Das gekenterte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia liegt vor der Insel. Bei dem Unglück vor zehn Jahren starben 32 Menschen. dpa

Die Wunden sind bis heute nicht geschlossen, die Trauer ist noch immer nicht bewältigt. Am 13. Januar vor zehn Jahren sank das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia nach einem halsbrecherischen Manöver und der Kollision mit einem Felsen vor der italienischen Insel Giglio. 32 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Jetzt gibt es eine neue Sky-Dokumentation über die nächtliche Schiffstragödie.

Der Kapitän des Schiffs, er war einer der ersten, die sich von Bord retteten, sitzt im Gefängnis, aber bis heute sind viele Fragen nicht geklärt. Wie konnte es zu dem Unglück kommen? War der Kapitän allein für die Havarie verantwortlich? Wie verhielten sich die Mannschaft und seine Vorgesetzten in der Reederei? Der Berliner Produzent Till Derenbach (Zeitsprung Pictures) hat die Ereignisse in einer atemberaubend spannenden Dokumentation zusammengefasst. Zu sehen ist der packende 90-Minuten-Film am 13. Januar exklusiv auf Sky Documentaries und Sky Ticket, außerdem auf Abruf via Sky Q.

Luftaufnahmen der Küstenwache von der Costa Concordia Sky

Der Film „Costa Concordia – Chronik einer Katastrophe“ rekonstruiert anhand von Aufzeichnungen des Voice-Recorders von der Brücke und des offiziellen Funkverkehrs mit der Küstenwache minutiös die dramatischen Stunden nach der Kollision. Zu Wort kommen Zeitzeugen, die sich bisher nicht vor der Kamera geäußert haben (Schiffscrew, Passagiere, Retter und Juristen).

Kapitän der Costa Concordia saß wimmernd auf einem Felsen

Besonders aufschlussreich sind dabei die Aussagen von Gregorio de Falco. Er führte das berühmte Telefonat mit Kapitän Francesco Schettino, in dem er ihn energisch und wütend aufforderte, auf das Schiff zurückzukehren, während Schettino beinahe wimmernd und starr vor Angst von einem Felsen aus dem Untergang seines Schiffes zusah, ohne zu handeln.

Die Passagiere der gekenterten Costa Concordia warten auf ihre Rettung. Sky

Im Original hörte sich das so an: „Hören Sie, Schettino. Es sind Menschen an Bord gefangen. Sie gehen jetzt mit Ihrem Rettungsboot unter den Bug des Schiffes auf der Steuerbordseite. Dort ist eine Strickleiter. (…) Da kommen Leute von dieser Strickleiter am Bug herunter. Sie gehen auf das Schiff und sagen mir, wie viele Leute da sind und was sie haben. Ist das klar? Sagen Sie mir, ob es Kinder, Frauen oder hilfsbedürftige Menschen sind. Und sagen Sie mir die Anzahl jeder dieser Kategorien. Ist das klar? Hören Sie, Schettino, Sie mögen aus dem Meer gerettet worden sein, aber ich nehme es ihnen sehr übel. Ich werde Ihnen eine Menge Ärger bereiten. Gehen Sie an Bord, verdammt noch mal!“

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De Falco erklärt im Film: „Ich habe in diesem Telefonat mit allen Mitteln versucht, diesen Herren zu bitten, wieder seine Aufgabe zu erfüllen. (…) Der Kapitän darf das Schiff nicht verlassen. Deshalb habe ich ihm so rüde gesagt, er soll zurückgehen. Wenn er zurückgegangen wäre, wenn er sich um die Rettung der Menschen gekümmert hätte, wären die Dinge ganz anders ausgegangen.“

Sandra Birnstiel und Bianca Ziggert waren Passagiere auf der Costa Concordia. Sie überlebten in letzter Minute. Sky

Auch Saverio Senese, der Anwalt des Kapitäns, äußerst sich und macht glaubhaft deutlich, dass Schettino möglicherweise zum Sündenbock für das Versagen einer ganzen Reederei abgestempelt wurde: „Der Befehl von de Falco ist in die kollektive Erinnerung der ganzen Welt eingegangen. Aber er war unausführbar. Er war nur für die Medien gut. Er diente dazu, zu beeindrucken und eine feindselige Haltung gegenüber Schettino zu erzeugen.“

Schettino, der sich bei den Hinterbliebenen der Opfer entschuldigte, behauptete, die riskante Annäherung an die Insel sei ein Manöver gewesen, das seine Reederei aus Werbegründen grundsätzlich begrüßte. Die Reederei hat das allerdings dementiert. Der Kapitän wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt.

Der gebürtige Berliner Till Derenbach produzierte den Film „Costa Concordia – Chronik einer Katastrophe“. Zeitsprung.de

Spannend ist der Film in der Regie von Michael Mueller nicht nur wegen dieser Kontroverse. Packend ist er vor allem, weil er gespickt ist mit den aufwühlenden und hektischen Handyaufnahmen der Passiere, die in der Nacht um ihre Leben kämpfen. Als Zuschauer ist man quasi direkt mit an Bord – ein Titanic-Effekt.

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Produzent Till Derenbach merkt an: „Hundert Jahre nach dem Untergang der Titanic war es bei der Costa Concordia am Ende nur der Wind, der eine noch größere Katastrophe verhinderte. Unsere Dokumentation zeichnet mit Passagieren, Crew-Mitgliedern, den Rettern, aber auch den Juristen, die das Geschehen gerichtlich aufgearbeitet haben, ein sehr eindringliches Bild der Unglücksnacht.“

Vielen auf der Costa Concordia war bewusst, hier kommt man nicht mehr raus!

Francesco Schettino, Kapitän der gekenterten Costa Concordia, wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt. dpa/Maurizio Degl’innocenti

Schade ist, dass das überlebende Berliner Ehepaar Jutta und Joachim Neumann sich im Film nicht äußert. Viele Überlebende haben mit den tragischen Ereignissen abgeschlossen und möchten nicht mehr daran erinnert werden. Trotzdem konnten die Macher des Dokumentarfilms am Ende doch noch deutsche Zeugen auftreiben, wie Regisseur Michael Mueller bestätigt: „Für Dokumentaristen hatten wir das Glück, dass wir mit den jeweils befreundeten Deutschen, Matthias Hanke und Marcel Zuhn und Sandra Birnstiel und Bianca Ziggert, Passagiere gefunden haben, die bis ganz zuletzt an Bord waren. Sie haben die Costa Concordia erst sehr spät verlassen, mit nahezu den letzten Rettungsbooten, die noch Personen vom Schiff geholt haben. Entsprechend ausführlich konnten sie ihre Erlebnisse schildern.“

Marcel Zuhn erinnert sich:  „Wir waren eigentlich dort in so einer ausweglosen Situation, dass man sich bewusst war, dass man hier nicht rauskommt.“ Zum Glück für ihn kam es dann doch noch anders.

„Costa Concordia – Chronik einer Katastrophe“ startet am 13. Januar 2022 bei Sky Documentaries.