Einsatzkräfte der Polizei stehen am Dienstagabend in der Straße Alt-Buckow. Foto: Privat

Die Polizei Berlin hat in Neukölln durch ihre starke Präsenz eine Hochzeitsfeier im Clanmilieu beendet. Die Behörde war am Dienstagnachmittag mit zahlreichen Einsatzkräften zu einer Villa in der Straße Alt-Buckow ausgerückt, um das Grundstück zu beobachten. Ein Mann der bekannten Berliner Großfamilie R. heiratete nach Informationen des Tagesspiegel eine Frau aus einem anderen, ebenfalls bundesweit bekannten Clan. Ermittler waren davon ausgegangen, dass die Zusammenführung der beiden Familien zu einem Andrang von Partygästen hätte führen können.

Der großangelegte Einsatz sollte den Clans auch zeigen, dass die Ermittlungsbehörden sie im Blick haben. Beamte mit Sturmmasken warteten zum Teil mit Maschinenpistolen bewaffnet auf dem Gehweg vor dem Haus. Auch das Ordnungsamt war mit mehreren Einsatzkräften vor Ort, um eventuelle Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz und die damit verbundenen Corona-Verbote zu überprüfen.

Lesen Sie auch: Urteil: Der Mörder von Noelle (15) muss lebenslang in den Knast

Auf einem Supermarktparkplatz, wenige hundert Meter entfernt, stand ein weiteres Großaufgebot der Polizei in Wartestellung. Nach Angaben der Polizei waren insgesamt 150 Beamte in der Zeit von 16.30 bis 22 Uhr im Einsatz.

Zeugen berichteten dem KURIER, dass das Catering bereitgestanden habe, weiße Tauben sollten im Garten zu Ehren des Brautpaars aufsteigen. Gegen 20.20 Uhr sei eine schwarze Mercedes-Limousine vorgefahren, aus der das Brautpaar ausstieg und dann im Inneren des Gebäudes verschwand. Wie viele Personen sich letztlich tatsächlich in dem Haus aufgehalten haben, war unklar. Das Catering wurde wenig später ins Innere des Gebäudes verlegt.

„Die Hochzeitgesellschaft kam irgendwann auf uns zu und sagte die Veranstaltung ab. Es standen ihnen dann wohl doch zu viele Polizisten vor dem Grundstück“, sagt eine Polizeisprecherin. Das Gelände wurde von den Beamten nicht betreten, heißt es. Es wurden auch keine Anzeigen gefertigt oder Ordnungswidrigkeiten registriert.

Das Grundstück samt Villa ist der Polizei seit Jahren bekannt. Dort wohnt unter anderem das Oberhaupt der Familie R., gegen die in zahlreichen Fällen ermittelt wird. So hatte die Staatsanwaltschaft 2018 insgesamt 77 Immobilien des Clans beschlagnahmt. Darunter auch die Villa, in der nun die Hochzeitsfeier stattgefunden haben soll. 2020 bestätigte ein Berliner Gericht die Beschlagnahmung, nachdem der Clan dagegen Beschwerde eingelegt hat. Obwohl das Land Berlin inzwischen Eigentümer ist, wohnen noch immer Clan-Mitglieder in dem Haus.

Mitglieder der Familie R. tauchen immer wieder im Zusammenhang mit spektakulären Raub- und Diebstahltaten auf. So wurden 2017 mehrere Angehörige für den Diebstahl der Goldmünze aus dem Bodemuseum verurteilt. Nach dem Juwelen-Diebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden sitzen weitere Clan-Mitglieder in Untersuchungshaft.