Die Österreicherin Johanna Nussbaumer beitet täglich von 12 bis 19:30 Uhr Alpenländische Spezialitätzen zum Mitnehmen. Foto: Privat

Berlin - Um den Bankrott zu vermeiden, setzen  jetzt sogar Nobelrestaurants auf Lieferservice oder Abholservice. Auch sie müssen sehen, wie sie Corona überstehen. Denn die Krise betrifft jeden, nicht nur die Eckkneipen!


Den Traditions-Italiener „Piccolo Mondo“ im Westend gibt es bereits seit gut 50 Jahren. Betreiber Antonio Cinque (61) hat auf einer Bestell- und Abholservice umgestellt. Täglich von 12 bis 18 Uhr können Kunden fast alle Speisen bei ihm mitnehmen. „Doch ich erreiche damit nur 10 bis 15 Prozent meiner Umsätze, die ich sonst machen würde. Wenn uns niemand hilft, sind wir am Ende.“ Soforthilfe habe er keine bekommen, sagt Cinque, und auch noch keinen Kredit. Dass die Restaurants noch geschlossen sein müssen, findet er „Blödsinn“.  

Finanzielle Unterstützung ist dringend notwendig

Bei „Cookies Cream“, einem vegetarischem Sternerestaurant in der Behrenstraße, läuft der Lieferservice mittlerweile gut. 15 Prozent der Einnahmen, die man sonst erzielt hätte, werden erreicht. „Wenn mir einer vor sechs Wochen erzählt hätte, dass wir Essen ausliefern, hätte ich das nicht geglaubt“, so Betreiber Heinz „Cookie“ Gindullis. Ihm blieb aber keine andere Wahl. Er sagt deutlich: „Wir sind auf Finanzhilfen angewiesen, sonst überstehen wir die Coronakrise nicht.“

Wenn mir einer vor sechs Wochen erzählt hätte, dass wir Essen ausliefern, hätte ich das nicht geglaubt.“

Heinz "Cookie" Gindullis vom Restaurant "Cookies Cream"

Der Hotel-und Gaststättenverband Dehoga beklagt, dass bei den Corona-Regeln alle Gastronomen pauschal gleich behandelt werden. Der Verband fordert einen Extra-Hilfsfonds für Restaurants und die Absenkung der Mehrwertsteuer auf  sieben Prozent.

Nicht jeder gastronomische Betrieb ist es wert, unterstützt zu werden

Gegen eine pauschale Hilfe für alle Gastronomen ist auch Willi Schlögl, Wirt in der Weinbar „Freundschaft“ in Mitte. „Man sollte darauf achten, welches Restaurant und welche Kneipe nach einer ersten Unterstützung wirklich weiter durchhalten würde. Außerdem sollte man jetzt im Sommer erst Betriebe mit Gastgarten öffnen – dort sitzen die Leute nicht so eng!“

Johannes Schellhorn (links) und willi Schlögl betreiben die VIP-Weinbar "Freundschaft" in Mitte. Unter dem Motto "freundschaft@home" gibt's auch von Ihnen das Beste zum Wein zum Mitnehmen. Foto: Imago Images

Schlögl ist aus Österreich – wie Johanna Nussbaumer. Sie bietet ihre Spezialitäten aus der „Nussbaumerin“ zum Abholen an – täglich, 12 bis 19:30 Uhr. „Es läuft gut, besser als erhofft. Wir werden es schaffen – wenn wir bald wieder richtig öffnen können. Am besten läuft Wiener Schnitzel!“

Francesca Schiano ist neue General Managerin des Hotels 25hours (Bikini Berlin): „Wir sind froh, vor allem die Stammkunden des „Neni“ beliefern zu können. Wirtschaftlich ist es nicht, aber wir können das Personal halten – und wir hoffen!“