Kein Strom, kein elektrisches Licht: Auf solche Szenarien bereiten sich nun die Sicherheitskräfte vor. 
Kein Strom, kein elektrisches Licht: Auf solche Szenarien bereiten sich nun die Sicherheitskräfte vor.  dpa/Julian Stratenschulte

Seit Wochen geistert ein Angst-Szenario durch die Öffentlichkeit: der Blackout. Kein Strom für ein paar Sekunden oder Minuten, das haben alle schon erlebt, die Folgen blieben überschaubar. Der Stromausfall in Berlin Köpenick 2019, als der Stadtteil 31 Stunden von der Stromversorgung abgeschnitten war, zeigte: Mit jeder Stunde mehren sich die Konsequenzen, und viele Folgen waren den meisten bis dahin unklar: Ohne Strom können Tankstellen auch kein Benzin abgeben, Handynetze ohne Notstromversorgung können ausfallen.

Was passiert, wenn sich Menschen nicht mehr über Fernsehen, Radio und Handys informieren können, hatte sich bei der Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal gezeigt: Falsche Helfer verbreiteten Angst und Desinformation, hinderten Polizei, Feuerwehr und technisches Hilfswerk an der Arbeit.

Spezialkräfte-Kommandeur: „Wir haben unsere Durchhaltefähigkeit erhöht“

Um solche Szenarien abzuwenden, bereiten sich gerade die Spezialkräfte der Bundespolizei auf die Folgen vor, die der russische Angriffskrieg in der Ukraine auch für uns haben könnte. Bekannt ist: russische Hacker und Geheimdienstmitarbeiter planen Cyber-Angriffe auf die Infrastruktur auch in Deutschland, die Energiekappheit könnte zusätzlich zu Sicherheitsproblemen führen.

Olaf Lindner, Präsident der Bundespolizeidirektion 11: „Wir haben unsere Durchhaltefähigkeit erhöht“
dpa/Bernd von Jutrczenka
Olaf Lindner, Präsident der Bundespolizeidirektion 11: „Wir haben unsere Durchhaltefähigkeit erhöht“

„Wir haben unsere Durchhaltefähigkeit erhöht“, sagte der Präsident der Bundespolizeidirektion 11, Olaf Lindner, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Es geht zum Beispiel darum, bei einem etwaigen Cyberangriff auf die Stromversorgung in Berlin möglichst lange handlungsfähig zu bleiben.“ Denn wenn der Strom ausfalle, funktioniere beispielsweise auch die Zapfsäule an der Tankstelle nicht mehr. Experten sagen: ein länger andauernder Stromausfall kann ab einem gewissen Punkt Menschenleben kosten.

„Wir haben unsere Reserven noch mal massiv erhöht“, sagte Lindner. Für die gesamte Bundespolizei gebe es einen „Mindeststandard in Sachen Durchhaltefähigkeit“.

Polizeikräfte schützen Bahnanlagen mit Überwachungsflügen und Entschärfungsdienst

Unter dem Dach der vor fünf Jahren gegründeten Direktion 11 in Berlin sind die GSG 9 sowie alle anderen Spezialkräfte der Bundespolizei mit insgesamt sechs Dienststellen an 40 Standorten zusammengefasst. Dazu gehören unter anderem Polizisten, die für die Sicherheit deutscher Diplomaten im Ausland sorgen. Beim Schutz von Bahnanlagen, um den sich die Bundespolizei in Abstimmung mit der Konzernsicherheit der Deutschen Bahn kümmert, unterstützen die Spezialkräfte mit Überwachungsflügen sowie mit einem Entschärfungsdienst, der an 15 Standorten im Bundesgebiet präsent ist.

„Hybride Bedrohungen und Risiken für die kritische Infrastruktur waren für uns und für andere Fachleute immer schon ein Thema“, sagte Lindner. Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschäftige sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Deutschland für den Fall eines längeren, großflächigen Stromausfalls vorbereitet sei. Neu sei nur, dass es für diese und andere Fragen zur kritischen Infrastruktur jetzt - ausgelöst durch die Corona-Pandemie, die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, den Krieg in der Ukraine und die jüngsten Sabotage-Akte gegen Pipelines und die Bahn „eine ganz neue politische Aufmerksamkeit“ gebe.

Auch der Schutz von Anlagen auf hoher See sei für die Spezialkräfte der Bundespolizei nicht neu, betonte Lindner, der früher Kommandeur der GSG 9 war. Er sagte: „Seit vielen Jahren haben wir Szenarien durchgespielt wie Angriffe auf Gas-Plattformen in der Ostsee.“