Herrliche Herbst-Natur: Farbenprächtig leuchtet der Sonnenuntergang bei Sieversdorf. Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Corona-Pandemie lässt in Berlin nicht nur die Nachfrage nach Kleingärten steigen. Auch Umweltverbände verspüren ein stärkeres Interesse an der Natur. Der Naturschutzbund (Nabu) etwa registrierte im ersten Halbjahr 40 Prozent mehr Neu-Mitglieder als im Vergleichshalbjahr 2019, wie Geschäftsführerin Jutta Sandkühler berichtet. Es habe zudem weniger Austritte gegeben als im Vorjahr.

„Jede Woche fragen um die zehn Personen persönlich in der Landesgeschäftsstelle an, in welchem Bereich sie sich engagieren könnten“, so Sandkühler. Außerdem würden viele Anfragen an die einzelnen Gruppen in den Bezirken gerichtet. Auch die Nutzung der Social-Media-Kanäle sei angestiegen.

Beim BUND gibt es teilweise einen regelrechten Ansturm auf Führungen, seit diese wieder stattfinden. „Kürzlich kamen an einem Montagabend 50 Teilnehmer zur Führung ,Bestäuberfreundliche Lebensräume gestalten‘ in die Lichterfelder Weidelandschaft“, sagt Sprecherin Carmen Schultze. Das sei erstaunlich, die Veranstalter hätten mit etwa 20 Personen gerechnet. „Die Leute scheinen regelrecht ausgehungert zu sein“, so Schultze.

Kraniche stehen auf einem Feld bei Linum in Brandenburg. Foto: Imago Images/Travel-Stock-Image

Auch die Wahrnehmung der Natur habe sich verändert. „Es werden dem Nabu deutlich mehr Naturbeobachtungen gemeldet, Fotos geschickt, Fragen gestellt“, sagt Sandkühler.

Während man bei großem Zulauf im Freien die Gruppen einfach teilen könne, gestalteten sich Seminare in geschlossenen Räumen schwierig, so Schultze. „Ausreichend große Seminarräume, um Abstand zu halten, sind nur schwer zu finden und sprengen meistens das Budget. Seminare sind dadurch kaum finanzierbar“, so Schultze. „Besonders schwierig ist die fehlende Planungssicherheit bei kommenden Seminaren, ob diese wie geplant stattfinden können“, sagt sie.

„Durch die Kontaktbeschränkungen wurden viele Angebote in den digitalen Raum verlegt, und Arbeitskreise, Seminare und auch Kennenlerntreffen wurden über Videokonferenz durchgeführt. Selbst ein Workshop zu Improtheater wurde digital umgesetzt. Zum Teil setzen wir das auch fort“, so die BUND-Mitarbeiterin.

Entspannung an der Havel: Spaziergängerinnen legen im Park Babelsberg eine Pause ein. Foto: Imago Images/Chromorange/K.-H. Spremberg

Die Grüne Liga veranstaltet in diesem Jahr sogar ihr traditionelles Umweltfestival komplett online. Statt auf der Straße des 17. Juni können sich die etwa 250 Aussteller drei Monate lang im Internet präsentieren, sagt Sprecher Gunnar Hamel. Normalerweise kämen rund 60.000 Besucher zum Festival. Nutzerzahlen der Online-Variante nannte Hamel nicht. Die Aussteller würden das Angebot aber rege annehmen.

Weil es in der Corona-Zeit viele Anfragen zur Bepflanzung und Begrünung von Balkonen gegeben habe, biete die Grüne Liga ab 1. Oktober auch ein Projekt mit Beratungsangeboten an, so Hamel.

Das Netzwerk Grüne Liga engagiert sich zudem für Schul- und Nachbarschaftsgärten in Marzahn-Hellersdorf. Diese seien in der Corona-Zeit regelrecht aufgeblüht, berichtet Projektleiterin Nina Fuchs. „Wir hatten ursprünglich befürchtet, dass die Schulgärten vertrocknen“, so Fuchs. Doch Lehrer und Schüler hätten im Zuge der Notbetreuung viel Zeit in den Schulgärten verbracht. Auch die Nachbarschaftsgärten hätten einen regen Zulauf gehabt und neue ehrenamtliche Gärtner gefunden. 

Natur-Fans entdecken die Spree vom Kanu aus. Die Tour führt sie von Cottbus nach Burg im Spreewald. Foto: Imago Images/Rainer Weisflog