Toll: Menschen, die einen Termin im Bürgeramt ergattert haben. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Ist es nicht schön, dass der Senat gute Ratschläge erteilt? Für „nur“ 5,10 Euro kann man sich seinen neuen Plastik-Führerschein von der Bundesdruckerei zuschicken lassen, spart damit einen Gang ins Bürgeramt, vor allem die nervtötenden Versuche, einen Termin dafür zu finden.

Man weiß nicht, ob man weinen oder hysterisch lachen soll: Dafür, dass der Senat und die Bezirke es seit vielen Jahren nicht bewerkstelligen können, funktionierende Bürgerämter zu installieren, soll der Bürger in die Tasche greifen, damit ihm der Staat nicht per Bußgeld in die Tasche fasst, falls der Autofahrer seinen Führerschein nicht hat umtauschen können.

Dass Berliner für das Versagen der Berliner Politik doppelt abkassiert werden sollen, ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten. Unmengen an Druckerschwärze bei den Zeitungen und Sendeminuten im Radio und Fernsehen wurden für das Thema Bürgerämter schon verplempert, aber bei Senat und Bezirken glitscht jedwede Kritik weg wie ein Reifen auf einer Ölspur.  

Fristsetzungen beim Führerschein-Umtausch oder beim Anmelden einer neuen Adresse sind in dieser Stadt groteske Zumutungen, und nein, die Verwaltungen sind nicht dafür verantwortlich. Die desolate Organisation ist nicht den Damen und Herren anzukreiden, die in den Bürgerämtern arbeiten, sondern den Damen und Herren Senatoren und Stadträten, die sich einen feuchten Kehricht darum kümmern, dass der Staat seine teuer bezahlten Aufgaben auch erfüllt.

Deshalb gibt es hier auch keine sinnlose, weil aussichtslose Forderung an die Politik, das Problem zu lösen, sondern nur eine Aufforderung an die Bürger: Bitte lachen Sie den nächsten Berliner Politiker, der ihnen Besserung in den Bürgerämtern verspricht, einfach nur aus.