Berlin ist Covid-Risikogebiet - das steht nun auch auf diesen Postkarten. Fotos: imago, gruesseausdemrisikogebiet.de

Angst vor dem Coronavirus gibt es überall – aber es zeigt sich immer wieder, dass Humor hilft, mit solchen Schwierigkeiten umzugehen. Das dachten sich auch Florian Kröckel und Magnus von Keil: Die beiden Berliner fanden in der Erkennung Berlins zum Risikogebiet sogar eine Marktlücke. Sie verkaufen Postkarten mit Hauptstadt-Motiven und dem Schriftzug „Grüße aus dem Risikogebiet“.

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Die Idee entstand durch Zufall, sagte Kröckel dem KURIER. Er arbeitet als Produktionsleiter für Kulturprojekte, organisiert viermal im Jahr eine Radioshow mit Sänger und Moderator Magnus von Keil bei radioeins. „Er gestaltete aus Spaß die erste Karte und postete sie auf Instagram. Ein paar Tage später sah ich, dass sich der Beitrag über mehrere Ecken verbreitet hatte.“ Die Reaktionen: amüsiert. „Also gaben wir die Karten in den Druck, ließen von einem Freund eine Website aufsetzen – und 48 Stunden später waren die neuen Ansichtskarten verkaufsfertig“, sagt Kröckel.

Die Neukölln-Postkarte zeigt unter anderem einen Mülleimer und ein Döner-Schild. Foto: gruesseausdemrisikogebiet.de

Inzwischen gibt es mehrere unterschiedliche Motive. Neben einer Karte mit der Aufschrift „Herzliche Grüße aus dem Risikogebiet Berlin“ bietet der Postkarten-Shop im Netz auch Bezirksvarianten. Vertreten sind Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und – selbstverständlich – der Corona-Hotspot Neukölln. Spannend dabei: Die abgebildeten Fotos sind allesamt ranzig und langweilig: Sie zeigen unter anderem ein umgekipptes Fahrrad, eine zerbrochene Bierflasche und eine Mund-Nasen-Maske im Herbstlaub.

Platten über Platten: Die Berlin-Karte zeigt eine graue Stadt. Foto: gruesseausdemrisikogebiet.de

„Auch wenn es abwegig klingt: die Berliner Tristesse bedeutet für viele von uns auch einfach Heimat“, erklärt Magnus von Keil die Motiv-Wahl. „Jeder, der nach längerer Abwesenheit je wieder in Tegel gelandet ist, kennt dieses Gefühl.“ Weitere Motive seien geplant, sagt Kröckel – auch des Erfolges wegen. „Weil die Reaktionen sehr gut sind. Die meisten Leute haben die nötige Ironie, um die Ansichtskarten zu verstehen.“