So war es im Mai 2020: Gerade noch gab es Sommerwetter, dann brachen die Temperaturen ein. Dieser mutige Radfahrer war trotzdem im Harz unterwegs. imago/Bernd Merz

Der Mai startet am Wochenende chaotisch. Ein Tief über dem Baltikum bläst uns kühle Meeresluft entgegen. Von den milden Temperaturen der Vortage ist bereits am Freitag nichts mehr zu spüren. Höchstwerte knapp über der 10-Grad-Marke erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Berlin und Brandenburg, in der Uckermark gerade einmal neun Grad. In weiten Teilen unserer Region wird der 1.-Mai-Feiertag ins Wasser fallen, und bei Höchstwerten zwischen 10 und 13 Grad wird auch wenig Heiterkeit aufkommen. Nachts nähern sich die Werte regional sogar wieder dem Frostbereich. Weiter südlich drohen am Sonntag Unwetter. Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) rechnet in den Alpen sogar mit neuem Schnee! „Der Winter gibt auch am ersten Maiwochenende nicht auf. In diesem Jahr befinden wir uns irgendwie in den Dauer-Eisheiligen“, bringt es der Diplom-Meteorologe auf den Punkt.

Aber Moment mal: Hatte Dominik Jung uns nicht gerade noch für das Muttertagswochenende sommerliche Temperaturen vorhergesagt? Der Wetterexperte bleibt bei seiner Vorhersage: „Erst wird es in der ersten Maiwoche kaum warm, dann schnellen die Temperaturen zum Muttertagswochenende in die Höhe.“ Allerdings: Die Wetterlage bleibt chaotisch, dieser erste Wettertrend ist alles andere als sicher. „Über dem Südosten Europas liegen schon seit Tagen sehr warme Luftmassen, während es im westlichen Europa eher zu kalt ist.“ Dort 30 Grad, hier zehn Grad, und die Wärme würde mit einem Male zu uns schwappen. Der plötzliche Wetterumschwung wird uns schon so zu schaffen machen, doch mit der Sommerwärme könnte auch bald wieder Schluss sein: „Schon kurz danach würden wir erneut von sehr kalten Luftmassen überrollt werden“, erklärt Wetterexperte Jung: „Beständiges und dauerhaftes Hochdruckwetter mit viel Sonnenschein und Wärme ist in der ersten Maihälfte erst mal nicht in Sicht!“

Zu kalter April: gefundenes Fressen für Klimawandel-Leugner

Und diese Horror-Aussichten erreichen uns ausgerechnet am dem Tag, wo der frostigste April seit 1929 endet! „So viel Frost wie in diesem Mai gab es seit fast 100 Jahren nicht mehr.“ Allein von den Temperaturen her sei dies „der kälteste April seit mindestens 40 Jahren“ gewesen, so Jung. Und trotz der Kälte: Es war auch ein extrem trockener Monat, das Niederschlags-Soll wurde um satte 40 Prozent unterschritten! Bereits im März hatten wir ein Minus von 15 Prozent, erinnert Jung. Gleichen die nun erwarteten Niederschläge diese Trockenheit wieder aus? Wohl kaum. Was der Mai sicher zu bieten hat ist Chaos. Starkregen, Unwetter, Nachtfröste und kurzzeitige Sommerwärme. „Von allem etwas: Alles nichts von langer Dauer und immer ein wildes Hin und Her.“

Kurios: Langfristmodelle gehen nach dem zu kalten April inzwischen davon aus, dass auch der Mai wohl zu kalt ausfallen würde. Das ist natürlich gefundenes Fressen für Klimawandel-Skeptiker. Doch Wetterexperte Jung widerspricht: Zwar seien zu kalte Monate in Zeiten des Klimawandels eher Mangelware. Doch „ein zu kalter Monat macht leider in Sachen Klimaerwärmung noch keine Trendwende“.