Viele fürchten Corona-Infektionen in Schulen – nun hat es ein Spandauer Gymnasium erwischt. Foto: Gregor Fischer/dpa

Es klingt zunächst nach der Horrornachricht, die alle befürchtet haben: Ein Lehrer geht zum Hausarzt, weil er trockenen Husten hat. Er lässt sich auf das Coronavirus testen, erfährt Mittwochabend in der vergangenen Woche: Er ist positiv. Das Gesundheitsamt kommt an seine Schule, testet insgesamt rund 120 Personen und findet zehn infizierte Schülerinnen und Schüler in drei Lerngruppen der Oberstufe und einen in der Mittelstufe – alle hatten sie Unterricht bei dem Mann.

Nun ist die Schule seit Montag geschlossen und bleibt es noch die ganze Woche. Das erste große Ausbruchsgeschehen an einer Berliner Schule, dem freien Wilhelmstadt Gymnasium in Spandau?

„Das können wir so überhaupt nicht sagen“, sagte die Spandauer Amtsärztin Gudrun Widders. Es sei zwar nicht auszuschließen, dass die Schüler sich bei dem Lehrer oder auch er sich bei einem von ihnen angesteckt haben könnte. Genauso gut könne es sich aber um Zufallsfunde handeln – unter den infizierten Schülern seien beispielsweise auch Reiserückkehrer gewesen. „Fakt ist“, sagte Widders, „wir haben jetzt alle Befunde von möglichen Kontaktpersonen zurückbekommen, und der Ausbruch ist beschränkt geblieben auf die zehn Schüler und den Lehrer.“ Das heißt, auch in den Familien und unter den engeren Kontaktpersonen der Schüler außerhalb der Schule konnten bisher keine weiteren Infektionen festgestellt werden.

Eine zweite Runde an Tests wurde laut Widders am Mittwoch durchgeführt, die Befunde müssen noch abgewartet werden. „Und wir lassen die Schule bis Freitag geschlossen, um auszuschließen, dass nach fünf bis sieben Tagen Inkubationszeit doch noch jemand Symptome entwickelt.“ Zuerst war es eine Sicherheitsmaßnahme gewesen, weil auch Spandau unter dem derzeit berlinweiten Problem der überlasteten Labore leidet. Die ersten Befunde vom Freitag kamen erst am Dienstag.

Glück im Unglück also erst mal? Ein Anruf bei Schulleiter Bünyamin Baykus ergibt Erstaunliches: Der Mann wirkt fröhlich, geradezu entspannt. Bis auf das Pech, dass es seine Schule mit elf Infektionsfällen bisher am stärksten von allen getroffen hat, läuft es seiner Schilderung zufolge eigentlich richtig gut. „Wir wurden ja vorher schon von der Schulaufsicht angewiesen, auf drei Szenarien immer vorbereitet zu sein: Regelbetrieb, einige Lerngruppen in Quarantäne und alle Schülerinnen und Schüler zu Hause“, sagte er dem KURIER am Mittwoch. Wochenpläne für die Kernfächer habe es deshalb schon gegeben, und der Unterricht finde nun eben online statt.

Wie sie das machen, hat Baykus seinen Kollegen weitestgehend selbst überlassen. Eine einheitliche Plattform für die ganze Schule wie etwa den Lernraum Berlin, Itslearning oder die Schulcloud nutzen die Wilhelmstadtschulen noch nicht. Nun tauschten sich manche mit dem Videokonferenztool Jitsi, andere über die Online-Plattformen der Lehrbuchverlage mit ihren Schülerinnen und Schülern aus, erzählt Baykus. Mit den Schülern gebe es da überhaupt keine Probleme – „und meine Helikoptereltern kenne ich ja schon“, sagt Baykus. „Die habe ich direkt selbst angerufen und gefragt, ob alles gut klappt zu Hause.“

Was den Hygieneplan der Schule betrifft, hat er sich nichts vorzuwerfen: „Wir haben uns an alle Vorgaben der Senatsverwaltung gehalten“, sagt Baykus – Maskenpflicht auf den Fluren, Türen und Fenster ständig offen, Sport nur im Freien, Abstand halten, wo es geht. Das Einzige, was er verändern will, wenn das Gymnasium am kommenden Montag wieder aufmachen darf: „Ich will die Kollegen noch stärker sensibilisieren, sich nie mit mehr als einer anderen Person in den Fachbüros aufzuhalten.“ Eher eine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme als eine Fehlerkorrektur: Zumindest die erste Testrunde an 120 Personen an der Schule hat ergeben, dass alle Lehrerinnen und Lehrer außer dem Indexfall negativ waren. Und die zehn infizierten Schülerinnen und Schüler, so Baykus, seien bisher symptomlos.