Gabrielle Lebreton hat im Busenzoff das Berliner Bezirksamt Treptow-Köpenick verklagt.
Gabrielle Lebreton hat im Busenzoff das Berliner Bezirksamt Treptow-Köpenick verklagt. Gerd Engelsmann

Neue Runde im Streit um einen entblößten Busen. Die Berlinerin Gabrielle Lebreton war wegen ihres nackten Busens aus einer Grünanlage verwiesen worden, in der auch Kinder spielen. Das war im Juni 2021. Jetzt verklagt die Frau den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick.

„Ich bin Feministin. Diese Ungleichbehandlung von Männern und Frauen ärgert mich zutiefst. In München an den Isarwiesen sind nackte Oberkörper ganz normal“, sagte Gabrielle Lebreton der taz. Sie kann nicht verstehen, wieso Frauen nicht dürfen sollen, was Männer schon immer konnten: mit freiem Oberkörper in der Sonne schwitzen.

Dass Eltern kleiner Kinder, die zusahen, sich daran stießen, kann die Berlinerin zwar verstehen, nicht aber, dass sie aus der Grünanlage verwiesen wurde. Immerhin war Lebreton gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Sohn sowie einem Freund und dessen Tochter in der Plansche. Ihr vorzuwerfen, sie habe keine Augen für die Kinder gehabt, ist also Unsinn.

Busenzoff eskalierte: „Entweder Sie tragen einen BH oder Sie müssen gehen“

Die französische Architektin und Theaterberaterin Lebreton (38) glaubte bis dahin immer, in einer toleranten Stadt zu leben. Dem KURIER sagte sie nach dem Vorfall: „Diese Weltoffenheit der Berliner war auch einer der Gründe, warum ich mich 2012 entschloss, von Paris nach Berlin zu ziehen.“

Dass sie am 20. Juni im Plänterwald ihren nackten Oberkörper zeigte, sei keine feministische Aktion gewesen, stellt die Französin klar. „An diesem Tag waren es 35 Grad Celsius!“ Trotzdem sagten Sicherheitsleute und herbeigerufene Polizisten zu ihr: „Entweder Sie tragen einen BH oder Sie müssen gehen.“ Woraufhin sie mit Freund und Kindern die Plansche wütend verließ.

Gabrielle Lebreton protestiert im Juli 2021 nach dem Busenzoff mit Unterstützern vor dem Rathaus Köpenick.
Gabrielle Lebreton protestiert im Juli 2021 nach dem Busenzoff mit Unterstützern vor dem Rathaus Köpenick. Gerd Engelsmann

Das Bezirksamt bestätigt später dem KURIER, dass der Frau von der Polizei ein Platzverweis ausgesprochen wurde. „In der Tat ist die Plansche ein Spielplatz und kein Freibad, wo man sich mit freiem Körper sonnen könnte“, sagt eine Sprecherin. Gleichzeitig räumte sie aber ein, dass es auch Plansche-Besucher gegeben habe, die Lebreton recht gaben und sie unterstützt hätten.

Die „wilden Möpse“ halfen ihr beim Busenzoff

Unterstützung gab es schließlich auch von Feministinnen aus aller Welt. Im Juli gab es in Berlin-Kreuzberg eine Solidaritätsdemo, Motto: Brust raus! Organisiert wurde der Protest von der „Sektion die wilden Möpse – hedonistische Internationale“. In ihrem Aufruf heißt es: „Für das Recht auf freien Oberkörper – für alle! Gegen die Diskriminierung von Körpern aufgrund von Geschlecht!“

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Organisatorin Rosa sagte damals: „Frauen müssen im Jahr 2021 ihre Brüste bedecken. Doch oversexed Werbung ist immer noch okay. Der Umgang mit Nacktheit muss in einer Stadt wie Berlin normal und ohne Wertung sein.“ Und weiter: „Wir wollen, dass nie wieder ein Mensch, der in Berlin seine Nippel zeigt, wegen des Paragrafen 118 des Ordnungswidrigkeitsgesetzes belangt wird.“

Dass Lebreton aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wurde, stehe außer Frage, sagte ihre Rechtsanwältin Leonie Thum jetzt der taz. Die Fachanwältin für Arbeitsrecht betreut seit Jahren Mandate des Antidiskriminierungsnetzwerks Berlin (ADNB) und ähnlicher Stellen: „Die Diskriminierung ist eindeutig, weil Frau Lebreton ausdrücklich anders behandelt wurde als anwesende Männer, die ihre Oberkörper nicht bekleideten.“

Gabrielle Lebreton bringt den Busenzoff vor Gericht

Tatsächlich stehe in der Nutzungsordnung der Plansche kein Wort von FKK, aber unter Punkt 8: „In der Plansche ist von allen Gästen Straßen- oder Alltagskleidung bzw. handelsübliche Badekleidung, wie z. B. Badehose, Badeshorts, Bikini, Badeanzug, Burkini zu tragen.“ Wobei die Formulierung „handelsübliche Badekleidung“ missverständlich ist, glauben Experten.

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Gabrielle Lebreton jedenfalls hält an ihrer Klage gegen den Bezirk fest. „Viele Menschen erleben Diskriminierung, aber kaum jemand kennt die rechtlichen Möglichkeiten. Ich hoffe, damit dazu beizutragen, dass es weniger Ungleichbehandlung gibt.“