Etwa 70 Prozent der Hotels in Berlin haben laut Dehoga geöffnet.  Foto: FlorianGaertner/photothek.net

Wer über Weihnachten seine Verwandten in Berlin besucht, darf dabei auch in Hotels übernachten. Die nett gemeinte Sonderregelung, die nun in der Hauptstadt und zwei weiteren Bundesländern gelten soll, wirft viele Fragen auf.

Wer soll kontrollieren, ob man auf Weihnachtsbesuch bei den betagten Eltern ist? Eröffnet die Erlaubnis nicht dem heimlichen Festtagstourismus Schlupflöcher? Wie viele Hotels sind überhaupt geöffnet in der Stadt während der Corona-Pandemie? Und bedeutet die Beherbergung über Weihnachten für sie einen signifikanten Unterschied in der Kasse?

In diesem Jahr ist das Fest in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Wer bei Großfamilientreffen unter dem Tannenbaum in bisherigen Jahren keinen Platz im Gästezimmer oder auf der Couch gefunden hat, konnte traditionell auf Hotels ausweichen. 2020 wäre dies eigentlich nicht möglich, nur Dienstreisende fanden bisher ein Zimmer.

Doch wo es „nötig sei, Familienmitglieder zu besuchen“, so ließ Bürgermeister Michael Müller verlauten, soll es nun Ausnahmen geben. Berlins Regierender geht davon aus, Verwandtenbesuche seien keine touristischen Reisen, bei denen man durch die Stadt laufe, sich Sehenswürdigkeiten anschaue oder einkaufen gehe. Daher gelten Übernachtungen zur Weihnachtszeit nun als erlaubt: Vom Hotel direkt unter den geschmückten Baum und retour, aber nur zu fünft.

Keine touristischen Reisen nach Berlin erwünscht

Mit seiner Linie in Hinblick auf Verwandtenbesuche zu Weihnachten schließt sich Berlin den Ländern Hessen und Nordrhein-Westfalen an – entgegen dem Willen von Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU). Der hatte im RTL-Frühstücksfernsehen „Guten Morgen Deutschland“ berichtet, es sei überlegt worden, ob man im Rahmen des Verwandtenbesuchs im Hotel übernachten könne, „damit das nicht auf der Couch zu Hause stattfindet“. Man sei aber zu der Überzeugung gekommen, dass man dies nicht kontrollieren könne. Touristische Reisen dürften auf keinen Fall stattfinden.

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Also was gilt nun? Die Hotels in Berlin jedenfalls sind größtenteils vorbereitet. Nach einer Blitzumfrage der Dehoga, nicht ganz repräsentativ, haben etwa 70 Prozent der Hotels und Pensionen in Berlin weiterhin geöffnet. Es bereite ihnen keinerlei Probleme, weitere Gäste aufzunehmen, sagt der Geschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands, Thomas Lengfelder. „Die Hotels haben gute Hygienekonzepte, es ist sicher, hier zu übernachten.“

Wer aber kontrollieren soll, zu welchem Zweck ein Gast eincheckt, bleibt auch für ihn offen. „Hoteliers sind kein Kontrollorgan, kein Ordnungsamt, keine Polizei“, so Lengfelder. Bei Geschäftsreisenden erschließe sich über eine Reservierung via Firmenaccount der Zweck der Reise. Bei Privatreisenden ist das nicht so.

Öffnung über die Feiertage gilt als nicht rentabel

Auch Verena Jaeschke, die den Familienbetrieb Oderberger in Prenzlauer Berg betreibt, ist verunsichert. Derzeit bietet das Haus keine Übernachtungen an. Jaeschke hatte aber, wie viele andere Hotels und Pensionen in der Stadt, auf ein Ende des Lockdowns Mitte Dezember gehofft. Es gebe bereits Buchungen aus der Nachbarschaft, um Familienmitglieder unterzubringen.

Normalerweise sei das Hotel zu Weihnachten ausgebucht, dieses Jahr aber erwarte sie deutlich weniger Gäste, so Jaeschke. Nun will sie bis Ende der kommenden Woche abwarten und dann entscheiden. Wenigstens über die Feiertage möchte sie das Hotel öffnen, rentabel sei dies aber für das Oderberger nicht: „Das ist einzig eine Geste für die Gäste, die zu uns kommen wollen.“

Das Hotel in der Oderberger Straße ist eng mit dem Kiez verbunden, Weinachten ist das Haus normalerweise ausgebucht.

Foto:  Andreas Klug

Derzeit sind die Häuser in Berlin laut Dehoga nur zu unter 10 Prozent belegt. Doch auch ohne Pandemie werden die Weihnachtstage generell nicht übermäßig gebucht. Die Gäste, die nun kommen dürften, seien ein Tropfen auf den heißen Stein, so Thomas Lengfelder. Die Hotels in der Stadt stünden mit dem Rücken zur Wand. „Sie sind am Limit und darüber hinaus“, sagt der Dehoga-Chef.

Hotels rechnen mit einer wichtigen Kennzahl: dem Umsatz pro verfügbarem Zimmer. Dieser liegt im November laut Dehoga 88,5 Prozent unter dem Vorjahresumsatz, seit März 2020 bei 76 Prozent weniger Umsatz. Wenn die November- und Dezemberhilfen nicht schnell flössen, mahnt die Dehoga, müssten einige Häuser schließen.

Suman Rewari, der ein kleineres Hotel in der Kreuzberger Stresemannstraße betreibt, hegt keine Hoffnung, dass nun viele Weihnachtsgäste bei ihm einchecken werden. Seine einzigen Kunden sind derzeit Handwerker, die in der Stadt arbeiten. Von Montag bis Donnerstag sind einige Zimmer belegt. Am Wochenende und wohl auch an den Feiertagen, wo alle nach Hause wollen, bleibt sein Hotel leer – befürchtet er.