Eine Lehrerin mit Tattoos am Arm unterrichtet. (Symbolfoto) Imago/Panthermedia

Da hat der Berliner Senat ja gerade noch einmal die Kurve bekommen. Den Shitstorm hat er sich aber redlich verdient! Denn diese Forderung geht unter die Gürtellinie.

Berliner Senat plante übergriffige Methode

Denn was klingt wie die übergriffige Methode eines dubiosen Filmproduzenten oder sonstigen perversen Scharlatans wäre fast zur Einstellungspraxis Berliner Lehrer geworden. Die Senatsverwaltung für Bildung stellte sich das Ganze so vor: Bevor man also in Berlin ein verbeamteter Lehrer werden könne, sollten die Bewerber „Position, Größe, Beschreibung und die persönliche Bedeutung“ ihrer Tätowierungen mitteilen – inklusive Fotos, ganz egal an welchen intimen Stellen sich die Tattoos befinden.

Was damit bezweckt werden sollte, ist freilich auch klar: Jahrelang unterrichtete der rechtsextreme Holocaust-Leugner Nicolai Nerling in Berlin, zuletzt gab es auch Affären um verfassungsfeindliche Tattoos von Amtspersonen in Pankow. Doch das nachvollziehbare Ziel Rechtsextremisten aus Berliner Schulen fernzuhalten kann nicht dieses Mittel heiligen.

Es wäre ein dramatischer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der angehenden Lehrerinnen und Lehrer, wenn sie wirklich vor ihrer Verbeamtung ihr Intim-Tattoo beim Berliner Senat einreichen müssten. Und wie sollte das aussehen? „Hier bitte, das Foto von meinem tätowierten Glied. Dann geh ich jetzt mal Kinder unterrichten.“

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Dass Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) dieses irre Vorhaben am Donnerstag gestoppt hat, dürfte das Ansehen der Behörde retten, vor Spott und Wut schützen wird es sie nicht. Vielleicht lädt es sie aber zum Nachdenken darüber ein, ob es nicht bessere Wege gäbe, Rechtsextreme von unseren Kindern fernzuhalten, als die Behördenversion der Casting-Couch.