Dr. Rolf Erfurt, Vorstand Betrieb der BVG, übergibt die historische Fahrzeugsammlung an Joachim Breuninger, Vorstand der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin.
Dr. Rolf Erfurt, Vorstand Betrieb der BVG, übergibt die historische Fahrzeugsammlung an Joachim Breuninger, Vorstand der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. SDTB / Foto: C. Kirchner

Vierzehn Busse, elf Straßenbahn- und sieben U-Bahn-Wagen aus der Fahrzeugsammlung der Berliner Verkehrsbetriebe gehen an das Deutsche Technikmuseum in Berlin.  Das älteste dieser Fahrzeuge ist fast 160 Jahre alt.

Die Fahrzeuge gehen auf die so genannte Britzer Sammlung zurück, die seit den 1960er Jahren durch die damals West-Berliner BVG in einem ehemaligen Straßenbahnbetriebshof in der Britzer Gradestraße aufgebaut wurde. 1993 musste dieser Standort aufgegeben werden und die Fahrzeuge zogen in die so genannte Monumentenhalle des Deutschen Technikmuseums in Berlin-Schöneberg um. Dort werden sie seitdem liebevoll und fachgerecht gepflegt. Nun ist die Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin durch eine vertragliche Einigung mit der BVG auch Eigentümerin der Fahrzeuge.

Vergangenheit und Zukunft im Blick

„Die historische Fahrzeugsammlung der BVG ist bei uns in besten Händen“, sagt Joachim Breuninger, Vorstand der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. „Unser Museum versteht sich auch als Diskussionsplattform zu Zukunftsthemen wie der Verkehrswende. Der Blick zurück ist dabei oft ausgesprochen hilfreich. Historische Fahrzeuge sind eine wichtige historische Quelle – und bei den Berlinerinnen und Berlinern, ebenso wie bei den Gästen der Stadt, ausgesprochen beliebt.“

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Berlin und sein Großstadtverkehr: schon  von Beginn an, definiert sich die Stadt auch über ihre Bahnen und Busse. Worüber kann man sich aufregen freien und diskutieren. Über die verschwindenden Doppeldecker, das Sitzdesign der S-Bahnen, über Bahnhöfe und Begegnungen in der Bahn. Berlins Nahverkehr und seine Mittel sind allgegenwärtig. Das war auch in der Vergangenheit so. 

Die berühmten Berliner „Doppeldecker Schnauzenbusse“.
Die berühmten Berliner „Doppeldecker Schnauzenbusse“. SDTB / Foto: C. Kirchner

Die Berliner Verkehrsbetriebe waren sich dieser Rolle schon immer bewusst und haben deshalb historische Busse und Bahnen aufbewahrt. Ein Querschnitt der wichtigsten Fahrzeuge bildet die historische Fahrzeugsammlung der BVG, die nun in das Eigentum des Deutschen Technikmuseums übergegangen ist.

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Dr. Rolf Erfurt, Vorstand Betrieb der BVG, sagte bei  der Übergabe der Sammlung: „Wir gehen mit viel Energie in die Zukunft. Die Erneuerung und Erweiterung unserer Fahrzeugflotte läuft bereits auf Hochtouren. Gleichzeitig fühlen wir uns der langen und großen Geschichte der BVG verpflichtet. Wir freuen uns daher sehr, dass ein Teil der historischen Fahrzeuge dauerhaft und fachgerecht im Deutschen Technikmuseum erhalten wird. Bei den Fachleuten des Museums wissen wir diese wertvollen Raritäten der Berliner Verkehrsgeschichte in den allerbesten Händen.“

Ein historischer U-Bahn-Wagen in der Monumentenhalle.  Zu Sammlung gehören sieben U-Bahn-Wagen, darunter der Triebwagen der Baureihe BI von 1924.
Ein historischer U-Bahn-Wagen in der Monumentenhalle.  Zu Sammlung gehören sieben U-Bahn-Wagen, darunter der Triebwagen der Baureihe BI von 1924. SDTB / Foto: J. Borchers

Eine vor über einhundert Jahren begonnene Sammlung

Zu der Sammlung zählt beispielsweise der doppelstöckige Pferdebahnwagen Nr. 1 von 1865. Er ist der älteste in Europa erhaltenen Straßenbahnwagen und wurde bereits 1890 zu einem Museumsstück. Weitere Highlights der Sammlung sind die berühmten Berliner „Doppeldecker-Schnauzenbusse“ aus der Vorkriegszeit, so genannt wegen der langen Motorvorbauten, und U-Bahn-Wagen der Serien A, B und C, gebaut zwischen 1908 und 1930.

Einige dieser U-Bahnwagen wurden durch den berühmten Architekten Alfred Grenander gestaltet. Viele U-Bahnhöfe, die zwischen 1902 und 1931 entstanden gehen auf ihn zurück.  Vor allem bei den U-Bahnhöfen auf der Linie der heutigen U8, aber auch auch entlang der U2, U5 und U6 wandte Grenander das Prinzip der Kennfarbe an. Jeder Bahnhof bekam eine eigene Farbe, man wusste gleich wo man war. 

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Erst im vergangenen kamen U-Bahn-Wagen Nr. 86 der Serie A1 zur Sammlung. Den Innenraum hat ebenfalls der schwedische Architekt entworfen. Ehrenamtliche haben den Wagen in den Zustand seines Baujahres 1908 zurückversetzt. 

Der älteste in Europa erhaltene Straßenbahnwagen.  Zu den mit der BVG-Sammlung übernommenen Fahrzeugen gehört der älteste in Europa erhaltene Straßenbahnwagen, der Wagen Nr. 1 der Berliner Pferdeeisenbahn von 1865.
Der älteste in Europa erhaltene Straßenbahnwagen.  Zu den mit der BVG-Sammlung übernommenen Fahrzeugen gehört der älteste in Europa erhaltene Straßenbahnwagen, der Wagen Nr. 1 der Berliner Pferdeeisenbahn von 1865. SDTB / Foto: L. Quadejacob

Highlights werden Teil der Dauerausstellung

Noch im Jahr 2023 werden Highlights der Sammlung dauerhaft öffentlich zugänglich sein. Dann wird etwa der doppelstöckige Pferdebahnwagen in der vollkommen neu gestalteten Dauerausstellung Schienenverkehr in den historischen Lokschuppen des Deutschen Technikmuseums die Blicke auf sich ziehen – inklusiver zweier Pferde-Attrappen, teilt das Museum mit. Später soll auch  der U-Bahn-Wagen 86 im Technikmuseum zu sehen sein.

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Jetzt schon im Freigelände des Museums zugänglich ist das jüngste Stück der Sammlung, ein U-Bahn-Zug der Baureihe F79, der wieder in den Zustand seiner ersten Einsatzjahre zurückversetzt wurde, die inzwischen 40 Jahre zurückliegen.

Hinweis zu den Tagen der offenen Tür in den Monumentenhallen

Für Bahnfans eine traurige Nachricht: Leider wird es künftig keine Tage der offenen Tür im Depot für Kommunalverkehr in der Monumentenhalle mehr geben können, so eine Mitteilung des Technikmuseums. Der Grund dafür ist der schlechte Gebäudezustand der Hallen. Für das Jubiläumsjahr „40 Jahre DTM“ sind aber limitierte Führungen durch das Depot für Kommunalverkehr in der Monumentenhalle geplant.