Herlinde Koelbl steht vor einem ihrer Porträts von Angela Merkel im Deutschen Historischen Museum in Berlin. dpa/Soeder

Viele der Porträts sind längst bekannt, aber bei Angela Merkel kann man nicht oft genug hinschauen. Der Bundeskanzlerin im Ruhestand ist eine neue Berliner Schau gewidmet, die wirklich sehenswert ist.

Das Deutsche Historische Museum in Berlin präsentiert ab Freitag eine Ausstellung mit Porträts von Angela Merkel. In der Schau sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus drei Jahrzehnten zu sehen, die die Fotografin Herlinde Koelbl zwischen 1991 und 2021 von der CDU-Politikerin angefertigt hat.

Das Besondere an dieser Schau soll die Originalität sein: Merkel habe nie in die Auswahl der Porträts eingegriffen, sagte der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Raphael Gross, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der Ausstellung. Das sei „eines der erstaunlichsten Phänomene der Zusammenarbeit“ zwischen der Fotografin und der Porträtierten gewesen.

Kanzlerin Merkel hatte nicht immer gute Laune

Verschwiegen wird dabei allerdings, dass die Kanzlerin mit mehr oder weniger guter Laune Koelbls Porträt-Termine über sich ergehen ließ. Schließlich konnte Merkel ihre im Wesentlichen von der Tagespolitik beherrschten Stimmungen nicht immer an- und ausknipsen, so wie Koelbl das wollte.

Die 47 Porträtaufnahmen werden ergänzt um Zitate Merkels, Audiostationen und eine Videocollage mit Ausschnitten aus Interviews, die Koelbl mit ihr führte. Die Antworten auf die jährliche Frage „Was haben Sie gelernt?“ sollen Merkels Entwicklungsprozess im männlich dominierten Politikbetrieb der 1990er-Jahre dokumentieren.

Berlin: Zwei Personen unterhalten sich bei einem Presserundgang durch die Ausstellung „Angela Merkel Portraits 1991 – 2021“ der Fotografin Herlinde Koelbl. dpa/Soeder

Koelbl betonte, es sei ihr um „größtmögliche Objektivität“ gegangen. Deshalb habe sie Merkel „nach einem klaren Konzept fotografiert; Kopf, sitzend, stehend“, ohne Anweisungen zu geben. Sie habe eine „vertrauensvolle, respektvolle Beziehung“ zu Merkel entwickelt: „Diese Begegnungen waren immer etwas Besonderes. Auch bei großem Stress hat sie die Termine immer gehalten. Vielleicht hat sie als Wissenschaftlerin die Dokumentation ihrer eigenen Veränderung auch als Experiment gesehen.“

Die erste Aufnahme entstand 1991, als Merkel Bundesministerin für Frauen und Jugend geworden war. Das letzte Porträt stammt von 2021, als ihre 16-jährige Amtszeit als Bundeskanzlerin endete.

Raphael Gross, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, teilte mit: „Als historisches Museum interessiert uns an dieser erstaunlichen Langzeitserie ganz besonders, dass es keine vergleichbare weibliche Führungspersönlichkeit in der deutschen Geschichte und Politik gegeben hat. Mit Angela Merkel treffen unsere Besucherinnen und Besucher auf eine deutsche Politikerin, deren Weg beispiellos ist. Herlinde Koelbl ist es gelungen, dies in ihren Aufnahmen auf einzigartige Weise einzufangen.”

Wer sich für die Schau interessiert, sollte wissen, dass Koelbl ihr Porträt-Projekt über viele Jahre auch mit anderen deutschen Politikern verwirklichte. Darunter Gerhard Schröder und Joschka Fischer.

Die Ausstellung „Herlinde Koelbl. Angela Merkel Portraits 1991 – 2021“ ist ab Freitag bis zum 4. September zu sehen. Eintritt 8 €, ermäßigter Eintritt 4 €, Eintritt bis 18 Jahre frei.

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