Cyrus mit seinen Eltern Stephanie und Paul und seiner kleinen Schwester Tracy Volkmar Otto

Cyrus (9) hat sich in sein Kinderzimmer verkrochen und spielt an seinem Computer. Heute war für ihn ein aufregender Tag. Er hat Junghündin Ginger kennengelernt. Einen Golden Retriever. Seine Eltern Stephanie (43)  und Paul (31) suchen nach einem jungen Hund für ihn, der sich als Assistenzhund eignet.

Denn Cyrus ist aufgrund einer schweren Erkrankung und einer neurologischen Störung auf Hilfe angewiesen. Doch so ein treuer Begleiter kostet bis zu 35.000 Euro. Geld, das die Familie aus Potsdam nicht allein aufbringen kann. Deshalb hat sie im Internet einen Spendenaufruf gestartet und hofft auf Hilfe.

Volkmar Otto
Hündin Ginger könnte Cyrus vielleicht bald durchs Leben begleiten.

„Er ist noch so klein und muss schon mit einem doppelten Schicksalsschlag leben“, sagt Cyrus Mutter Stephanie traurig. Ihr Sohn war noch ein Kleinkind, als seine Ärzte eine Exostose diagnostizierten, eine Krankheit, bei der sich am ganzen Körper Knochentumore bilden können. In einem aufwändigen Eingriff mussten ihm sieben Zentimeter von seiner Elle entfernt werden.

Zuletzt war Cyrus Mitte Oktober in der Klinik, weil ihm am Schienbeinknochen ein Tumor herausoperiert wurde. Seitdem kann der Neunjährige nicht mehr laufen und krabbelt durch die Wohnung. 

Cyrus ist zu 60 Prozent schwerbehindert

Volkmar Otto
Cyrus sitzt im Rollstuhl, weil er seit seiner letzten Operation am Bein nicht mehr laufen kann.

Cyrus ist zu 60 Prozent schwerbehindert. Doch als wäre das nicht schon genug, stellten Mediziner bei ihm auch noch Autismus fest. Die neurologische Störung macht sich dadurch bemerkbar, dass der Junge schnell unter Reizüberflutungen leidet, schwer mit veränderten Tagesabläufen zurecht kommt und kein Gefühl für Gefahren hat.

Der Junge würde einfach so auf die Straße laufen, wenn sie nicht aufpassten, erklärt seine Mutter. Sie sagt: „Er ist emotional auf dem Stand eines Fünfjährigen und versteht auch seine Erkrankung nicht.“ Sie sei froh, dass sie mit ihm nun schon zum Arzt gehen könnte, ohne dass er die ganze Praxis zusammenbrülle. Gerade ist die Familie für Cyrus von Königs Wusterhausen nach Potsdam gezogen. Damit er dort eine entsprechende Förderschule besuchen kann. 

Stephanie und Paul Baumgart wünschen sich, dass ihr Sohn trotz seiner Beeinträchtigungen ein weitgehend selbständiges Leben führen kann und kamen deshalb auf die Idee mit dem Assistenzhund. Außerdem erhoffen sich die Eltern noch einen weiteren Vorteil von dem speziell ausgebildeten Tier.

„Cyrus ist sehr schnell aufgebracht und lässt sich dann auch von uns nicht beruhigen. Das tut uns so leid. Vielleicht hat das Tier eine ausgleichende Wirkung auf ihn“, so seine Mutter. Leider besteht in Deutschland kein gesetzlicher Anspruch darauf, den gibt es nur für Blindenführhunde. Die Krankenkasse wird daher die Kosten hierfür nicht übernehmen. 

Das Problem: Die Eltern sind finanziell nicht in der Lage, das Herzensprojekt für Cyrus zu erfüllen. Vater Paul ist seit seinem 24. Lebensjahr Frührentner, er leidet auch unter Exostose wie sein Sohn. Cyrus‘  Mutter füllt in einem Supermarkt die Regale auf, ist momentan aber wegen zweier Bandscheibenvorfällen krankgeschrieben.

„Ich musste Cyrus immer tragen, weil er nach seiner letzten Operation nicht mehr laufen kann“, sagt sie. Die Familie hat nun einen Spendenaufruf www.betterplace.me/assistenzhund-fuer-cyrus gestartet, bei dem bereits 11.000 Euro zusammengekommen ist. Sogar die Familie von Cyrus‘ Lehrerin hat sich beteiligt, das habe sie sehr ergriffen, sagt die Mutter. 

Gerade waren sie in einer Hundeschule (www.gghundeschule.de), um sich schon einmal nach einem passenden Vierbeiner für Cyrus umzusehen. Assistenzhunde sind wichtig, um in das Leben eines Menschen mit Behinderung, Normalität zu bekommen, weiß Christin Hutterer, die die Hundeschule in Beelitz betreibt.

Sie lernten über ihren Hund mit anderen Menschen zu interagieren. Im Fall von Cyrus könne der Hund ihn im Straßenverkehr begleiten, mit ihm kuscheln oder ihm sogar eine Flasche Wasser bringen. Der Junge könne mit dem Hund an seiner Seite über sich hinauswachsen. 

Nicht jedes Tier ist geeignet, um als Assistenzhund ausgebildet zu werden

Die Ausbildung eines Assistenzhundes dauert etwa ein Jahr und geschieht direkt mit dem Kind. Allerdings ist nicht jedes Tier geeignet, weiß Hutterer. Nur einer von zehn Hunden sei überhaupt ausbildungsfähig, einer von 20 schaffe die Ausbildung am Ende. „Ein Assistenzhund ist keine Arbeitsmaschine und soll nur entsprechend seiner Fähigkeiten eingesetzt werden“, betont sie. 

Die erste Begegnung zwischen der einjährigen Hundedame Ginger und Cyrus hat auch die Hundeexpertin berührt. „Cyrus war sehr neugierig und hat schon innerhalb einer halben Stunde Kontakt zu ihr aufgebaut.“ Ob Ginger dann tatsächlich als Assistenzhündin infrage kommt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Nun steht Familie Baumgart noch vor der großen Herausforderung, das restliche Geld zusammen zu bekommen. „Ich hoffe so sehr, dass wir das schaffen und uns noch mehr Menschen helfen. Cyrus hat es so verdient“, sagt seine Mutter leise.