Sie arbeiten Tag und Nacht, um Leben zu retten und sich um die Corona- Infizierten zu kümmern: Berlins Arzte und Ärztinnen, Pfleger und Schwestern. Foto: dpa

Berlin Viele sind dankbar dafür, was die Menschen in den Kliniken derzeit leisten – er ganz besonders: Klaus Drauschke (57) wurde von Ärzten das Leben gerettet, nun gibt der Berliner etwas zurück. Denn die, die derzeit Leben retten und sich um die Corona-Infizierten kümmern, haben ein Problem: Wenn Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern nach vielen Stunden endlich in den Feierabend gehen können, sind die Supermärkte dank Hamsterkäufen oft wie ausgebombt. Während viele abends auf den Balkonen klatschen, stehen die Menschen im Gesundheitswesen vor Schwierigkeiten, wenn es ums Einkaufen geht.

„So jetzt reicht’s“, schrieb eine Pflegerin vor Tagen auf Twitter. „Hatte eine ganze Woche Zwölf-Stunden-Dienste. Musste jeden Morgen in einen anderen Supermarkt, um Toilettenpapier, Küchenrolle, Mehl, Nudeln zu suchen.“ Klaus Drauschke möchte helfen – denn inzwischen gibt es Portale für Menschen, die beim Einkaufen helfen wollen, aber keins speziell für Leute in Pflegeberufen. „Ich muss selbst jemanden schicken, weil ich zur Risikogruppe gehöre“, sagt Drauschke. „Aber das kann nicht jeder. Und die Leute aus der Medizin stehen vor leeren Regalen.“ Also gründete er die „Helfershelfer“.

Die Idee: Wer als Helfer für Pflegekräfte einkaufen möchte, kann sich bei initiative-helfershelfer.squarespace.com registrieren – gleiches können Menschen tun, die Hilfe suchen. Drauschke führt beide Parteien zusammen. Mehr als 50 Helfer haben sich registriert, auch erste Einkaufsaufträge wurden schon vergeben. „Ich hoffe, dass sich das Projekt vor allem in den Kliniken der Stadt herumspricht, damit es bald viele der Helden nutzen können“, sagt er. Drauschkes Motivation, ein solches Projekt zu starten, ist persönlich: „Nur den Ärzten habe ich es zu verdanken, dass ich heute überhaupt zur Risikogruppe gehören kann“, sagt er.

Klaus Drauschke gründete die Initiative „Helfershelfer“ – hier wird Menschen, die gerade  im Gesundheitswesen schuften, Hilfe beim Einkaufen angeboten. Foto: privat

Denn bei einem Krankenhausaufenthalt vor zwei Jahren stellten die Mediziner fest, dass seine Aorta am Herzen zu reißen drohte. „Durch Zufall und in letzter Minute.“ Not-OP! „Viele Leute sagen heute, dass sie von der Pandemie überrascht wurden, dass sie davon überrollt wurden. Das ging mir damals auch so – normalerweise bereitet man sich auf eine so Herz-OP lange vor, aber das konnte ich nicht. Ich habe lange gebraucht, bis ich die Narbe auf meiner Brust akzeptieren konnte.“ Er empfiehlt jedem, anderen zu helfen. „Denn all das, was wir gerade erleben, ist abstrakt, wenn man davon nur in den Nachrichten hört. Aber wenn man das erste Mal jemandem eine Einkaufstüte vor die Tür stellt, wird es real – und man bekommt einen anderen Blick auf alles“, sagt er.