Die roten Flecken markieren die Corona-Hotspots in Deutschland. RKI Dashboard

Stehen wir bereits vor dem Ende der Pandemie oder ist es nur die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm? Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist erneut leicht zurückgegangen. Dabei hatten alle führenden Virologen zum Herbst einen massiven Anstieg der Corona-Zahlen erwartet. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Samstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, lag der Wert bei 60,6. Am Vortag hatte die Inzidenz bei 62,5 gelegen. Vor einer Woche lag die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 72,0. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche an.

Laut den jüngsten Zahlen des RKI wurden binnen 24 Stunden 7211 Neuinfektionen verzeichnet. Die Gesamtzahl der Fälle seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 4.188.604. Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Deutschland stieg um 62 auf nunmehr 93.365. Die Zahl der Genesenen liegt laut RKI bei etwa 3.952.000.

Kein einziger Berliner Bezirk mit Corona-Inzidenz über 100

In Berlin scheint sich bei der Corona-Inzidenz eine leichte Entspannung anzudeuten: Kein einziger Bezirk weist noch eine dreistellige Inzidenz auf. Vorne liegen nunmehr Reinickendorf mit 98,2 sowie Mitte mit 94,2. Die niedrigsten Inzidenzen haben Steglitz-Zehlendorf mit 40,4 sowie Treptow-Köpenick mit 48,4.

Wie sind diese Zahlen zu bewerten? Zunächst sind sie immer noch vergleichsweise hoch. Vor einem Jahr meldete das RKI eine bundesweite Inzidenz von gerade einmal 12,9. Erst im Verlaufe des Herbstes war sie sprunghaft angestiegen und hatte schließlich im Spätherbst zu einem monatelangen Lockdown geführt. Epidemiologe Alexander Kekulé zeigt sich in seinem Podcast „Corona-Kompass“ überrascht, dass die Zahlen noch nicht höher liegen, er rechne jedoch mit einem Ansteigen der Zahlen. Alles andere sei gegen die Natur des Virus, so Kekulé.

Corona-Warnampel auf Gelb: Intensivstationen behandeln wieder mehr schwer kranke Covid-Patienten

Auf der anderen Seite hatten sich Politik und Wissenschaft darauf geeinigt, dass fortan die Corona-Lage vor allem an der Hospitalisierungsrate bemessen werden sollte. Hier zeigt der Berliner Corona-Lagebericht ein scheinbar widersprüchliches Bild. Die entsprechende Warnampel steht nämlich derzeit auf Grün. Der Wert von 1,3 liegt deutlich unter der ersten Warnschwelle von 4. Allerdings: Die Warnampel für die Belegung der Intensivstationen mit Covid-Patienten steht mit einem Wert von 8,1 Prozent auf Gelb. Intensivmediziner berichten, dass ganz überwiegend ungeimpfte Patienten auf den Intensivstationen behandelt werden. Rund ein Drittel aller Berliner ist immer noch nicht vollständig geimpft!

Ein Zusammenhang zwischen Impfquote und Infektionen mit teils schwersten Verläufen liegt nahe. So steigt die Inzidenz entgegen dem Bundestrend in Sachsen wieder an. Dort sind besonders wenige Menschen durchgeimpft. Im Erzgebirgskreis liegt die Inzidenz nunmehr bei 79,5. Die bundesweit höchsten Inzidenzen liegen allerdings inzwischen fleckenartig über das ganze Land verteilt. Laut RKI nimmt Bremerhaven mit einer Inzidenz von 267,7 die Spitzenposition ein, gefolgt von mehreren Stadt- und Landkreisen in Süddeutschland. Im Osten liegen nur wenige Corona-Hotspots. Wie lange das so bleiben wird, ist die spannende Frage dieses Herbstes.