Die Ausbreitung des Corona-Virus stellt die Reisebranche vor große Herausforderungen – und auch die Touristen. Viele fragen sich, ob gebuchte Flüge und Urlaube jetzt noch stattfinden können. Foto: dpa/Christophe Gateau

1. Ist mein Urlaub jetzt in Gefahr?

Enrico Rümker weiß, wohin die Reise geht. Er ist froh, dass er den Ostsee-Urlaub im Sommer schon gebucht hat. „An der Küste explodieren gerade die Preise. Die Nachfrage steigt“, berichtet er. Usedom statt Italien, Rügen statt Ägypten – das scheint für immer mehr Menschen die Devise zu sein. Die Zahl der Flugbuchungen geht immer weiter zurück.

Rümker kennt sich aus. Als Verdi-Sekretär betreut der Gewerkschafter die Beschäftigten im Berliner Luftverkehr – und der befindet sich seit Wochen im Sinkflug. „Wir beobachten, dass der Verkehr in Tegel und Schönefeld dramatisch einbricht“, so Rümker. Wenn der Abschwung so weitergehe, „werden wir einen katastrophalen Sommer erleben“. Der Branche drohten Pleiten und der Verlust vieler Jobs.

„Die Situation ist auch für uns schwierig“, sagt Berlins Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup dem KURIER. Natürlich wirke sich die Pandemie auch auf den Berliner Flughäfen aus. Aktuell würden viele Dienst- und Urlaubsreisen in Frage gestellt, abgesagt oder verschoben. „Der Reiseverkehr im Februar war gegenüber dem Vormonat bereits gut zehn Prozent schwächer. Im März wird sich dieser Trend wohl verstärken“, berichtet er.

Corona stellt auch Burkhard Kieker, Chef von Visit Berlin, auf eine schwere Probe. „Die Lage ist katastrophal“, sagt er. „Wir haben eine Situation, die schwieriger ist als nach 9/11“ – den Terroranschlägen von 2001. Corona hat den Tourismus und den Luftverkehr in Bedrängnis gebracht – wichtige Branchen in Berlin.

„Es gibt Hotels, die sind fast leer“ – vor allem Häuser, in denen normalerweise Geschäftsleute, Messebesucher und Kongressteilnehmer logieren. Berliner Hotels, die vor allem von Privatleuten gebucht werden, klagen ebenfalls über eine Flaute. Sie hätten Auslastungen von zum Teil nur noch 30 bis 50 Prozent.

Was kann in dieser Situation helfen? Zuversicht, sagt Berlins oberster Tourismuswerber. Auch wenn das erst mal paradox klingt. Die Region müsse sich auf ihre Stärken besinnen, auf das Positive, dem auch das Virus nichts anhaben könne. „Berlin ist eine grüne Stadt, mit viel Wasser“, so Kieker. Berlin sei nicht so überlaufen wie andere Ziele – wichtig in einer Zeit, in der vor Massenveranstaltungen gewarnt wird. Im Mai, so hofft er, sei Corona kein Problem mehr – dann werde Berlin einen „erfolgreichen Sommer“ erleben.

(Peter Neumann)


2. Wann gibt es endlich einen Impfstoff?

Wie gut: Es wird einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 geben. Impfstoffforscher, Hersteller und Zulassungsbehörden sind da sehr zuversichtlich. Allerdings wird es noch dauern: nach allgemeiner Überzeugung ein bis anderthalb Jahre – auch wenn aus China und anderen Ländern optimistischere Signale kommen.

Die Entwicklung von Impfstoffen ist oft schwierig. An Impfstoffen gegen HIV, Malaria oder Tuberkulose wird seit Jahrzehnten geforscht. Am Ziel ist man immer noch nicht.

Bei Sars-CoV-2 ist die Lage anders. Es gibt einen Vorlauf. Stephan Becker, Professor an der Universität Marburg und namhafter Impfstofforscher, sagt, man könne an die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Mers anschließen. Mers ist ein Coronavirus, das bereits vor einigen Jahren aufgetreten ist. Und die erste Testphase an Menschen ist bereits abgeschlossen.

Die Sars-CoV-2-Forscher verfolgen zwei Wege. Bei der Entwicklung des Mers-Impfstoffes verwendete man abgeschwächte Pockenviren, denen ein Teil der Erbinformation des Coronavirus eingebaut wurde. Diese Corona-Erbinformation ist der Bauplan für ein bestimmtes Eiweißmolekül, das Spike-Protein. Mit diesem Oberflächenprotein dringen die Coronaviren in die Zellen des menschlichen Atemtraktes ein. Werden sie rechtzeitig erkannt, können die Antikörper sie lahmlegen.

Foto: stock.adobe.com/Henrik Dolle

Der zweite Weg ist die Nutzung sogenannter RNA- oder DNA-Plattformen – eine Art künstlicher Viren, die ebenfalls zur Erzeugung von Antikörpern gegen das Spike-Protein führen sollen.

Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), berichtet, es werde weltweit in 35 Arbeitsgruppen, an Instituten und bei Impfstoffherstellern an einem Sars-CoV-2-Impfstoff geforscht. Er hoffe, dass dieser Wettbewerb zu mehreren zulassungsfähigen Impfstoffen führe. Das Ergebnis könne sein, dass es „jetzt einen guten, später einen sehr guten Impfstoff“ gibt.

Wieso aber dauert es so lange? „Das Problem“, sagt Stephan Becker, „ist nicht die Entwicklung, sondern die Testung.“ Wenn ein Impfstoffkandidat vorliegt, muss er in Tierversuchen auf Wirksamkeit geprüft werden. In zunächst kleinen und dann großen Studien am Menschen muss die Verträglichkeit nachgewiesen werden.

(Sven Siebert)


3. Müssen bald noch mehr Schulen schließen?

Er sitzt seit Freitag zu Hause und wartet auf Schulstoff: Markus Fuchs (*) ist 18 Jahre alt und in der 12. Klasse des Schulverbunds Grünauer Gemeinschaftsschule/Schule an der Dahme. Er ist einer der mindestens 60 Schüler in Berlin, die bis 23. März zu Hause bleiben müssen, weil sie an Schulfahrten nach Südtirol teilgenommen haben. Jetzt ist ihm mulmig: Erst am Dienstag hat er von einigen Lehrern Aufgaben bekommen, im Stil von: „Das haben wir behandelt und auf den Seiten könnt ihr versuchen, das nachzuholen“. Das Problem: Anfang April steht eine wichtige Matheklausur an. „Das ist ein Fach, in dem man eine Lehrkraft vor sich braucht. Da muss man sich was erklären lassen“, findet Fuchs.

Das Coronavirus behindert den Schulbetrieb: Heute bleibt die Zuckmayer-Sekundarschule in Neukölln geschlossen. Nach Auskunft der Senatsschulverwaltung muss dort geklärt werden, wie viele Kontaktpersonen eine infizierte Lehrkraft hatte.

Immer mehr Schulen in Berlin melden Corona-Fälle. Foto: imago images

Auch die SchuleEins, eine freie Schule in Pankow, hat es getroffen: Wie gestern bekannt wurde, bleibt sie bis 23. März zu, nachdem sich eine Lehrkraft infiziert hatte. Weiterhin bis 16. März gesperrt bleibt die Emanuel-Lasker-Schule in Friedrichshain. Nachdem ein Lehrer und eine Schülerin mit Coronavirus-Infektionen von einer Südtirol-Schulfahrt zurückgekehrt waren, bleibt die Sekundarschule dicht.

In häuslicher Isolation befinden sich außerdem rund 30 Grundschüler aus Tempelhof und rund 30 Oberstufler aus Lichtenberg und Treptow-Köpenick, die am Freitag der vergangenen Woche ebenfalls von Skifahrten aus Südtirol zurückgekommen waren – Markus Fuchs ist einer von ihnen.

Flächendeckende Schulschließungen soll es nicht geben: Berlin entscheidet weiter je nach Einzelfall, ob eine Schule  dichtmachen muss. Markus Fuchs hofft unterdessen, dass er vielleicht doch früher wieder in die Schule kann als bisher angeordnet. Das Ergebnis seines Corona-Schnelltests kam, zwei Tage später als angekündigt, am Montag: negativ.

(Margarethe Gallersdörfer)

(*) Name geändert