Winterliche Volksfeststimmung im Volkspark Schöneberg.
Foto: Markus Wächter

Lebensfreude kann in diesen Zeiten manchmal auch verdächtig sein, und deshalb wird schon mal die Polizei gerufen, wenn es irgendwo zu hoch hergeht: zum Beispiel auf den hunderten großen und kleinen Rodelhängen dieser Stadt. Selbst wenn draußen ein strammer Wind weht, rückt die Polizei hier und da aus und kontrolliert die Einhaltung der Corona-Regeln.

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„Meine Tochter kam mit ihrer Freundin weinend aus dem Volkspark Friedrichshain zurück“, erzählt Ferdinand Pohl, ein 45-jähriger Familienvater. „Die beiden erzählten, dass die Polizei alle weggeschickt hat, die keine Maske dabei hatten.“ Die Polizei sei nicht im Dauereinsatz, habe aber ab und an vorbeigeschaut. „Die Polizisten waren äußerst freundlich, aber auch sehr bestimmt“, sagt Pohl. „Am nächsten Tag hatten die Kinder ihre Masken dabei – und alles war gut.“

Dicht gedrängt am Insulaner

Bei der Polizei heißt es, dass auf den bekannten Rodelstrecken der Stadt stichpunktartig kontrolliert werde. „Es waren zum Beispiel am Sonntag 300 Leute sehr dicht gedrängt an der Piste am Insulaner“, sagte ein Polizeisprecher.

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Derzeit sind die Rodelhügel wahre Magnete für die Menschenmassen, denn gerade Familien freuen sich, wenn die Kinder sich mal austoben können und nicht nur in der Wohnung hocken. Obwohl Ansteckungsgefahr vor allem in geschlossenen Räumen besteht, dürfen sich die Berliner auch bei strammem Wind und klirrenden Minusgraden in den Parks dieser Stadt nicht zu eng begegnen. Und oben an den Rodelhängen kommt es schon mal zu Staus. „Wenn die Abstandsregeln dort nicht eingehalten werden können, muss eine Maske getragen werden“, sagt der Polizeisprecher.

Oft können die Abstandsregeln nicht eingehalten werden.  Foto: Markus Wächter

Dann gelten auf den Rodelhängen dieselben Regeln, die vor Wochen für belebte Einkaufsstraßen wie den Kurfürstendamm verhängt wurden: also Maskenpflicht im Freien. Der Unterschied ist, dass auf dem Kudamm so gut wie nichts los ist. Auf den Rodelhängen sehr wohl. Sie gelten nun als sogenannte belebte Plätze. Und die Leute sollen auch in einer Schlange ihre Masken tragen.

Es gehe auch darum, dass die Eltern oft recht eng beieinander stehen. Die Polizei weise dann auf die Maskenpflicht hin und wenn sich jemand weigere, werde die Ordnungswidrigkeit aufgenommen und ans zuständige Ordnungsamt weitergeleitet. Dort werde dann entschieden, ob ein Bußgeld verhängt werde, sagte der Polizeisprecher. Das sei aber eher bei „Wiederholungstätern“ der Fall.

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Der Polizei sind derzeit keine Pisten bekannt, die wegen Corona oder besser gesagt wegen der Menschenmassen von den zuständigen Bezirksämtern gesperrt wurden.

Seit einer Woche gesperrt

Bereits am 5. Februar sind allerdings die Pisten am Hahneberg vom Bezirksamt Spandau gesperrt worden. Dort befindet sich die wohl längste Rodelpiste Berlins. „Doch nicht überall, wo es einen Hügel gibt, ist auch das Rodeln erlaubt“, teilte das Amt mit. Die Sperrung dort erfolgte deshalb, weil es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. „Das Umwelt- und Naturschutzamt weist darauf hin, dass das Betreten der Naturschutzgebietsflächen am Hahneberg eindeutig verboten ist und dies auch für das Ski- und Schlittenfahren gilt.“ Beim ersten Schnee griff dort die Polizei ein, leitete etliche Ordnungswidrigkeitsverfahren ein und schickte die Rodler weg.

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„Die Vegetationsschicht unter dem Schnee ist in erster Linie Lebensraum für seltene und gefährdete Käfer- und Heuschreckenarten, Spinnen und Zauneidechsen und besteht aus seltenen und gefährdeten Pflanzen“, heißt es. Die Schneedecke sei bei Frost ein guter Schutz und dürfe nicht festgetreten werden. Wenn diese Flächen durch Rodler zerstört seien, lassen sie sich nur noch mit großem Kostenaufwand wiederherstellen.