Die BVG verkauft das 9-Euro-Ticket seit Freitag per App. Markus Wächter

Eigentlich sollte es in Berlin erst ab Sonnabend (21. Mai) verkauft werden, aber die BVG prescht vor: Der Verkauf des 9-Euro-Tickets in Berlin hat begonnen – noch vor dem für den Freitagvormittag erwarteten endgültigen Bundesratsbeschluss. Das Aktionsticket für die Monate Juni, Juli und August ist bei den Berlinern Verkehrsbetrieben (BVG) bereits erhältlich.

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Der Verkauf des 9-Euro-Tickets in Berlin und Teilen Brandenburgs hat begonnen. In der Hauptstadt ist die Aktionskarte an Automaten und Verkaufsstellen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sowie über deren App erhältlich. In Brandenburg begann am Freitagmittag der Verkauf in Cottbus. Potsdam und Frankfurt (Oder) sind am Sonnabend dran. Ab Sonnabend ist das Ticket auch an Verkaufsstellen der S-Bahn Berlin erhältlich. Spätestens am Montag soll nach Angaben des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg der Verkauf flächendeckend laufen.

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Die Fahrkarte kostet 9 Euro und berechtigt dazu, einen Monat lang bundesweit Busse und Bahnen des Nahverkehrs zu nutzen. Das Angebot soll Pendler wegen der hohen Energiepreise entlasten und für mehr Klimaschutz Menschen zum dauerhaften Umstieg auf Busse und Bahnen bewegen. Nach dem Bundestag ebnete am Freitag auch der Bundesrat den Weg für die Aktion.

BVG-Chefin Eva Kreienkamp sprach von einer Sensation. „Man kann jetzt alles ausprobieren“, warb sie um viele Nutzer. „Je mehr es werden, desto besser.“ Kreienkamp erwartet, dass jeder fünfte Berliner das Ticket nutzt. Wenn sich Überlastungen in Bussen und Bahnen andeuteten, solle nach Bedarf nachgesteuert werden.

Berlin hofft, dass die Aktion auch den Tourismus ankurbelt. Ab 9 Euro gibt es von Juni bis August auch eine Rabattkarte für Sehenswürdigkeiten, Museen und andere Attraktionen der Stadt, die „Berlin Welcome Card - Summer edition“, wie die Tourismusgesellschaft der Stadt mitteilte.

„Wir können mit dem Ansturm umgehen“, versicherte die BVG-Chefin. Vor der Pandemie habe das Unternehmen wesentlich mehr Fahrgäste bewältigt als jetzt. Zugleich warb sie darum, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) rief beim Fahrkartenkauf im U-Bahnhof Potsdamer Platz dazu auf, den ÖPNV „mit einem Lächeln“ zu erkunden und das Personal nicht zu stressen.

Die ersten tausend 9-Euro-Tickets sind verkauft

Neben der Entlastung wegen der hohen Energiepreise soll es auch eine Schnupperaktion sein, um mehr Fahrgäste anzulocken und zum Umsteigen vom Auto zu ermuntern. Das 9-Euro-Ticket sei daher eine „Riesenchance“ für klimafreundliche Mobilität, erklärte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) bei der abschließenden Bundestagsdebatte am Donnerstagabend. Aus seiner Sicht sei das Vorhaben schon jetzt ein Erfolg: „Ganz Deutschland spricht vom öffentlichen Personennahverkehr.“

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Volker Wissing hat die Kundschaft zur Rücksichtnahme aufgerufen. Ein so günstiges Ticket führe zu vielen Nutzern, sagte Wissing, als er am Freitag in Berlin ein 9-Euro-Ticket kaufte. „Und da müssen wir uns vielleicht an der einen oder anderen Stelle auch mit einem Lächeln begegnen, wenn man mal einen Zug nicht nehmen kann und auf den nächsten wartet.“ Er bat die Fahrgäste auch, mit zu vollen Zügen so umzugehen, dass die Beschäftigen der Verkehrsunternehmen „nicht gestresst werden“.

Das 9-Euro-Ticket für Bahn und Bus gibt es ab heute über die App der BVG. Sabine Gudath

Anbieter in den Startlöchern: Bus- und Bahnbetreiber sowie Verbünde haben vor Wochen begonnen, Fahrkartenautomaten, Internetseiten und Apps mit dem neuen Angebot zu ergänzen. „Alle Unternehmen haben uns signalisiert, dass sie technisch bereit sind und dass es losgehen kann“, hieß es etwa beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Ein Großteil der Anbieter – darunter die Deutsche Bahn – will am Montag den Verkauf freischalten. Einige starten schon Samstag. Einzelne Anbieter haben sogar bereits die ersten tausend Tickets verkauft, in Hamburg soll der Verkauf wie in Berlin am Freitag beginnen.

Senkung der Energiesteuer: Auch Autofahrer werden entlastet

Der generelle Kurs: Das Ticket soll auch Millionen Menschen von den Preissteigerungen infolge des Ukraine-Kriegs entlasten, die nicht Auto fahren. Das sei grundsätzlich ein guter Ansatz, sagte der Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Jens Hilgenberg. Wichtiger sei jedoch, dass der Bund dauerhaft deutlich mehr Geld für bessere Angebote in der Fläche zur Verfügung stelle. „Durch das 9-Euro-Ticket fährt erst mal kein zusätzlicher Bus im ländlichen Raum.“ Aber gerade dort müssten Alternativen zum eigenen Auto deutlich gestärkt werden, sagte Hilgenberg.

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Kostenbremse auch für Autofahrer: Parallel plant die Koalition für Juni bis August auch Entlastungen beim Tanken durch eine Senkung der Energiesteuer auf das nach EU-Recht vorgegebene Mindestmaß. Der Steuersatz für Benzin soll so um fast 30 Cent herunter, für Diesel um 14 Cent. Dabei geht die Steuerbelastung sogar noch weiter zurück – denn auf den entfallenen Teil der Energiesteuer wird natürlich auch keine Mehrwertsteuer mehr fällig. Wie das Bundesfinanzministerium bestätigte, liegt die steuerliche Entlastung insgesamt also bei 35,2 Cent pro Liter Benzin und 16,7 Euro pro Liter Diesel.