Das Impfen gegen Corona in Apotheken: So einfach, wie es sich der Bund denkt, geht es offenbar nicht. dpa

Der Bundestag hat es beschlossen. Um das Impfen gegen Corona zu beschleunigen, dürfen ab sofort auch Apotheker die Bevölkerung impfen. Theoretisch könnte die über 700 Berliner Apotheken damit ab Montag starten. Derr Großteil wäre dazu auch bereit. Aber in der Praxis gilt es noch jede Menge offene Fragen zu klären. „Mit den Impfen kann es in den Apotheken frühestens im Januar losgehen“, sagte Anke Rüdinger (56), Vorsitzende des Berliner Apotheker-Vereins, dem KURIER.

In ihrer Castello-Apotheke in Lichtenberg ist die Nachfrage groß. Kunden wollten am Sonnabend bereits wissen, wann dort das Impfen gegen Corona beginnt. „Es sind vor allem Menschen, die die dritte Auffrischungsimpfung bei uns lieber heute als morgen bekommen wollen“, sagt Rüdinger.

Nach einer Umfrage hat sich bundesweit jeder zweite Apotheker für das Impfen bereit erklärt. In Berlin laufe noch die Umfrage dazu. Das Ergebnis wird frühestens für Montag erwartet. Die Tendenz: Mehr als 50 Prozent der Berliner Apotheker, die bereits geantwortet haben, wollen mitimpfen, so Verbandschefin Rüdinger. Doch so einfach sei es nicht, damit gleich zu beginnen.

Impfregelung ist noch gar nicht im Gesetzblatt veröffentlicht

Zunächst muss die neue Regelung erst einmal im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden. Erst dann haben die Apotheker die rechtliche Grundlage für den Impfstart. Allerdings müssen sie erst einmal geschult werden. Dies geschehe über Ärzte, die Schulungen werden über der Berliner Apothekenkammer organisiert. Das wird Wochen dauern. In Berlin sind allerdings schon 200 Apotheker ausgebildet, die etwa die Grippeschutzimpfung durchführen. „Aber auch sie können nicht sofort starten“, sagt Rüdinger.

Anke Rüdinger, Vorsitzende des Berliner Apoteker-Vereins Berliner Apotheker

Viele Fragen müsse der Gesetzgeber noch beantworten und rechtlich fixieren, so die Verbandschefin. Und das würde viel Zeit benötigen. Daher ist das Impfen in den Apotheken erst ab Januar und nicht schon vor Weihnachten denkbar, erklärt die Verbandschefin.

Woher kommt der Impfstoff, wer bezahlt ihn? 

Zu den offenen Fragen gehöre vor allen, wie die Apotheker überhaupt an den Impfstoff herankommen. Für die Ärzte dürfen sie auf Grundlage von Rezepten die Vakzine bestellen, aber nicht für sich selbst. Das sei bisher nicht erlaubt. Dafür müsse nun das Infektionsschutzgesetz geändert werden, so Rüdinger.

Der nächste Punkt ist die Bezahlung. Wer übernimmt die Kosten für den Impfstoff? Müssen die Apotheker bei der Bestellung etwa in finanzielle Vorleistung gehen? Und: Wie werden die Apotheker für das Impfen bezahlt? Die Bundesapothekenkammer verweist darauf, dass die Apotheker genauso für das Impfen vergütet werden müssten wie die Ärzte. Demnach erhalten derzeit die Ärzte je Impfung 28 Euro, wochenends sogar 36 Euro.

Einige Berliner Apotheker dürfen in einem Modellversuch bereits Kunden die Grippeschutzimpfung verabreichen. dpa

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Dazu müssen ganz praktische Dinge rechtlich geklärt werden. Etwa, in welchen Räumen die Impfungen stattfinden, erklärt Anke Rüdinger. Kann das Impfen beispielsweise im Verkaufsraum durchgeführt werden? „Die meisten Apotheken haben ja Beratungsecken. Oder muss in einem anderen Raum geimpft werden? So könnten Apotheker ihre Testzentren, die sie zum Beispiel separat betreiben, auch für das Impfen nutzen. Das dies geklärt wird, ist wichtig“, sagt Rüdinger. Genauso, ob die Impfungen während des normalen Apotheken-Betriebes ablaufen sollen oder zu gesonderten Zeiten.

„Das Aufbereiten der Impfdosen ist für uns kein Problem“

Ähnliche Fragen und Probleme stellten sich auch für die Tier- und Zahnärzte, die nun mitimpfen sollen, sagt Rüdinger. Kein Problem sei es dagegen, den Impfstoff aufzubewahren. Auch nicht für die Apotheken. Selbst die Herstellung der Dosen wäre leistbar. „Das wir Apotheker dies können, haben wir beim Aufbereiten der Dosen schon in den Impfzentren bewiesen“, sagt die Verbandschefin. Auch die Räumlichkeiten stünden dafür zur Verfügung. „Jede Apotheke  besitzt ein Labor, wo auch die Vakzine zu impfbereiten Dosen hergestellt werden können“, sagt Rüdinger.

Ein Hauptproblem ist aber, dass derzeit gar nicht genug Impfstoff vorhanden sei, um ein Eingreifen der Apotheker ins Impfgeschehen notwendig zu machen. Verbandschefin Rüdinger gibt da der Berliner Kassenärztlichen Vereinigung recht, die vor Tagen erklärte, dass man zum Impfen nicht noch „zusätzliche Player sondern mehr Impfstoff bräuchte“. „Ich werde jedenfalls keinem Arzt die für ihn bestimmten Dosen wegnehmen, nur damit ich auch Impfen kann“, sagt die Apothekerin.