Das mutierte Coronavirus bedroht jetzt auch Berlin. imago/Christian Ohde

Die Corona-Fallzahlen in Berlin bewegen sich zwar auf einem niedrigen Niveau, doch die Fallzahlen gehen nicht mehr zurück, sondern steigen bereits wieder. Auffällig: Die hochansteckende Delta-Variante hat bereits die bislang vorherrschende Alpha-Variante überholt. Stehen wir vor einem weiteren schweren Herbst mit steil ansteigenden Infektionszahlen in Berlin?

57 neue Fälle und ein weiterer Todesfall: Das sind die Zahlen, die Berlins Gesundheitsverwaltung im aktuellen Corona-Lagebericht veröffentlicht. Diese Zahlen klingen zunächst nicht alarmierend, zumal der R-Wert weiter unter null liegt. Vor allem ist die Lage auf den Intensivstationen absolut entspannt.

Anzeichen für Anstieg mehren sich

Es gibt jedoch Anzeichen, dass es jedenfalls nicht beim niedrigen Stand der Infektionszahlen bleiben wird. So liegt die Inzidenz im Bezirk Mitte inzwischen wieder im zweistelligen Bereich (11,0). Auf Berlin berechnet, ist die Inzidenz nun leicht auf 5,6 angestiegen. Am Vortag war der Wert mit 5,3 angegeben worden, am Sonntag hatte er mit 4,8 so niedrig gelegen wie lange nicht. Nun bewegt sich die Inzidenz wieder ungefähr auf dem Niveau von Mitte vergangener Woche.

Delta-Virus bereits vorherrschende Mutante

Weiteres Indiz: In Berlin hat die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus anteilsmäßig die bislang vorherrschende Mutante Alpha (B.1.1.7) überholt. Im Lagebericht der Berliner Gesundheitsbehörden vom Mittwoch wird der Anteil der in Indien entdeckten Variante auf rund 29 Prozent in der Woche bis zum 4. Juli beziffert. Die bisher dominierende Variante hingegen, die ursprünglich in Großbritannien entdeckt wurde, macht demnach nur noch ein Fünftel (20,2 Prozent) der Infektionen aus. Ihre Kurve fällt seit mehreren Wochen – ausgehend von einem Niveau von rund 90 Prozent – stark ab.

Vermutlich liegt der tatsächliche Anteil der Infektionen, die durch Delta hervorgerufen werden, bereits noch höher: Seit einigen Wochen stark steigend ist laut Lagebericht der Anteil der Proben ohne Mutationsnachweis, mit nun gut 45 Prozent. Bei diesen Fällen kann es sich nach Behördenangaben um Delta-Infektionen handeln, da nicht alle Labore bei PCR-Tests gezielt nach der als besorgniserregend eingestuften Variante suchten. Dass Delta auch in Deutschland dominant wird, galt zuletzt für Experten nur noch als Frage der Zeit.

Durchbruchsinfektionen trotz doppelter Impfung befürchtet

Die Delta-Variante hat sich in vielen Ländern weltweit ausgebreitet und gilt als deutlich ansteckender als bisherige Varianten. Grundsätzlich sei anzunehmen, dass es durch sie häufiger zu sogenannten Durchbruchinfektionen – also Infektionen bei Geimpften – und auch zur Weitergabe des Virus durch Geimpfte kommen könne, hatte der Impfstoffexperte Leif Erik Sander von der Charité am Dienstag erklärt. „Allerdings sollte man auch positiv hervorheben, dass sich sowohl in Israel als auch in Großbritannien zeigt, dass die Impfung sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützt.“ In beiden Ländern hat Delta die Inzidenzen wieder ansteigen lassen.

Fachleute gehen davon aus, dass die Sommerferien erst einmal einen abbremsenden Effekt auf die Pandemie haben. Die Befürchtungen in Hinblick auf Delta gelten vor allem dem Schulstart, denn für Kinder unter 12 Jahren gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Wer zwischen 12 und 18 Jahren alt ist, kann mittlerweile zwar grundsätzlich geimpft werden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt dies in der Altersgruppe jedoch bislang nur, wenn bestimmte Vorerkrankungen vorliegen. Das Gremium begründet das unter anderem mit fehlenden Daten zur Sicherheit des Impfstoffs bei Kindern.

Im Vergleich zum Dienstag wurden in Berlin laut RKI-Daten weitere 55 Neuinfektionen erfasst und ein Todesfall im Zusammenhang mit dem Virus kam hinzu. Seit Beginn der Pandemie steckten sich in Berlin laut RKI-Statistik 180.378 Menschen nachweislich an; die meisten gelten als genesen. 3562 Menschen starben in Zusammenhang mit dem Coronavirus.