Schon seit Tagen gibt es Schlangen vor dem Impfzentrum an der Berliner Messe - auch wegen   Foto: Benjamin Pritzkuleit

In Berlin können von Donnerstag an Auffrisch-Impfungen gegen Corona schon fünf Monate nach der zweite Spritze gesetzt werden. Das erklärte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt bisher eine Frist von sechs Monaten.

Das Interesse der Impfwilligen hab in den vergangenen Tagen stark zugenommen und werde wohl weiter zunehmen. Die Berliner Praxen, den beiden Impfzentren und mobile Impfteams bieten seit Anfang September Auffrisch-Impfungen an.

Berlin boostert bundesweit besonders behende

292.000 Berliner haben sich bislang „boostern“ lassen, damit liegt die Stadt um 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Voll geimpft sind über 70 Prozent der Berliner, Auffrischungen inbegriffen.

Burkhard Ruppert, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, goss allerdings Wasser in den Wein: „Boostern für alle Impfwilligen ist allerdings nicht von heute auf morgen möglich. In den Praxen ist der Andrang mittlerweile sehr groß. Wir erwarten, gegebenenfalls auch durch veränderte Stiko-Empfehlungen, in den nächsten Wochen eine große Welle an Impfwilligen, die wir versuchen, so schnell wie möglich abzuarbeiten.“

Wolfgang Kreischer, der dem Hausärzteverband Berlin und Brandenburg vorsitzt, bat gleichfalls um Geduld, weil die Praxen sehr viel zu tun hätten: „Wir führen Booster-Impfungen durch, parallel dazu Grippeimpfungen und für Nachzügler, auch noch Erstimpfungen.“

Der Senat prescht vor, nachdem aus vielen Teilen Deutschlands und auch aus Berlin gemeldet wurde, dass  Impfzentren oder niedergelassene Ärzte Impfwillige abweisen, weil deren letzte Impfung noch nicht sechs Monate zurückliegt. Sie berufen sich dabei auf Vorgaben der Stiko mit der Halbjahresfrist bei der Auffrischung, falls man nicht älter als 70 Jahre ist, nicht an einer Immunschwäche leidet, nicht im Pflegeheim lebt oder dort beziehungsweise im Krankenhaus arbeitet.