Eine Pflegekraft steht auf einer Intensivstation in einem Zimmer und bedient eine Herz-Lungen-Maschine. dpa/Strauch

Sie schuften sich zu Tode und sollen doch andere gesund machen: Immer mehr Ärzte und Pfleger in Berlin steigen erschöpft aus. Das System ist mörderisch, die Bedingungen sind ruinös, die medizinische Infrastruktur ist marode. Ein Charité-Mediziner schlägt jetzt Alarm.

In der Debatte um die Arbeitsbedingungen von medizinischem und Pflegepersonal und marode Kliniksysteme werden aus der Intensivmedizin klare Forderungen laut. „Das allerwichtigste ist, dass vor allem die Arbeitsbelastung auf Intensivstationen reduziert werden muss“, sagte Intensivmediziner Daniel Zickler am Mittwoch in Berlin.

Das klinge banal, sei aber zwingend nötig, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Patientenversorgung nachkommen könnten. Dafür brauche es mehr Personal, mahnte der Mediziner von der Berliner Charité. Es sei sehr bedenklich, dass viele Fachkräfte in der Ärzteschaft und bei den Pflegekräften angesichts der starken Belastungen zuletzt ausgestiegen seien. Diesen Notstand gebe es nicht erst seit Corona, die Pandemie habe aber die Situation noch dramatisch verschärft.

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Charité-Intensivmediziner und Buchautor Daniel Zickler.

Mit seinem Buch „Kampf um jeden Atemzug“, das am Mittwoch erschienen ist, will der Berliner Oberarzt aufrütteln. Zu seinen zentralen Forderungen gehören auch ein geringerer Kostendruck in der Intensivmedizin, flächendeckende psychologische Unterstützung für Patienten, Angehörige und Personal und mehr Möglichkeiten zur freien Entfaltung für Intensivkräfte. Zudem sei es nötig, auf weniger Intensivstationen vorhandene Kräfte zu bündeln, um dort besonders umfassend helfen und behandeln zu können, forderte Zickler.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die das Vorwort des Buches geschrieben hat, dankte Zickler stellvertretend für alle Fachkräfte für seine Arbeit. Die Corona-Pandemie habe eine Zäsur markiert und insbesondere Intensivkräften über ihre schon im Normalmodus außergewöhnliche Belastbarkeit alles abverlangt.

Ärzte und Pfleger benötigen vor allem Geld

Die Zustände in den Krankenhäusern und im Gesundheitssystem insgesamt hätten sich aber nicht so geändert, „dass man sagen kann, wir sind gut aufgestellt für die Gegenwart und für die Zukunft“, mahnte Göring-Eckardt, machte aber auch klar: „Ich bin überzeugt davon, dass wir dieses System verbessern können.“ Wie sie das System verbessern könnte, sagte Göring-Eckardt allerdings nicht.

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Erst zu Wochenbeginn hatte die Berliner Krankenhausgesellschaft gemeinsam mit einem Bündnis aus anderen Verbänden und Krankenkassen demonstriert und mehr Investitionen in die Modernisierung der Krankenhäuser der Hauptstadt gefordert. Die im Haushaltsentwurf des Senats eingeplanten Mittel seien bei weitem nicht ausreichend, was zu vielen Problemen in den Kliniken führe.

Am Ende geht es also nicht nur um die Arbeitsbedingungen, sondern auch ums Geld. Und dafür ist eindeutig die Politik zuständig.