Nicht nur während des Berufsverkehrs ist eine Maske sinnvoll, um sich und andere zu schützen. Foto: Imago Images/A. Friedrichs

Eigentlich ist die Sache klar: Masken schützen – nicht nur vor Corona-Viren, sondern auch vor anderen Krankheitserregern. „Wenn ich Mund und Nase bedecke, reduziere ich mein Ansteckungsrisiko“, sagt Kai Nagel von der Technischen Universität (TU) Berlin. Schon aus eigenem Interesse sollten sich Fahrgäste im Nahverkehr an die Maskenpflicht halten. Der Wissenschaftler und sein Team haben Zahlen vorgelegt, in welchem Maße Masken die Infektionsgefahr verringern. Danach kann die Gefährdung um bis zu 95 Prozent sinken, wenn sich möglichst viele Fahrgäste schützen. „Unsere Modellrechnungen zeigen, wie wichtig es ist, wenn möglichst viele Menschen die Maskenpflicht einhalten“, so Nagel. Trotzdem haben die Sicherheitskräfte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gut zu tun, wie eine aktuelle Bilanz belegt. Seit Anfang Juli haben sie rund 80.000 Fahrgäste angesprochen, die Mund und Nase nicht bedeckt haben.

Die Mobilitätsmodelle, die das TU-Team entwickelt hat, bieten eine umfassende Simulation, mit welchen Mustern sich die rund fünf Millionen Menschen im Großraum Berlin bewegen. Anhand von anonymisierten Mobilfunkdaten können sie Bewegungsmuster nachvollziehen. Weitere Modelle und aktuelle Erkenntnisse halfen den Forschern, Infektionswege und -risiken zu kalkulieren – und zu errechnen, welche Rolle Masken dabei spielen können.

„Im Nahverkehr bin ich mit zertifizierter FFP2-Maske unterwegs“, berichtet Kai Nagel. Aus gutem Grund: „Dann sinkt mein Ansteckungsrisiko auf ein Zehntel.“ Bei einer Stoffmaske würde es immerhin auf die Hälfte sinken. „Die Einhaltung der Maskenpflicht nützt mir noch mehr als den anderen, sie liegt vor allem in meinem Interesse.“ Aber auch die anderen Fahrgäste profitieren – aber in geringerem Maße, weil Atemluft seitlich, über oder unter der Maske entweichen kann. „Die Schutzwirkung in Bezug auf andere ist geringer, aber immer noch beachtlich. Sowohl FFP2- als auch Stoffmasken filtern im Schnitt 50 Prozent der Viren heraus“, sagt der Wissenschaftler.

Wer in Bus oder Bahn keine Maske trägt, dem droht eine sofortige Strafe von 50 Euro. Die BVG setzt dies mit eigenen Kontrolleuren durch.
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Die Ergebnisse zeigen, dass das Tragen von Masken die Zahl der Infektionen im Nahverkehr deutlich verringert. „Tragen 90 Prozent der Passagiere Stoffmasken, so reduziert sich das Risiko um etwa 70 Prozent. Tragen 90 Prozent der Fahrgäste FFP2-Masken, so verringert es sich um etwa 95 Prozent“, so lautet die Bilanz.

Es sind Zahlen, die der BVG zupass kommen. Viele Berliner meiden Busse und Bahnen, weil sie Angst haben, sich dort zu infizieren. Die TU-Erkenntnisse zeigen nun, dass der Nahverkehr kein Corona-Hotspot ist - sofern die Fahrgäste Masken tragen. „Es gibt keine Indizien, dass es dort ein erhöhtes Ansteckungsrisiko gibt“, sagt BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt.

Eine gute Belüftung trägt dazu bei, die Gefahr einer Ansteckung zu reduzieren, erklärt Nagel. In Bussen und Straßenbahnen mit funktionierender Klimaanlage ist das der Fall. Die Berliner U-Bahn ist nicht klimatisiert. „Solange die Züge fahren und durch geöffnete Fenster Luft hereinkommt, ist das Risiko geringer als wenn die U-Bahn steht. Die Ansteckungsgefahr steigt auch, wenn sich viele Fahrgäste im Zug aufhalten. In solchen Situationen ist es umso wichtiger, dass Fahrgäste Mund und Nase bedecken.“

Derzeit hielten sich im Schnitt 95 Prozent der Reisenden an die Maskenpflicht, berichtet BVG-Sprecherin Petra Nelken. Während der heißen Tage im August sei die Quote etwas gesunken, doch sie blieb hoch. „Vielleicht wollten einige ein Zeichen setzen, dass sie nicht zu den Anti-Corona-Demonstranten gezählt werden wollen“, so Nelken. Allerdings berichten Fahrgäste, dass außerhalb der Stoßzeiten viele BVG-Nutzer keine Maske tragen – und das Personal darüber hinwegsieht.

Seit dem 7. Juli dürfen BVG-Sicherheitskräfte gegen Maskenmuffel eine Vertragsstrafe in Höhe von 50 Euro verhängen. Bislang war das 470-mal der Fall, sagt die Sprecherin. Rund 800 Bahnhofsverweise wurden ausgesprochen. Doch meist ging es ohne Sanktion ab. „2180 Mund-Nase-Bedeckungen wurden unentgeltlich verteilt“, so Nelken. In 233 Fällen legten Fahrgäste Atteste vor, die sie von der Maskenpflicht befreiten. Andere Reisende beriefen sich zumindest darauf, dass sie eine solche Bescheinigung besitzen. „Aus rechtlichen Gründen kann man sie nicht zwingen, sie zu zeigen“, heißt es bei der BVG.

„Es ist absehbar, dass die Maskenpflicht noch viele Monate weiterbestehen wird“, sagt BVG-Manager Erfurt. Maskenpflicht für immer? „Man könnte darüber nachdenken, ob Masken auch nach Corona zum Beispiel während der Grippesaison sinnvoll wären“, sagt Kai Nagel.