Es sieht aus, als müsste Berlin die ausgesprochenen Lockerungen bald wieder zurücknehmen. Foto: dpa/Annette Riedl

Die Corona-Inzidenz steigt unaufhörlich. Das gilt für Deutschland genauso wie in Berlin. Am Mittwochnachmittag meldete die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales in ihrem täglichen Lagebericht einen Wert von 94,8! 630 Menschen hatten sich in den vergangenen 24 Stunden in Berlin mit dem Coronavirus infiziert. Neun weitere Menschen sind gestorben. Bald könnte in der Hauptstadt die Notbremse greifen.

So haben es Bund und Länder am 3. März besprochen: „Steigt die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner an drei aufeinander folgenden Tagen in einem Bundesland oder einer Region auf über 100, treten ab dem zweiten darauffolgenden Werktag die Regeln, die bis zum 7. März gegolten haben, wieder in Kraft.“

Berlin steuert im Eiltempo auf diesen Wert zu. Noch vor einer Woche lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 59,6 - jetzt liegt sie bei 94,8! Geht es in dem Tempo weiter, wird die 100 in zwei Tagen erreicht. Und wenn es so weit ist? Einen Automatismus werde es bei diesen Fragen indes nicht geben, teilte die Gesundheitsverwaltung mit. Über Änderungen der Corona-Strategie befinde immer der Senat. Dieser will sich voraussichtlich am Freitag oder am Wochenende zu einer Sondersitzung zusammenschalten; noch ist kein Termin bestätigt. Offen ist auch, ob vor der nächsten Schalte der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel am kommenden Montag Entscheidungen fallen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte sich zuletzt mehrfach dafür ausgesprochen, bundesweit einheitlich vorzugehen. „Es gibt gute Gründe dafür, dass wir uns an der 100 orientieren. Das ist ein guter und nachvollziehbarer Richtwert“, sagte er am Dienstag. 

Sollte die bei konstanten Werten über 100 eine „Notbremse“ zum Tragen kommen, könnte sie mehrere Bereiche betreffen, in denen es in den vergangenen Tagen und Wochen nach monatelangem Lockdown vorsichtige Öffnungen gab. Es handelt sich etwa um die Regeln für private Zusammenkünfte, die im Lockdown nur mit einer haushaltsfremden Person möglich waren und seit 4. März wieder mit 5 Personen aus zwei Haushalten – jeweils plus Kinder unter 14 Jahren.

Betreffen könnte das auch zwischenzeitlich geöffnete Einzelhändler, Museen, Galerien, Zoos und Gedenkstätten sowie den Sport im Freien, der seit zwei Wochen mit bis zu 5 Erwachsen aus zwei Haushalten oder bis zu 20 Kindern erlaubt ist. Am Dienstag hatte der Senat zunächst entschieden, weitere Lockerungen zu verschieben.

Die höchste Inzidenz wird derzeit mit einem Wert von 117,9 aus Neukönn gemeldet, dicht gefolgt von Reinickendorf (116,6). Den niedrigsten Wert hat aktuell Treptow-Köpenick (74,2).

Aktuell stehen im Berliner Lagebericht zwei Ampeln auf Rot. Der R-Wert betrug am Mittwoch-Nachmittag 1,22. Das beudeutet, dass 100 Infizierte im Schnitt 122 andere Menschen anstecken. Aktuell sind zudem 17,3 Prozent der Berliner Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt.