Im Kesselhaus läuten City die letzte Runde ihrer Geschichte ein: 2022 wollen sie ihren 50. Bandgeburtstag kräftig feiern und dann aufhören. dpa

Für Ostrock-Fans ist dieser Dienstag ein trauriger Tag. Denn die glatzköpfigen Kultrocker von City machen Schluss. 2022 will die in der DDR gegründete Band noch einmal kräftig rocken, um den 50. Bandgeburtstag zu feiern. Dann verlassen Toni Krahl (71), Fritz Puppel (76), Georgi Gogow (73) und Manfred Hennig (69) für immer die Bühne. So haben sie es ihrem Schlagzeuger Klaus Selmke versprochen, der vor einem Jahr mit 70 Jahren an Krebs starb.

Der Anfang vom Ende: City läuten im Kesselhaus der Kulturbrauerei bei einer Pressekonferenz das letzte Kapitel ihrer Geschichte ein. „Wir wollen versuchen aufzuhören, wenn es am schönsten ist“, sagt Gitarrist Fritz Puppel. Sänger Toni Krahl scherzt: „Seht uns doch auf der Bühne an. Wir müssen schon Tabletten nehmen und dann geht es mit uns ab ins Heim.“

Die DDR-Band City (1977): Damals hatten Toni Krahl, Georgi Gogow , Klaus Selmke (starb 2020), Fritz Puppel (v.li.) noch Haare. Imago

Schluss nach 50 Jahren: So hatte es City auch geplant

Doch dann wird es ernst. Puppel erinnert daran, wie die Band ihrem Schlagzeuger Klaus Selmke ein Versprechen gaben, als er schon sehr krank war. „Ein Teil der Therapie für Klaus war, dass wir immer gesagt haben, dass wir gemeinsam die Zeitlinie überschreiten werden“, sagt Puppel. Mit der Zeitlinie war der 50. Bandgeburtstag gemeint, den die Musiker feiern und danach aufhören wollten. Auch wenn die City-Rocker nach Selmkes Tod zunächst erklärten, weiter zu spielen, wollen sie sich jetzt an ihr Versprechen halten.

City-Sänger Toni Krahl und Silly-Frontfrau Tamara Danz bei einem Konzert der DDR-All-Star-Band Gitarreros (1986). Imago

Puppel hatte mit Selmke City gründete. „Im Februar 1972 hatten wir in einem Köpenicker Klubhaus unser erstes Konzert, spielten Songs von Santana, Pink Floyd und den Rolling Stones, bis wir selber unsere eigenen Songs schrieben“, sagt er. Einer davon war der Mega-Hit „Am Fenster“ (1974), mit dem City sogar eine Goldene Schallplatte im Westen errang.

City ließen sich in den 70er-Jahren gerne im Prenzlauer Berg ablichten, der damalige Heimatbezirk von Toni Krahl und Fritz Puppel. Imago

„Ohne Klaus hätte es City so nicht gegeben“

Viele weitere Hits wie „Der King vom Prenzlauer Berg“, „Unter der Haut“ oder „Glastraum“ folgten. Und natürlich „Casablanca“, der ohne die technischen Studiobasteleien von Klaus Selmke in den 80er-Jahren nie entstanden wäre, so Puppel. „Wir haben ihm viel zu verdanken. Ohne Klaus wären wir mit City nicht da, wo die Band heute nach fast 50 Jahren steht“, sagt der Gitarrist.

Premiere im Kesselhaus: City spielen nach der Pressekonferenz mit den Berliner Symphonikern ihren Mega-Hit „Am Fenster“ und die neuen Songs „Lass gut sein“ und „Die Sonne geht auf“.
Markus Wächter

Nun startet City also zur letzten Runde. So wird auch das Doppel-Album heißen, das im Februar 2022 erscheint. Später soll dazu die gleichnamige Abschiedstour folgen. „Wir werden in den Songs über das singen, was die Menschen aktuell bewegt“, sagt Fritz Puppel.  „Es wird so manchen Stolperstein geben, der für Aufregung sorgen wird“, verspricht Toni Krahl.  

Ein Buch und Fernsehshows sind im 50. Jubiläumsjahr geplant. City werden außerdem mit dem Ex-Puhdy Dieter „Maschine“ Birr und Silly auf „Rocklegenden“-Tour gehen, am 23. Juli mit den Berliner Symphonikern auf der Parkbühne Wuhlheide spielen.

City: Ihr letztes Konzert spielen sie in Berlin

Auch der Tag und der Ort des letzten Konzertes stehen schon fest. Am 30. Dezember 2022 werden City in der Berliner Mercedes-Benz-Arena den Fans Lebewohl sagen.

Georgi Gogow hat noch immer die Geige, auf der das legendäre Geigensolo von „Am Fenster“ entstand.
Markus Wächter

Was die City-Musiker in ihrer Rockerrente machen werden? „Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn ich daran denke, dass ich ab dem 31. Dezember 2022 nicht mehr mit dem Tourbus unterwegs sein und nicht mehr auf der Bühne zwischen Verstärkern und Nebelmaschinen stehen werde“, sagt Toni Krahl. Konkrete Pläne für das Leben nach City hat der Sänger offenbar noch nicht.

Anders sieht es bei Keyboarder Manfred Hennig aus. „Ich freue mich, mehr bei meiner Familie, bei meinen Kindern und Enkeln zu sein“, sagt er. Als Musiklehrer für Klavier wolle der Musiker vielleicht sogar noch ein paar Stunden geben. „Natürlich werden mir der Applaus und die Fans fehlen. Aber nach City werde ich auch wieder mehr Zeit für das Segelfliegen haben“, sagt Hennig. „Oder ich setze mich einfach auf das Motorrad und fahre dem Horizont entgegen.“