Schülerin Julia steht nach ihrer Impfung gegen das Coronavirus in der Apotheke, in der sie geimpft wurde. dpa/Sebastian Gollnow

Einen Termin für eine Corona-Impfung zu bekommen, das ist in Berlin auch spontan kein Problem: In Impfzentren und beim Hausarzt finden Impfwillige derzeit noch am selben Tag Kapazitäten. Anders sieht es auf dem Land aus: In Brandenburg liegt die Impfquote deutlich unter dem Bundesschnitt an zweitletzter Stelle vor Sachsen. Weil die Apotheke vielleicht näher liegt als die Hausarztpraxis und zur Apothekerin ein gewachsenes Vertrauen besteht, könnte ein Impfangebot hier eine klaffende Lücke schließen: Denn vor allem bei Älteren ist der Impfschutz gegen Corona noch lückenhaft. Eine spontane Impfung beim Gang in die Apotheke könnte Menschenleben retten – so die Überlegung hinter der Aktion, Impfungen auch in Apotheken durchführen zu lassen.

Nur ein Bruchteil der geschulten Apothekerinnen und Apotheker beteiligt sich an der Impfaktion

Am Dienstag, den 8. Februar geht es los, doch die Aktion droht vom Beginn an zu floppen: Bundesweit beteiligen sich gerade einmal 500 der insgesamt 18.500 Apotheken an dem Angebot. Doch weitere Apotheken könnten nachziehen: Insgesamt 6000 Apothekerinnen und Apotheker wurden bundesweit geschult, in Brandenburg haben sich nach Zahlen des RBB allerdings nur 100 Mitarbeitende für die Impfungen ausbilden lassen. Erfahrene Impfärzte bereiteten die Pharmazeuten auf die Aufgabe theoretisch und praktisch vor. Doch aus der Ärzteschaft kommt massive Kritik: Corona-Impfungen in Apotheken seien nicht zielführend, so der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. „Aktuell gibt es keinen Mangel an Impfmöglichkeiten, sondern vielmehr ein Überangebot“, sagte der Mediziner. In seinen Augen ergebe es daher wenig Sinn, noch mehr Impfstellen zu eröffnen. „Es ist nicht zu erwarten, dass diese Maßnahme die Impfkampagne ankurbelt.“

Bereits am Montag hatten die ersten Apotheken in Nordrhein-Westfalen mit dem Impfen begonnen. Der Hausärzteverbands-Vorsitzende sagte, zu Beginn der Impfkampagne seien die größten Hürden der Impfstoffmangel, unklare Zuständigkeiten und schlechte Kommunikation gewesen. „Das werden wir auch wieder erleben, wenn ein an Omikron angepasster Impfstoff zur Verfügung steht“, fügte er hinzu. Doch dann sei es nicht zielführend, wenn die begrenzte Menge Impfstoff auf immer mehr Impfstellen verteilt werden müsse. Weigeldt befürchtet, dass es in einer solchen Situation für Patientinnen und Patienten immer unübersichtlicher wird. Zudem bleibe es abzuwarten, wie viele Apotheken am Ende wirklich impfen und damit den logistischen und administrativen Aufwand auf sich nehmen.

Corona-Impfung in Apotheken: Das müssen Impfwillige wissen

Welche Apotheken bieten den Corona-Piks an?

Auf der Seite mein-apothekenmanager.de können Impfwillige nach Apotheken suchen, die Corona-Impfungen anbieten. Diese Seite gibt auch einen Überblick über Apotheken, die digitale Impfzertifikate ausstellen. Das Problem: Am Dienstagvormittag war diese Seite überlastet und nicht aufrufbar.

Sind Mitarbeiter der Apotheken für die Impfungen überhaupt qualifiziert?

Apothekerinnen und Apotheker, die Corona-Impfungen verabreichen, haben zuvor eine Schulung durchlaufen, in der sie auch mit möglichen Impfreaktionen vertraut gemacht wurden. Die Mitarbeitenden wurden theoretisch und praktisch auch in speziellen Erste-Hilfe-Maßnahmen ausgebildet. Dennoch rät die Brandenburger Apothekerin Andrea König im RBB, sich bei vorhersehbaren Impfreaktionen gleich in eine Arztpraxis oder ein Impfzentrum zu gehen: „Wenn jemand beispielsweise nach den ersten beiden Impfungen jedes Mal komplett aus den Latschen gekippt ist, würde ich empfehlen, sich unter ärztlicher Aufsicht impfen zu lassen.“

Welche Impfstoffe stehen zur Auswahl?

Theoretisch können die Apotheken sämtliche in Deutschland zugelassene Impfstoffe bestellen. Einer Umfrage unter Apotheken zufolge wurde vor allem der Impfstoff von Biontech geordert, weniger Chargen des mRNA-Impfstoffes von Moderna. Astrazeneca wird seit Ende 2021 nicht mehr in Deutschland eingesetzt, Johnson & Johnson spielt ebenfalls kaum noch eine Rolle. Ab Februar wird auch der Protein-Impfstoff Novavax eingesetzt, der oftmals fälschlicherweise als Totimpfstoff bezeichnet wird.

Können sich auch Kinder in Apotheken impfen lassen?

Kinder unter 12 Jahren können sich nicht dort impfen lassen, einige Apotheken impfen nur Volljährige.

Was kostet die Impfung?

Impfwillige kostet der Piks nichts. Die Apotheken werden für die Impfungen entschädigt, allerdings soll die Vergütung deutlich unter derjenigen von qualifizierten Impfärzten liegen.

Welche Dokumente benötige ich?

Bringen Sie Ihren Ausweis und den Impfausweis mit. Apotheken verkaufen auch Impfausweise. Deren Preise sind seit Beginn der Corona-Impfaktion massiv angestiegen.