Ein Teilnehmer der Demonstration vor dem Brandenburger Tor hält ein beklebtes Kreuz in die Höhe. Foto: dpa/Markus Schreiber

Die Polizei hat am Mittwochmittag eine Demonstration von Corona-Leugnern in Berlins Innenstadt aufgelöst. Die Polizei forderte die Teilnehmer des Zuges an der Straße des 17. Juni auf, sich in Richtung Potsdamer Platz zu entfernen. Ein großer Teil der mehr als 8000 Demonstranten auf der Straße des 17. Juni ging aber zunächst nicht freiwillig. Einzelne Teilnehmer wurden weggetragen, mehr als 150 vorläufig festgenommen.

Augenzeugen berichteten, wie die Polizei im Tiergarten am Nachmittag massiv bedrängt wurde. Nach Angaben der Polizei versuchten Demonstranten, eine Absperrung vor dem Brandenburger Tor zu überwinden. Demnach wurden Flaschen auf Beamte geworfen, woraufhin die Polizisten Pfefferspray einsetzten. Einzelne Demonstranten trugen Taucherbrillen und Gasmasken. Im Tiergarten wurden nach Kontrollen Polizisten tätlich angegriffen. Sieben Menschen wurden festgenommen. Dabei sei auch Gewalt angewandt worden, erklärte die Polizei.

Anlass der Kundgebung war die Abstimmung über das geänderte Infektionsschutzgesetz am Mittwoch im Bundestag. Der Sprecher der Polizei, Thilo Cablitz, sagte, Schwerpunkt sei rund um die Straße des 17. Juni. Es sei bedauerlich, dass die Menschen es nicht einsähen, dem Infektionsschutz genüge zu tun, sagte der Sprecher. Laut Polizei wurden die wegen der Pandemie gebotenen Mindestabstände immer wieder missachtet und die Teilnehmer trugen zum großen Teil auch kein Mund-Nasen-Schutz.

Die Polizei ist weiterhin mit einem Großaufgebot von rund 2200 Beamten im Einsatz. Das Reichstagsgebäude sowie das Brandenburger Tor wurden weiträumig abgesperrt. Wasserwerfer stünden bereit und könnten „im „Bedarfsfall eingesetzt“ werden, sagte ein Polizeisprecher. Polizisten mit Hunden standen in der Nähe der Demonstranten. Auch Beamte auf Pferden waren zu sehen. Die Berliner Polizei wird von der Bundespolizei sowie Beamten aus mehreren Bundesländern unterstützt.

Bereits am Morgen war die Polizei gegen Demonstrierende vorgegangen, die sich nicht an Corona-Auflagen hielten.

Am Vormittag drohte die Polizei Teilnehmern mit einer Auflösung der Demo, da Mindestabstände nicht eingehalten wurden. Schließlich wurde zur Beurteilung der Lage ein Polizeihubschrauber eingesetzt.

Ein Video unseres Reporters vor Ort, Andreas Kopietz, zeigt, dass von vielen Teilnehmern weder Masken getragen noch Abstände eingehalten wurden.

Die Buslinie 100 wurde eingestellt, die Straße des 17. Juni gesperrt. Auch der Pariser Platz wurde am Morgen abgesichert.

Auch S-Bahn-Passagiere sind betroffen.

In der Vergangenheit waren bei Demonstrationen von Corona-Skeptikern in Berlin auch Wasserwerfer eingesetzt worden. Auch für die Demonstrationen am Mittwoch „nehmen wir unsere technische Ausrüstung mit“, sagte die Sprecherin.

Foto: dpa/Paul Zinken
Ein Teilnehmer der Demonstration auf der Straße des 17. Juni protestiert gegen die Corona-Beschränkungen und die Änderung des Infektionsschutzgesetzes.

So sind laut Polizei ab 10 Uhr etwa eine Versammlung am Brandenburger Tor mit 1000 angemeldeten Teilnehmern und eine auf der Straße des 17. Juni mit 500 angemeldeten Teilnehmern geplant. Mit 1000 Teilnehmern angekündigt sei zudem eine Demonstration am Nachmittag, die in der Nähe von Schloss Bellevue starten soll. Dazu kommen mehrere geplante kleinere Kundgebungen.

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Ein Aufzug, der ursprünglich in der Nähe des Reichstagufers mit 2000 Teilnehmern stattfinden sollte, sei verboten worden, sagte die Polizeisprecherin weiter. Einen Grund für das Verbot nannte sie nicht.