Demonstranten vor der Charité. Für bessere Arbeitsbedingungen gingen am Mittwoch Mediziner auf die Straße.
Demonstranten vor der Charité. Für bessere Arbeitsbedingungen gingen am Mittwoch Mediziner auf die Straße. AFP /John Macdougall

 Ärztinnen und Ärzte der Berliner Charité sind am Mittwoch zum Warnstreik aufgerufen. Sie wollen auf ihre Belastung aufmerksam machen und geschlossen Verbesserungen fordern. Das gab es an der Charité seit 15 Jahren nicht mehr. 

 Ärztinnen und Ärzte der Berliner Charité wollen am Mittwoch mit einem Warnstreik auf ihre Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund kündigte eine hohe Bereitschaft zur Beteiligung an - mehrere Hundert Ärztinnen und Ärzte der großen Universitätsklinik nähmen an der zentralen Kundgebung (ab 9.30 Uhr) vor dem Bettenhochhaus in Mitte teil, hieß es. Ein Notdienst wird nach Gewerkschaftsangaben sichergestellt.

Ärzte wollen mehr Planungssicherheit 

„Was neu war bei diesen Verhandlungen, dass wir es geschafft haben, dass so viele Ärzte das mitverfolgen und dabei sind“, sagte die Assistenzärztin Jana Reichardt, die Mitglied der Tarifkommission und des Marburger Bundes ist. Die Tarifkommission sei größer und dadurch diverser besetzt als zuvor. Das habe ihnen viel Rückhalt eingebracht. „Damit beugen wir auch dem Argument vor, dass es die jungen, lauten Stimmen sind, aber Einzelmeinungen. Das kann man diesmal wirklich nicht sagen.“

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Hintergrund des Warnstreiks sind Verhandlungen über eine Weiterentwicklung des Haustarifvertrags. Ein Charité-Sprecher hatte zu der Warnstreikankündigung auf Anfrage mitgeteilt, dass sich die Verhandlungen durch eine Vielzahl an Themen „sehr komplex, aber konstruktiv“ gestalteten. Angestrebt werde eine gute Lösung für alle Seiten. Die Charité habe ein „differenziertes Paket mit Angeboten zu Arbeitszeit und Entlastung, Fort- und Weiterbildung, Entbürokratisierung und Gleichstellung“ vorgelegt.

Ärzte müssen immer öfter einspringen und Lücken füllen

Der Gewerkschaft reicht das bisherige Angebot aber nicht aus. Sie fordert unter anderem mehr Gehalt und mehr Planungssicherheit bei Bereitschaftsdiensten. „Wir müssen halt immer wieder kurzfristig einspringen, Lücken füllen“, sagte Reichardt. Das sei körperlich belastend und mache das Leben zudem schwer planbar. „Dafür sollte es einen extra Zuschlag geben. Mit Geld allein ist das zwar nicht aufzuwiegen, aber es ist ein Element der Steuerung.“ Reichardt setzt dennoch auf Verhandlungen: „Meine Hoffnung ist, dass es weniger als ein Angriff verstanden wird und mehr als Angebot, gemeinsam Veränderung zu bewirken.“

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Nach Angaben des Marburger Bundes sind insgesamt rund 2700 Ärzte und Ärztinnen an allen drei Standorten der Charité zum Streik aufgerufen. Die Charité zählt mit konzernweit rund 21 000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern Berlins.

Unter dem Hashatg #Medizinbrennt machen sich Mediziner in Deutschland seit Langem Luft, versuchen sich Gehör zu verschaffen. 

Sie weisen auf die oft katastrophalen Zustände in Kliniken hin: fehlendes Personal und Zeitdruck machen gute Versorgung vielerorts oft unmöglich. 

Der große Druck auf das vorhandene Pflegepersonal führt dazu, dass noch mehr Ärzte und Schwestern mit dem Gedanken spielen, zu kündigen. Eine Abwärtsspirale setzt ein, deren Folgen Patienten tragen müssen.

„Am Mittwoch ist es Zeit zu zeigen, dass wir nicht 1000 Einzelfälle sind und warme Worte nicht genug sind. Wir fordern echten Wandel!“, heißt es auf Twitter im Vorfeld zur Demo. 

Arbeitsbedingungen in Kliniken menschenfeindlich 

An Patienten, die schon jetzt die Bedingungen in den Krankenhäusern kritisieren, gibt ein User mit dem Namen Intensivdoc folgenden Rat: „Nehmen Sie sich ein Beschwerdeformular, schreiben Sie eine Mail an die Geschäftsführung, ihren Bundestagsabgeordneten oder die lokale Presse. Machen Sie Fotos von dem gammeligen Käsescheiben und von der wegen Personalmangel geschlossenen Physiotherapie.“

Die Arbeitsbedingungen in Kliniken seien schlicht menschenfeindlich.