Auf dem Charité-Campus in Mitte soll neuer Raum für Neurowissenschaften und digitale Medizin entstehen. Foto: dpa/Christophe Gateau

Die  Charité will ihre Standorte in den kommenden Jahren für Milliardensummen ausbauen. Auch das Stadtbild könnte sich dabei ändern: Ein zweites Hochhaus in Mitte ist im Gespräch, der sogenannte Health Tower. Er soll unter anderem ein Zentrum für Neuro-Medizin und ein Zentrum für Demenzforschung und -versorgung beherbergen.

Charité-Chef Heyo K. Kroemer sprach am Montag von „Twin Towers der Charité“. Er finde die Idee sehr charmant. „Wir möchten gerne in zwei möglichst benachbarten Einrichtungen unsere klinische Versorgung in Mitte konzentrieren. Wie das am Ende des Tages aussieht, werden wir dann sehen“, so Kroemer. Die über die ganze Stadt verteilte Verwaltung solle möglichst an einem Ort zusammengeführt werden.

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Kroemer präsentierte gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) ein Strategiepapier zur Ausrichtung der Charité bis 2030. Es gehe darum, aus „dem riesigen Potenzial, was wir hier haben, noch mehr zu machen“, sagte Müller.  

Virchow wird Zentrum für Herz- und Krebsmedizin

Der Weddinger Campus Virchow soll demnach das Zentrum für Herz- und Krebsmedizin sowie die Zell- und Gentherapie werden.

„Am Benjamin Franklin möchten wir gerne einen Schwerpunkt legen, der wirklich neu ist, nämlich im Bereich der Prävention“, sagte Kroemer. Gemeinsam mit der Freien Universität solle am Steglitzer Standort die Allergologie und Immunologie ausgebaut werden.

„Im Campus Mitte wollen wir uns auf Neurowissenschaften und digitale Medizin konzentrieren“, erklärte der Charité-Chef.

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Das alles kostet. Allein am Standort Mitte liegt der geschätzte Investitionsbedarf bis 2030 bei rund 370 Millionen Euro. Darüber hinaus soll dort weiter investiert werden: Bis 2050 erwartet die Charité dort einen Bedarf von insgesamt etwa 1,77 Milliarden Euro. Am Benjamin Franklin sollen bis Mitte des Jahrhunderts 1,33 Milliarden Euro investiert werden, am Virchow atemberaubende 3,35 Milliarden. Zusammen  6,45 Milliarden Euro, allerdings über 30 Jahre gestreckt, was rechnerisch 215 Millionen Euro pro Jahr macht.

Wo das  Geld herkommen soll, ist noch ungeklärt. Die Uniklinik, die sich vorwiegend aus Krankenkassenbeiträgen, Drittmittel-Einnahmen aus ihrer Forschung und einem Landeszuschuss von 265 Millionen  Euro aus dem Wissenschaftsetat Berlins finanziert, konnte 2019 gerade einmal 113.000 Euro Überschuss erwirtschaften. Da müsste wohl der Bund für seine hauptstädtische Vorzeigeklinik eintreten, der bislang nur mittelbar mit Zuschüssen an den Landesetat mitfinanziert. 

Da könnte Michael Müller etwas tun: Er will sich 2021 in den Bundestag wählen lassen. Er geht Berlin aber nicht nur als Chef des Senats, sondern auch als zuständiger Senator verloren. Und auch sein einflussreicher Staatssekretär Steffen Krach (SPD) strebt weg, tritt 2021 zur Wahl des Regionspräsidenten Hannover an. 

Die CDU im Abgeordnetenhaus begrüßte die Pläne im Grundsatz, kritisierte aber, dass eine neue interdisziplinäre Rettungsstelle am Benjamin Franklin nicht mehr entstehen soll, obwohl das Parlament sie will. Die CDU fordert weiterhin eine bessere Ausstattung mit Pflegekräften.

Die Charité gilt als Europas größte Uniklinik und als führend in der biomedizinischen Forschung. Sie beschäftigt rund 18.700 Mitarbeiter in mehr als 100 Kliniken und Einrichtungen. Für Patienten stehen rund 2900 Betten zur Verfügung.