Christoph Stölzl bei einem Interview 2020. Der Historiker, Politiker und Kulturmanager starb am Dienstag in Bayern.
Christoph Stölzl bei einem Interview 2020. Der Historiker, Politiker und Kulturmanager starb am Dienstag in Bayern. Imago/Funke Foto Services/Reto Klar

Der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator und Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Museums, Christoph Stölzl, ist tot. „Der plötzliche und unerwartete Tod von Christoph Stölzl trifft mich und die Berliner CDU völlig unvorbereitet. Berlin verliert eine starke Stimme der Kultur und die Berliner CDU einen besonderen ehemaligen Landesvorsitzenden“, bestätigte Berlins CDU-Chef Kai Wegner den Verlust seines Parteikollegen. 

Stölzl, gern im hellen Sakko und fast immer mit Einstecktuch, war am Dienstag im Alter von 78 Jahren in Bayern verstorben, wie die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar am Mittwoch mitteilte. Stölzl hatte die Hochschule zwölf Jahre lang bis Juni 2022 als Präsident geleitet.

Lange eine Größe in der Berliner Politik

Der Historiker, der in Augsburg geboren wurde, war von 1987 bis 1999 Generaldirektor des damals neu gegründeten Deutschen Historischen Museums im Berliner Zeughaus. Anschließend arbeitete er für kurze Zeit als stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“.

Im Jahr 2000 wurde er dann für die CDU Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Berlin. Seine Amtszeit endete jedoch aufgrund einer vorgezogenen Neuwahl schon gut ein Jahr später, nachdem die CDU-SPD-Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) geplatzt war.

Die CDU fuhr eine gewaltige Wahlpleite ein, Klaus Wowereit (SPD) folgte Diepgen an der Spitze des Senats.

2002 bis 2003 Übergangschef der desolaten CDU

Stölzl, der erst FDP-Mitglied gewesen war, übernahm 2002 und 2003 die undankbare Aufgabe, die desolat gewordene Landespartei zu führen. Er hatte sich mit den Worten beworben: „Die Union braucht mehr intellektuelle und geistige Führung.“ Als er sich ein knappes Jahr später aus dem Amt zurückzog, glaubte man ihm die Begründung nicht so recht, seine Aufgabe sei erledigt, weil die Partei wieder wählbar wäre.

Danach war der gebürtige Augsburger unter anderem als Publizist, Dozent und Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses tätig, setzte sich zuletzt auch für die Errichtung eines privat finanzierten Exil-Museums am Anhalter Bahnhof ein und wurde wie beim Deutschen Historischen Museum Gründungsdirektor.

Christoph Stölzl, Gründungsdirektor für das Exilmuseum, im Sommer 2021 am Anhalter Bahnhof.
Christoph Stölzl, Gründungsdirektor für das Exilmuseum, im Sommer 2021 am Anhalter Bahnhof. dpa/Annette Riedl

2019 war der Vater von vier Kindern erneut als Krisenmanager gefragt, als es am Jüdischen Museum eine schwere Führungskrise gab und Museumsleiter Peter Schäfer zurückgetreten war. Stölzl leitete das Haus übergangsweise als „Vertrauensperson“, 2020 wurde mit Hetty Berg eine neue Leiterin des Museums.

Stölzl verstand es, auch mit politischen Gegnern ins Gespräch zu kommen. Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), zu den Senats-Zeiten Stölzls PDS-Oppositionsabgeordneter in Berlin, schrieb auf Twitter: „Über weltanschauliche Grenzen hinweg diskutierten wir gern miteinander und jedes Gespräch mit ihm empfand ich als Gewinn.“

Der mit deutschen, schwedischen und österreichischen Orden ausgezeichnete Stölzl,  Ritter der französischen Ehrenlegion, habe „Großes für unsere Stadt geschaffen, das bleibt“, so Landes- und Fraktionsvorsitzende des Berliner CDU-Landesverbands, Kai Wegner. Er erinnere sich auch gern an eine Anekdote aus der Bewerbung Stölzls als CDU-Vorsitzender. Sie schloss mit: „Passe mir auf den Bären auf.“ Nun passen wohl ganz andere auf Christoph Stölzl auf.