Künstler Sinan Dur (42, links) und Organisator Jan Bollwerk (42) mit einem Gemälde, das im Spielzeugladen „Flying Colors“ ausgestellt wird. Foto: Bernd Friedel

Berlin-Schöneberg - Normalerweise sind in den Schaufenstern von Geschäften die Produkte zu sehen, die der jeweilige Laden anbietet – in Schöneberg ist neuerdings aber alles etwas anders. Hier stellen in ausgewählten Ladenlokalen Berliner Künstler ihre Bilder aus. Was seltsam klingt, ist ein neues Kunstprojekt, das den von der Corona-Krise gebeutelten Einzelhandel retten und zugleich Berliner Künstlern eine neue Plattform geben soll.

Kunst rettet Kiez heißt die Initiative, die jetzt startete – und die bald auch in anderen Kiezen Einzug halten soll. Die Idee: „Wir wissen aus vergangenen Projekten, dass Kunst sehr gut dazu für die gemeinnützige Arbeit geeignet ist“, sagt Jan Bollwerk (42), der zum Organisationsteam des Projektes gehört. „Die Berliner Künstler wurden von der Corona-Krise schwer getroffen, weil Ausstellungen und Galerien schließen mussten und deshalb wichtige Plattformen für die Szene fehlen. Und die Einzelhändler litten unter der Schließung der Geschäfte. Wir wollten für beide eine Win-win-Situation schaffen: Die Künstler stellen aus – und durch die Kunst werden die Blicke der Menschen wieder auf die Schaufenster gelenkt.“

Die Berliner Künstler wurden von der Corona-Krise schwer getroffen, weil Ausstellungen und Galerien schließen mussten und deshalb wichtige Plattformen für die Szene fehlen. Und die Einzelhändler litten unter der Schließung der Geschäfte.

Jan Bollwerk, Initiative „Kunst rettet Kiez“

Künstler und Händler konnten sich für die Teilnahme an dem Projekt bewerben, die erste Freiluft-Ausstellung entstand so im näheren Umfeld des Akazien-, Goltzstraßen- und Nollendorfkiezes in Schöneberg. 40 Künstler und Künstlerinnen und 30 Geschäfte nahmen teil. Weitere Ausstellungen dieser Art sollen folgen. „Das Projekt soll bald weiterziehen und auch andere Kieze besuchen“, so Bollwerk. Als nächstes geht es nach Tempelhof und Kreuzberg – dafür werden derzeit schon Künstler und Einzelhändler gesucht.

Einer der Beteiligten der Schöneberger Ausgabe ist Sinan Dur (42), der sein Bild in einem Spielwarenladen in der Eisenacher Straße zeigen darf. Seit seiner Kindheit interessiert er sich für die Malerei. Das Markenzeichen: „Alle Menschen, die auf meinen Bildern zu sehen sind, haben blaue Gesichter und orangefarbene Haare. Ich will damit ausdrücken, dass wir alle gleich sind, unabhängig von Hautfarbe. Geschlecht und sozialen Aspekten.“ Für ihn sei das Projekt eine tolle Möglichkeit, seine Bilder trotz Krise zu zeigen. „Ich kenne viele Kollegen, die von der Krise schwer getroffen wurden, die nun auch kein Geld verdienten, weil in Galerien keine Bilder verkauft werden konnten.“ Auch viele Kunstmärkte seien über Wochen geschlossen gewesen, erzählt Bollwerk. Die ausgestellten Bilder aus den Schaufenstern können deshalb natürlich auch gekauft werden.