Die Nachverfolgung der Infektionsketten gelingt den Gesundheitsämtern in der Regel nicht mehr. Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Tag für Tag meldet das Robert Koch-Institut Zahlen, wie sich die Corona-Pandemie in Deutschland ausbreitet. Doch wer sich die Mühe macht und diese Zahlen im Internet mit den Angaben des brandenburgischen Gesundheitsministeriums vergleicht, wird stutzig: Dessen Angaben weichen teilweise deutlich von denen des RKI ab, liegen bei der 7-Tage-Inzidenz teilweise weit darüber. Offenkundig wird das Meldesystem von der Vielzahl der Fälle überrollt.

So meldete Brandenburg am Dienstag, dass im Landkreis Elbe-Elster 536 Neuinfektionen binnen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner festgestellt worden waren. Laut RKI waren es nur 458. In Ostprignitz-Ruppin stand eine vom Bundesland gemeldete Inzidenz von 410 die Zahl 315 des RKI gegenüber. 

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Das Institut konnte auf Anfrage nicht sagen, woran es im konkreten Fall hake. Die Zahlen, die für einen Landkreis im sogenannten RKI-Dashboard angezeigt werden, könnten jedoch grundsätzlich von den Zahlen der lokalen Behörden abweichen. Generell gelte: Die Behörden in Land- oder Stadtkreisen verfügten immer über die aktuellsten Zahlen. Diese seien auch ausschlaggebend dafür, welche Maßnahmen zur Eindämmung vor Ort ergriffen werden

Die Diskrepanzen zwischen den Werten der Landkreise und des RKI-Dashboard könnten  verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel einen „Übermittlungsverzug“. Der könne eintreten, wenn das Gesundheitsamt bereits Fälle an die zuständige Landesbehörde übermittelt hat, diese aber noch nicht vom Land an das RKI weitergeleitet wurden. Dadurch könne es beim RKI zu einer Unterschätzung der 7-Tage-Inzidenz kommen, insbesondere bei starkem Anstieg der Ansteckungen.

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Brandenburgs Gesundheitsministerium erklärte, dass Covid-19-Fälle von Ärzten oder Altenheimen unverzüglich an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden müssten. Die 18 Gesundheitsämter in Brandenburg müssen diese Zahlen spätestens am folgenden Arbeitstag an das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) melden. Aber, so sagte ein Sprecher des Ministeriums: „Auf Grund der hohen Arbeitsbelastung durch die hohe Fallzahl kommt es jedoch gelegentlich zu Verzögerungen.“

Das LAVG und der Koordinierungsstab Corona Brandenburgs meldeten zwar die tagesaktuellen Zahlen elektronisch an das RKI. Wegen der beschriebenen Verzögerungen davor jedoch würden noch Kurzmitteilungen an die Zentrale in Brandenburg geschickt, die noch nicht in die Meldesoftware eingegeben werden konnten. Das mache weniger Aufwand und sei tagesaktuell, die Zahlen könnten durch das RKI allerdings nicht berücksichtigt werden.

Die Gesundheitsämter wurden unterdessen verpflichtet, kurzfristig und einheitlich die Meldesoftware SurvNet und die Software zur Kontaktpersonen-Nachverfolgung SORMAS zu installieren und zu nutzen. Zwar seien alle 18 Gesundheitsämter an das Deutsche Elektronische Meldesystem für Infektionsschutz angeschlossen. Derzeit nutzten aber erst sechs Ämter SurvNet und SORMAS, die anderen zwölf seien noch bei der Umsetzung.

Weil SORMAS steht allerdings erst als lokale Version zur Verfügung stehe, warteten die Gesundheitsämter noch auf die neue Version SORMAS eXchange , die eine Kommunikation über Schnittstellen ermöglicht und sich in der Endphase der Entwicklung befinde.

Zur Unterstützung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat der Bund 50 Millionen Euro für Investitionen der Länder bereitgestellt. Für Brandenburg gab es eine der Einwohnerzahl entsprechende Zuweisung von 1.51 Millionen Euro. Landkreise und kreisfreie Städte hätten die Mittel bereits erhalten.