeflogen, fünf davon konnten rechtzeitig beringt werden. „Junge Wiedehopfe fliegen kurz nach Verlassen des Nests fort, oft sehr weit“, so Sieste, „wir hoffen aber, dass sie nach Berlin zurückkehren und nächstes Jahr auch hier brüten werden.“ Deshalb wollen die ehrenamtlich Aktiven weitere Nistkästen bauen und aufstellen, etwa am Hahneberg. Auch das Gut Hobrechtsfelde oder der Flugplatz Gatow wären geeignete Habitate.

Wiedehopf-Nistkasten in Berlin. Die Kästen fanden offenbar Anklang, es sollen weitere aufgestellt werden.
Wiedehopf-Nistkasten in Berlin. Die Kästen fanden offenbar Anklang, es sollen weitere aufgestellt werden. Frank Sieste/NABU Berlin.

Seit 1993 sind Wiedehopfe  in der Hauptstadt ausgestorben

Der Wiedehopf war einstmals in Berlin weit verbreitet und brütete Anfang des 20. Jahrhunderts sogar noch im Tiergarten. In den 1980er Jahren verschwand er aus der Hauptstadt, die letzte nachgewiesene Brut wurde 1993 registriert. Seither galt er in der Hauptstadt als ausgestorben. In den vergangenen Jahren hat sich der charismatische Vogel jedoch in Brandenburg ausgebreitet; die wärmeliebende Art gilt als Gewinner des Klimawandels. Sie stellt jedoch hohe Ansprüche an ihren Lebensraum und benötigt offene, an Großinsekten reiche Flächen, zudem alte Bäume mit Nisthöhlen.

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„Dass sich eine in Berlin als ausgestorben geltende Art am Flughafensee ansiedelt, zeigt, wie wertvoll dieses Gebiet ist“, sagt Sieste. „Der NABU Berlin fordert seit langem, das Vogelschutzreservat und die angrenzende Tegeler Stadtheide endlich als Naturschutzgebiet auszuweisen. Jetzt wird es wirklich allerhöchste Zeit!“

Gleich vier Eier brütete ein Wiedehopf in diesem Nest aus.
Gleich vier Eier brütete ein Wiedehopf in diesem Nest aus. Frank Sieste/NABU Berlin.

Erst im vergangenen Jahr hatte der NABU Berlin der damaligen Umweltsenatorin Regine Günther eine Petition mit mehr als 10.000 Unterschriften übereicht, die eine sofortige Unterschutzstellung des Gebiets forderte. Aus Personalmangel war die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz bislang jedoch außerstande, die NSG-Ausweisung umzusetzen.

Bitte nicht stören!

Das Vogelschutzreservat am Flughafensee ist nicht öffentlich zugänglich. Der NABU Berlin bittet daher dringend, die Grenzen des Reservats zu respektieren. Störungen könnten Vögel dazu bringen, ihre Gelege oder die Jungtiere aufzugeben. Mit etwas Geduld lassen sich die Wiedehopfe aber vom Wanderweg entlang des Zauns beobachten.

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Der auffällige Wiedehopf ist unverwechselbar. Mit seinem langen Schnabel und den orangen Scheitelfedern mit den schwarzen Punkten, die er bei Erregung aufrichtet, ist er ein echter Hingucker. Er liebt warme Regionen und ist damit ein Gewinner der Klimawandels.